Menü

Die ICANN erinnert sich an ihre Mitglieder

vorlesen Drucken Kommentare lesen 5 Beiträge

Erstmals seit der Wahl von fünf ICANN-Direktoren erhielten Mitglieder der Adressen- und Namensraumverwaltung Internet Corporation for Assigned Names and Numbers Post von der Organisation:"Sagen Sie dem 'At large Mitgliedschaft'-Studienkomitee Ihre Meinung – kommen Sie zum ersten Treffen des Komitees am 9. März nach Melbourne oder schicken Sie ihre Ideen an comments@atlargestudy.org." Bis zum November soll das vom schwedischen Expremier und UN-Botschafter Carl Bildt geleitete Gremium "einen Konsens über die beste Möglichkeit herbeiführen, wie Internetnutzer in aller Welt innerhalb der ICANN ('At Large Members') vertreten sein sollen". Man hofft dabei auf die breite Unterstützung durch möglichst viele Organisationen in aller Welt.

Die Metastudie ist umstritten, weil sie die Notwendigkeit einer Nutzervertretung innerhalb der für Nummern, Protokolle und vor allem das DNS zuständigen Organisation nicht als Vorbedingung betrachten soll. Vielmehr wünscht sich die ICANN eine generelle Überprüfung, inwieweit eine Beteiligung der Nutzer Sinn ergibt. ICANN-Kritiker befürchten nach wie vor, dass die Vertretung der Internet-Nutzer zur Disposition steht.

Kritik gibt es auch an der nun vervollständigten Besetzung des Komitees, das von gegenwärtigen und ehemaligen Mitgliedern der ICANN sowie ISOC-Vertretern dominiert wird. Neben Bildt, seinen Stellvertretern Pindar Wong (Ex-ICANN-Direktor) und Charles Costello wurden nun die Ex-ICANN-Vorsitzende Esther Dyson, Pierre Dandjinou (AfriNIC, ICANN), WIPO-Panelist und ISOC-Frankreich-Mitglied Olivier Iteanu, Liu Qing-Yi (Taiwan-NIC und Mitglied der Verbraucherschutzkommission in Taiwan), der US-Amerikaner Thomas Niles (US Council of International Business) und Names-Council-Mitglied Oscar Robles berufen. ICANNs Direktoren müssen diese Liste offensichtlich noch absegnen.

Die Mitglieder selbst oder auch regionale Listen wie ICANN Europe seien wieder einmal vor vollendete Tatsachen gestellt worden, bedauert die Berliner Politikwissenschaftlerin und ICANN-Wahlkandidatin Jeanette Hofmann. Sie fürchtet auch, dass das mit vielen Zeitverzögerungen sich konstituierende Gremium unter einen extremen Zeitdruck geraten könnte. Die Politikwissenschaftlerin gehört zur Gruppe NGO and Academic ICANN Study (NAIS), die eine eigene Studie zur so genannten At-Large-Wahl und Mitgliedschaft vorlegen will. "Wir warten derzeit noch auf den versprochenen Zugang für die Daten zur Mitgliedschaft", erklärte Hofmann, die beim ICANN-Treffen in Melbourne NAIS mit vorstellen wird.

Für die NAIS-Mitglieder steht aber bereits fest, dass ihre Studie die Notwendigkeit einer Mitgliedschaft nicht infrage stellen wird. "Wir konzentrieren uns ganz auf das 'Wie', also: Wie kann die Mitgliedschaft organisiert oder das Wahlverfahren verbessert werden", sagt Hofmann. Welche weiteren Gruppen einen Beitrag leisten wollen – der übrigens nicht von ICANN finanziert wird –, dafür gibt es möglicherweise in Melbourne erste Hinweise.

Das für die Gesamtorganisation zuständige Studienkomitee wird dagegen aller Voraussicht nach in Australien noch nicht einmal vollzählig anwesend sein, zumindest hat Carl Bildt die Leitung des ersten Treffens gleich an seinen Stellvertreter Pindar Wong abgegeben. Weitere Treffen des Komitees sind im Mai in den USA, im Juni in Stockholm und im September in Montevideo geplant. Wer auch künftig Post von Bildt und Kollegen erhalten will, muss das per "opt-in" unter http://www.atlargestudy.org/ kundtun. (Monika Ermert) / (jk)