MWC

Die Highlights des Mobile World Congress 2012

Quad-Core-Smartphones, HD-Tablets, Mobilfunk-Netze mit üppigen Übertragungsraten und neue Apps: Der Mobile World Congress 2012 in Barcelona setzte nicht nur beim Besucherzuspruch neue Maßstäbe.

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Von
  • Achim Barczok

Nicht nur der Mobile World Congress selbst, auch die Aussteller der Mobilfunk-Messe konnten in diesem Jahr wieder einige Rekorde verzeichnen: Smartphones mit Vierkern-Prozessoren, Tablets mit HD-Displays und eine extrem hochauflösende Smartphone-Kamera. Doch auch die Techniken und Ökosysteme rund um die mobilen Geräte entwickeln sich weiter: Schnelle Downloads dank der Mobilfunktechnik Long Term Evolution (LTE) und komfortables Bezahlen per Handy mit Near Field Communication (NFC) hatten ebenso einen Platz an den Ständen wie neue Kommunikations- und Multimedia-Dienste.

Und dann stellte ganz nebenbei Microsoft die erste öffentliche Beta-Version von Windows 8 "Consumer Preview" vor. Dass Windows-Chef Steven Sinofsky die nächste Version des weltweit erfolgreichsten Betriebssystems auf einer Mobilfunk-Messe präsentierte, kann man als klares Signal Richtung mobiler Anwendungen und Endgeräte deuten: Windows 8 und seine Metro-Oberfläche sollen Microsoft zum Durchbruch bei den Tablets verhelfen.

Smartphones auf dem MWC (11 Bilder)

Nokia 808 PureView

(Bild: heise mobil)

Die Android-Oberfläche glitt noch nie so flüssig über den Smartphone-Bildschirm wie bei den auf dem MWC vorgestellten Modellen mit Vierkern-Prozessoren. Eingeleitet wurde die Quadcore-Parade schon einen Tag vor dem offiziellen Messebeginn von dem chinesischen Hersteller Huawei. Das Ascend D quad ist ein High-End-Smartphone, das den vorgestellten Vierkernmodellen HTC One X und LG Optimus 4X HD in nichts nachsteht. Ebenfalls ein Neuling aus China ist ZTE. Der Hersteller trat mit dem Quadcore-Smartphone Era die Tür zum europäischen Markt ähnlich kräftig ein wie Huawei. Der Name des Geräts sei Programm und es leite eine neue Ära ein.

Der Leistungssprung von mobilen Dual-Core-Prozessoren zu Quad-Core-Prozessoren ist weit größer als die Aufrüstung von von einem auf zwei Kerne, die vor rund einem halben Jahr erfolgte. LG zeigte vom Optimus 4X HD zwar nur Vorserienmodelle, aber auch auf diesen liefen 3D-Spiele flüssig, deren Grafik der von Playstation 3 und Xbox 360 ebenbürtig ist. Außerdem unternimmt LG mit dem Optimus 3D Max einen zweiten Versuch, ein Smartphone mit stereoskopischem 3D-Display zu verkaufen. HTC nutzt die hinzugekommene Leistung, um seine effektreiche Android-Oberfläche Sense 4 flüssig zu animieren.

Nokia ließ sich von den Muskelspielchen mit Prozessorkernen nicht beeindrucken und präsentierte außer der europäischen Version des Flaggschiffs Lumia 900 das Nokia 808 PureView. Es nimmt Fotos mit einem 41-Megapixel-Sensor auf – das bieten sonst nur teure Profi-Kameras. Vom Samsung Galaxy S3 war nichts zu sehen, lediglich das Projektor-Handy Galaxy Beam stellten die Koreaner vor. Motorola zeigte nichts Neues, zumindest nicht für den deutschen Markt.

