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Technology Review

Die Hirn-Kontrolleure: Gehirnimplantat soll Gefühle steuern

Das US-Militär fördert die Entwicklung von Systemen, mit denen sich die Emotionen psychisch Kranker beeinflussen lassen.

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Die USA sehen sich einem wachsenden Problem gegenüber: Viele Veteranen leiden an psychischen Erkrankungen. Die Selbstmordrate ist fast viermal so hoch wie beim Rest der Bevölkerung. Deshalb hat das US-Militär das 70 Millionen Dollar schwere Darpa-Programm "Subnets" aufgelegt, berichtet Technology Review. Mit ihm fördert es die Entwicklung von Gehirnimplantaten, mit denen sich die Emotionen psychisch Kranker beeinflussen lassen.

Bereits heute hilft die Tiefenhirnstimulation mit Elektroden etwa bei Parkinson und Zwangsstörungen. Das Gehirn lässt sich auch von außen beeinflussen: Magnetfeld- und Elektrostimulation werden etwa bei Depressionen eingesetzt. Auf diesem Wissen aufbauend, wollen die Forscher neue Mikroelektronik-Systeme entwickeln, die sich in den Körper integrieren lassen. Sie sollen "die Schaltkreise bei neuropsychiatrischen Erkrankungen verstehen und präzise Signale ans Gehirn schicken", sagt Justin Sanchez, Leiter von Subnets bei der Darpa.

Die Forscher wollen unter anderem Suchterkrankungen, Depressionen und das Borderline-Syndrom behandeln. "Stellen Sie sich vor, wir könnten bei einer Sucht erkennen, wenn jemand ein Verlangen verspürt, und das durch Stimulation verhindern", sagt Jose Carmena von der University of California in Berkeley, der am Projekt beteiligt ist. "Außerdem ist das Ziel, bei Veteranen mit posttraumatischer Belastungsstörung das Angstgefühl zu unterbinden", ergänzt Darin Dougherty, Psychiater am Massachusetts General Hospital. "Infrage kommen sie aber nur für Patienten, die weder auf Medikamente noch auf Psychotherapie ansprechen."

Die Arbeit ist nicht ohne Bedenken. Vor 40 Jahren forschte der Neurowissenschaftler Jose Delgado an Implantaten, mit denen er bei Menschen Emotionen wie Angst oder Entspannung hervorrufen wollte. Weil er beschuldigt wurde, Geräte zur totalitären Gedankensteuerung zu entwickeln, verließ er die USA. Deshalb hat die Darpa eine Ethikkommission berufen, die das Projekt beaufsichtigen soll. Die Behörde hofft, erste Geräte in zwei bis drei Jahren am Menschen testen zu können. (Antonio Regalado) / (bsc)

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