Menü

Die Hobby-Industrie und das Urheberrecht im Internet

vorlesen Drucken Kommentare lesen 57 Beiträge

Schluss mit dem Strickmusterdiebstahl per Internet: Gegen den Online-Diebstahl von Stick- Schnitt-, und Strickmustern will die US-amerikanische Hobby Industry Association (HIA) Front machen. Über 4.000 Mitglieder haben sich hier zusammengeschlossen, um für das geistige Eigentum an Häkel- und Klöppel-Designs einzutreten. Ebenso wie Musikdateien und Bilder dürften auch Handarbeits-Patente und Bastel-Anleitungen nicht länger unrechtmäßig heruntergeladen und verbreitet werden, fordert die Vereinigung.

Eine internationale Aufklärungskampagne zum Thema gestohlene Handarbeitsmuster im Web ist in Vorbereitung. Mit dazu gehören wird ein Set von aufpoppenden Warnungen, kündigt die HIA an. Oft würden sich Handarbeitsmusterdiebe damit herausreden, sie hätten nicht gewusst, dass ihr Tun unrechtmäßig sei. Dagegen sollen die Hinweise helfen.

Stickmuster-Designer, Flaschenschiff-Konstrukteure und Blumengesteck-Liebhaber hätten viel mehr unter dem Ideen-Klau im Netz zu leiden haben als große Musik-Stars, meint die HIA. Immerhin könnten Musiker ja auch noch Einnahmen aus Tourneen und Konzerten beziehen. "Die vom Handarbeitsklau Betroffenen sind dagegen meist Kleinkünstler. Wenn man ihre Ideen kostenlos ins Web stellt, können sie kein Geld mehr verdienen", meint HIA-Sprecherin Susan Brandt.

Wenn die Informationskampagne keine Früchte zeige, will sich die im Bundesstaat New Jersey ansässige HIA für einen Handarbeits-Copyright-Schutz stark machen. Die sogenannte "Graswurzel-Industrie", die von Blumengesteck-Ideen und Häkeldeckchenmustern lebe, müsste sich nun auf ähnliche Schlachten einstellen, wie sie die Musikindustrie mit Napster bereits geschlagen habe, so Brandt. Handarbeitsläden wie Pegasus Originals, ein Shop für Stickzubehör im süd-kalifornischen Lexington, verdienten nach eigenen Angaben bis 40 Prozent weniger pro Jahr, seit sich das Internet in weiten Kreisen der Bevölkerung durchgesetzt hat.

Recherchen der HIA ergaben, dass die meisten raubkopierten Handarbeits- und Bastelanleitungen in Europa, Russland und Korea zirkulieren. Mitunter würden die aus dem Netz gefischten Raubkopien sogar ausgedruckt und im Straßenverkauf gehandelt. Selbst Passwort-geschützte Ideen-Pools seien schon geknackt worden. "Viele Leute kaufen sich einmal eine Anleitung, um sie danach auf ihrer Website kostenlos weiterzuverteilen", kritisierte Brandt. Alan Weintraub, Spezialist für geistiges Eigentum bei den Marktforschern von Gartner, hat festgestellt, dass die meisten Gerichte wesentlich wohlwollender mit Diebstahl umgehen, sobald sich herausstellt, dass er im Internet begangen wurde. "Viele meinen immer noch, dass alles, was man im Internet macht, nicht so schwerwiegend ist", kommentiert Weintraub. (mbb)