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Die Glasfaser als Bremse für T-DSL

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Im Telekom-Netz sind derzeit rund 2 Millionen Anschlüsse mit optischen Zugangsnetzen vorhanden. Auskünfte zum Anteil der ostdeutschen Haushalte verweigert die Telekom. Im Rahmen der Förderung strukturschwacher Gebiete flossen für den OPAL-Ausbau (Optische Anschlussleitung) in den neuen Bundesländern auch Subventionen der Europäischen Investitionsbank. Von dem mit öffentlichen Mitteln geförderten Programm profitierten unter anderem die Firmen Alcatel, AT&T, Raychem, Siemens und Corning als Lieferanten der Technologie. Keine dieser Firmen mag heute Auskünfte zu ihren Glasfasergeschäften mit dem Telekom-Vorläufer geben.

"Mit dieser zukunftsorientierten Anschlusstechnik lassen sich alle zukünftigen, interaktiven, breitbandigen Verteildienste nutzen", heißt es auf der Website von Siemens. Aber was ist mit der Gegenwart? Und was geschah damals wirklich in Ostdeutschland?

Glasfaser hat gegenüber dem Kupferkabel eigentlich zwei entscheidende Vorteile: hohe Bandbreite und geringe Dämpfung. Sie ist außerdem unempfindlich gegen elektromagnetische Störungen durch technische Geräte, Gewitter oder Sender. Und technisch würden sich mehrere Lösungsmöglichkeiten für das Angebot eines schnellen Internetzugangs für Haushalte mit Glasfaseranschluss anbieten.

Ein Glasfaseranschluss lässt sich auf verschiedene Weise realisieren: als FTTN (Fibre To The Neighborhood), FTTC (Fibre To The Curb), FTTB (Fibre To The Basement) und FTTH (Fibre To The Home). Bei der OPAL-Technologie wurden meist FTTC- und FTTB-Anschlüsse realisiert: Vom Bürgersteig oder vom Keller des Hauses aus führt keine Glasfaser, sondern ein Kupferkabel zum Teilnehmer-Endgerät. Bei FTTB-Anschlüssen befindet sich im Keller ein Kasten mit Einsteckkarten, welche die Analog- und ISDN-Anschlüsse für die Wohnungen im Haus bereitstellen. Diese unterschiedlichen Anschlüsse werden über eine flexible Kanalzuordnung realisiert. Bei der Telekom werden vier unterschiedliche optische Zugangsnetzsysteme eingesetzt. Davon arbeiten ein System mit aktivem und 3 Systeme mit passivem optischen Verteiler. Passive optische Netze verfügen über eine Busstruktur, bei der Koppler optische Energie ein- und auskoppeln.

Die von der Telekom eingesetzten Zugangsnetzsysteme wurden ausschließlich für den Telefondienst und für Standardfestverbindungen bis 2 Mbit/s konzipiert. Diese Technologie führte schon vor ADSL zu Problemen: So verhinderte das scheinbar fortschrittliche System in manchen Fällen einen V.90-Connect mit einem 56k-Modem. Wer keinen Krone-OPAL-Anschluss hatte, musste sich mit 33.600 Bit/s abfinden.

Da ADSL auf Kupferkabel angewiesen ist, kann es nicht direkt in Wohnungen mit Glasfaseranschluss gelegt werden. Was jedoch möglich wäre, ist die Lieferung anderer kostengünstiger und schneller Internetanbindungen für solche Haushalte.

Während die Telekom in Deutschland immer noch mit T-DSL kämpft, sind anderswo bereits Geräte der nächsten Generation im Einsatz. So betreibt US West in Phoenix, Arizona, ein Projekt mit 31.000 Benutzern, das Fernsehen, Internet und Telefon über VDSL bietet. VDSL (Very High Data Rate Digital Subscriber Line) ist eine der viel versprechendsten in Glasfasergebieten einsetzbaren Technologien und deutlich schneller als ADSL.

Bis dann einmal vielleicht sogar WDM (Wavelength Division Multiplexing) dem Endanwender angeboten wird, dauert es wohl noch einige Zeit. WDM wird von Arcor wie von der Telekom in den Backbones verwendet, aber weder bei der einen noch bei der anderen Firma ist derzeit ein Angebot für Direktanschlüsse von Privatkunden in Aussicht.

Warum dachte man bei der Konzeption von OPAL nicht an die potenziellen Probleme mit DSL? Weil man bei der Telekom mit der Internet-Revolution 1990 so wenig gerechnet hatte, wie Honecker 1985 mit dem Mauerfall.

Mehr dazu im Artikel Die Glasfaser in ihrem Lauf ... hält DSL im Osten auf in Telepolis. (Peter Mühlbauer) (jk)