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Die Fehler der anderen: Zeitungsalgorithmus vermeldet falsches Erdbeben

Seit Jahren leistet ein Algorithmus bei der Los Angeles Times die mühevolle Arbeit, jedes Erdbeben zu vermelden – egal wie klein. Nun berichtete er über ein besonders heftiges, das niemand gespürt hatte. Doch wer trägt die Schuld an der Falschmeldung?

Die Fehler der anderen: Zeitungsalgorithmus vermeldet falsches Erdbeben

Auch Algorithmen machen Fehler – oder nicht?

(Bild: c't)

Wenn Algorithmen Fehler machen, ist die Schuldfrage schwieriger, aber am besten ist jemand anders verantwortlich. So zumindest scheint man es bei der Los Angeles Times zu sehen, nachdem die Zeitung am Mittwoch ein schweres Erdbeben vermeldete, von dem vor Ort aber niemand etwas mitbekommen hatte. Verantwortlich für die kurze Meldung und den dazugehörigen Tweet war der sogenannte Quakebot, der seit mehreren Jahren fleißig die kleinsten Erschütterungen in der Region zusammenfasst. Nun hatte er aber ein heftiges Beben der Stärke 6,8 auf der Richterskala vermeldet – datiert auf den 29. Juni 2025.

Für die Meldung verantwortlich war ein ungenannter Mitarbeiter beim California Institute of Technology , der Daten zu einem Erdbeben im Jahr 1925 korrigieren wollte und versehentlich einen automatisierten Alarm des U.S. Geological Survey (USGS) auslöste. Während jeder menschliche Redakteur den Fehler wohl schnell bemerkt hätte – schon an dem Datum, das durch den Fehler in die Zukunft versetzt wurde – erledigte Quakebot seine Arbeit ungerührt. Wie immer wandelte er die vom USGS gelieferten Daten automatisch in eine kurze Meldung um, die direkt veröffentlicht wurde. Erst dann bemerkten Redakteure der Zeitung den Fehler und korrigierten den Text. All das fasst die Zeitung in dem überarbeiteten Meldungstext zusammen, sieht die Schuld aber offenbar ausschließlich bei den Seismologen.

Quakebot war 2014 weltweit bekannt geworden, als er die erste Meldung zu einem Erdbeben verfasst hatte. Seitdem gibt es Hunderte Artikel der Los Angeles Times, über denen der Algorithmus als alleiniger Autor steht. Dabei geschehen immer wieder Fehler, gesteht die Zeitung ein, selten handle es sich aber um derart starke Beben, versucht sie zu beruhigen. Eine Nachjustierung des Algorithmus', etwa damit der keine Beben aus der fernen Vergangenheit – oder Zukunft – meldet, ist offenbar nicht vorgesehen. Quakebot fasst ja nur in Worte, was andere berichten. Schuld an Fehlern sind dann auch weder der Bot noch sein Programmierer. (mho)

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