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Deutschland ist weltweit Spitze beim E-Commerce

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Das in Genf angesiedelte Weltwirtschaftsforum hat am heutigen Mittwoch in seiner Heimatstadt die zweite Ausgabe des "Global Information Technology Report" vorgestellt. Kern des mehrere hundert Seiten umfassenden Wälzers zur Lage der Informationsgesellschaft in den Jahren 2002/2003 ist die Einordnung von 82 Nationen in eine Rangfolge entlang des so genannten "Network Readiness Index". Für manche Beobachter überraschend nimmt die deutsche Wirtschaft darin die weltweite Spitzenposition ein, wenn es um die kommerzielle Nutzung des Internet geht. Die Autoren der Studie stellen deutschen Unternehmen im Business-to-Business- und im Business-to-Consumer-Bereich generell hervorragende Noten aus. Führend seien sie im Online-Marketing und bei der Entwicklung von Applikationen fürs drahtlose Netz. Auch für die Koordination von Beziehungen zu Kunden und Lieferanten und für ihre Präsenz im Web erhalten deutsche Firmen beste Zensuren.

In der Gesamtbewertung der Netztauglichkeit sieht es für Deutschland schlechter aus: Platz 10. Der Index setzt sich aus drei Komponenten zusammen. Zum einen fällt das Umfeld für den Einsatz von Informationstechnologien ins Gewicht. Zum anderen die Bereitschaft der Anwendergruppen "individuelle Nutzer", "Unternehmen" und "Regierung", von diesen IuK-Techniken Gebrauch zu machen. Und letztlich zählt die tatsächliche Nutzung von Internet, (Mobil-)Telefonen, Faxmaschinen und Computersystemen. Schon im letzten Punkt kann es zwischen den einzelnen untersuchten Kreisen zu großen Schwankungen kommen, arbeiten die Analysten am Beispiel Deutschland heraus. Dort halte die Nutzung des Netzes bei den allgemeinen Bürgern (Platz 17) und in der öffentlichen Verwaltung (Platz 20) im Vergleich zum Business-Sektor nicht mit.

Generell stellen die Statistiker des Weltwirtschaftsforums der Bundesregierung für ihre Bemühungen wie der Initiative BundOnline 2005 ein eher schlechtes Zeugnis aus: In der Kategorie E-Government etwa landet Deutschland nur auf dem 32. Platz. Die im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt eher geringen Ausgaben für den Bildungsbereich bringen Rot-Grün den ebenso wenig ehrenvollen 40. Platz ein. Für ihre "Internet-Kompetenz" werden die Beamten und Politiker hierzulande gar nur mit Rang 42 bedacht.

Noch schlechter sieht es bei der Note für die Offenhaltung des Informationsflusses im Netz aus: Die hierzulande geltenden Restriktionen für Internet-Inhalte durch die Regierung verschaffen Deutschland nur Platz 57 und rücken die Bundesrepublik in die Nähe von wenig demokratischen Ländern wie China oder Singapur. Wie die Einordnung in diesem Punkt zu Stande kam, legen die Autoren des Reports nicht genau dar. Deutschland katapultierte sich aber im vergangenen Jahr etwa durch die Websperrungen der Düsseldorfer Bezirksregierung sowie die strikte neue Jugendschutzgesetzgebung international in die Schlagzeilen.

Doch zum Glück gibt es auch Lichtblicke abgesehen von der hohen Vernetzung der deutschen Wirtschaft: So liegt Deutschland bei der "allgemeinen Qualität der Infrastruktur" für die IuK-Technologien auf dem 3. Platz, bei der nötigen Wartezeit für einen Anschluss ans Telefonnetz an 1. Stelle. Auch den Wettbewerb im Telekommunikationssektor sieht die Statistik als gegeben an: Rang 4 für Deutschland. Insgesamt kann sich die Bundesrepublik so auf dem Index über die "Bereitschaft" für die digitale Gesellschaft vom 17. Platz auf den 10. Platz verbessern. An der Spitzenposition in der Gesamtwertung verdrängt Finnland die USA. Vor Deutschland liegen ferner Singapur, die anderen skandinavischen Länder, Kanada, Großbritannien sowie Taiwan.

Für bemerkenswert halten die Autoren, dass sich Israel auf Grund eines sich rasch entwickelnden E-Business-Sektors auf Rang 12 und Korea dank des Anschlusses fast der gesamten Bevölkerung ans größtenteils breitbandige Internet auf Rang 14 vorschieben konnten. Ferner haben sie eine lobende Erwähnung für Estland (Platz 24) parat, das die Statistik als führend unter den osteuropäischen Ländern ausweist. Für Karl Schwab, den Präsidenten des für seine Davoser Gipfeltreffen der Mächtigen bekannten Forums, zeigen die Ergebnisse, dass auch in Zeiten stotternder Wirtschaftsmotoren "der Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien eine der wichtigsten Wachstumsmaschinen bleibt." Gerade für die Entwicklungsländer, die in der Skala noch unter "ferner liefen" rangieren oder auf Grund fehlenden Datenmaterials überhaupt nicht berücksichtigt werden konnten, sei das Internet ein wichtiger Hoffnungsanker. Angesichts zunehmender ethnischer, religiöser und sozioökonomischer Spaltungen im globalen Rahmen müssten die IuK-Techniken auch weiter als Werkzeuge gesehen werden, "mit denen sich Menschen verbinden und miteinander kommunizieren können". (Stefan Krempl) / (Stefan Krempl) / (jk)

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