Tablets auf dem MWC (6 Bilder)

Asus TransformerPad 300 (links) und Infinity

(Bild: heise mobil)

ZTEs vorgestellte Tablet-Modelle unterscheiden sich zwar nur in Details, sind aber gleich zu viert. Unter anderem ist ein 10-Zoll-Tablet mit dem Quad-Core-Chipsatz Tegra 3 von Nvidia dabei. Auch bei den Tablets zeigte Samsung nichts Spektakuläres: Das Galaxy Note 10.1 reagiert auf Stifteingaben, und das Galaxy Tab 2 bietet nur durchschnittliche Hardware. Viewsonic präsentierte ein 7-Zoll-Tablet mit dem aktuellen Android 4.0 für unter 150 Euro.

Das Asus Transformer Pad Infinity protzte auf der Messe mit dem üppigsten Datenblatt: Es hat unter anderem ein IPS-Display mit Full-HD-Auflösung (1920 × 1080), den Quad-Core-Prozessor Tegra 3 und ein Dock mit Tastatur an Bord.

Die vierte Mobilfunk-Generation LTE wirft außer bei neuen Endgeräten auch bei den Providern deutliche Schatten voraus. Telefonica (O2) deckte das Kongressgelände mit elf 2,6-GHz-Metrozellen ab, sodass etwa 1000 Nutzer in Barcelona darüber mit LTE-typischen Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 100 MBit/s und Latenzzeiten von 15 bis 20 ms kommunizieren konnten. Im Frequenzbereich um 800 MHz und mit bestehenden Sendemasten will der Konzern ab Juli große Teile von Deutschland mit LTE-Netzanbindung versorgen.

Bezahlen mit dem Smartphone nimmt dank NFC nun auch in Deutschland an Fahrt auf: Seit dem 1. März können O2-Kunden ihre Fahrten bei vielen Verkehrsbetrieben, etwa dem Verkehrsverbund Rhein/Ruhr und der Deutschen Bahn, ad hoc durch Kontaktaufnahme an Ein-, Aus- und Umsteigepunkten per NFC buchen.

Die Messegesellschaft hatte den Apps unter dem Namen "App Planet" eine eigene Messehalle gewidmet. Zu den hier gezeigten Neuerungen zählten Skype für Windows Phone, die Kinderschutzanwendungen von MyMobileSecurity und Kaspersky sowie touch&travel für O2-Kunden. Nokia hatte für seine Windows Phones gleich mehrere neue Anwendungen im Gepäck: Einen E-Book- und Newsreader, eine Routenberechnung für öffentliche Verkehrsmittel und ein Update für seine Navigations-Software.

Der Gaia Browser des mobilen Betriebssystems Boot to Gecko

Weil die App-Vielfalt ein wichtiges Argument bei der Auswahl eines mobilen Betriebssystems ist, versuchen Google, Microsoft und Co., deren Entwickler im "Krieg der Ökosysteme" auf ihre Plattform zu ziehen. Mozilla probiert das mit einem inzwischen eher unüblichen Ansatz: Sein auf der Messe präsentierter System-Neuling Boot to Gecko setzt ausschließlich auf offene Standards wie HTML5 für Apps und einen offenen Shop.

Mozilla konnte für sein neues Mobilbetriebssystem bereits einige schwergewichtige Partner vorweisen, darunter die Mobilfunkkonzerne Telefonica und die Deutsche Telekom, den Chip-Hersteller Qualcomm und Adobe. Gemeinsam mit Facebook und 30 Geräteherstellern, Netzbetreibern und Browserentwicklern arbeitet Mozilla an der W3C Mobile Web Platform Core Community Group, die einheitliche Anforderungen an mobile Browser festlegen soll.

Joyn ist die Reaktion der Mobilfunkkonzerne auf erfolgreiche und beliebte Chat-Dienste wie WhatsApp und Facebook, mit denen Handynutzer den bisherigen Umsatzbringer SMS mittels Internet-basierter Nachrichten umgehen können. Joyn soll nicht nur der 160-Zeichen-Grenze der SMS ein Ende machen, sondern auch Bild- oder Standortmitteilungen ermöglichen. Im Sommer 2012 soll Joyn an den Start gehen.

(hcz) / (hps) / (jo) / (acb)