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Deutschland hinkt bei E-Learning hinterher

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Deutschland ist beim Einsatz computergestützter Lernangebote nach Ansicht eines Jenaer Experten Entwicklungsland. "In Europa geben nur Italien und Spanien noch weniger Geld pro Kopf für E-Learning aus", sagte der Professor für Interkulturelle Wirtschaftskommunikation Jürgen Bolten in einem dpa-Gespräch. Besonders hoch sei die Nutzung von Lernprogrammen in Skandinavien. Bolten organisiert eine am Freitag beginnende Tagung in Jena zur besseren Akzeptanz des computergestützten Lernens.

Trotz der Vorteile elektronischer Medien wie Ortsunabhängigkeit beim Lernen überwiege in Deutschland die Skepsis gegenüber den neuen Methoden. "Lieber fahren die Leute in die nächste Stadt, um an einem Weiterbildungskurs teilzunehmen", sagte Bolten. Die Zukunft des E-Learnings sieht er in einer Kombination der beiden Lernformen. "Lernen ohne soziale Kontakte funktioniert nicht." Der Austausch mit Lehrern und anderen Schülern sei ebenso wichtig für die Motivation wie etwa ein Lernziel bis zur nächsten Sitzung. Deshalb setze sich das so genannte "Blended Learning" durch, bei dem die Lernenden vier Fünftel der Zeit im virtuellen Klassenzimmer zu Hause verbringen und zu einem Fünftel in einem realen Seminarraum sitzen.

Computergestützte Lernmethoden seien herkömmlichen in einer Reihe von Punkten überlegen. "Man kann lernen, wann und wo man will", sagte Bolten. Oft sei es möglich, mit Handys und Taschen-Computern auf die Lern-Angebote zuzugreifen. Gegenüber Lehrbüchern erlaubten E-Learning-Angebote von CDs oder aus dem Internet eine viel größere Interaktion des Lernenden. "Ein großer Mehrwert von E-Learning ist auch die mögliche Internationalität." Nutzer in verschiedenen Ländern könnten gleichzeitig an Unternehmensplanspielen teilnehmen.

E-Learning ist aus Boltens Sicht eine Notwendigkeit. "Je mobiler eine Gesellschaft ist, desto stärker braucht sie solche Angebote." Die neuen Lerntechniken seien für Unternehmen und Institutionen bestens geeignet, um Mitarbeiter stets auf dem neuesten Kenntnisstand zu halten. "Schließlich ist berufliches Fachwissen nach sechs Jahren komplett veraltet, Hochschulwissen nach zehn Jahren." Um die Nutzung von Lernprogrammen zu forcieren, solle die Politik bei der Vergabe von Fördermitteln die Bildungsaktivität von Unternehmen berücksichtigen.

Wie oft Unternehmen und Hochschulen digitale Lernangebote heute schon einsetzen, lasse sich nur schwer beziffern, sagte Bolten. E- Learning werde sehr unterschiedlich definiert. "Für manche ist E- Learning schon der Download von Unternehmensdaten aus dem Internet, für andere erst spezielle Lernprogramme mit einem Telecoach." Marktforschungs-Daten seien daher schwer miteinander zu vergleichen. (dpa) / (dpa) / (nhe)

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