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Die IT-Branche nimmt das Gesundheitswesen ins Visier

Die Informationstechnologie-Branche nimmt in Deutschland das reformbedürftige Gesundheitswesen ins Visier. Der Computerkonzern IBM und die Siemens-Sparte Medical Solutions wollen gemeinsam Ärzten und Krankenhäusern beim Sparen helfen. Ziel sei die Vernetzung von Medizintechnik und Informationstechnologie, teilten beide Unternehmen heute auf der CeBIT mit. Für die Einführung einer modernen Chipkarte für Patienten macht sich das Münchener Unternehmen Giesecke & Devrient stark. Unterstützung für solche Projekte kommt aus der Politik.

IBM und Siemens wollen den Speicherplatz für digitale Röntgen- und Computertomografie-Aufnahmen je nach Bedarf flexibel zur Verfügung stellen. Dadurch würden hohe Anfangsinvestitionen für Arztpraxen entfallen. Hintergrund solcher Projekte sei es, "die Qualität der Versorgung für den Patienten zu steigern und gleichzeitig die Kosten im Gesundheitswesen zu senken", betonte der Chef von Siemens Medical Solutions, Erich Reinhardt. Der Einsatz von IT könne unter anderem die Fehlerraten bei der Diagnose verringern und Informationen für die Ärzte schneller verfügbar machen.

Giesecke & Devrient wirbt auf der CeBIT (Halle 17, Stand E32) für eine leistungsfähigere Gesundheitskarte für Patienten. Das Unternehmen ist vor allem bekannt für den Druck von Banknoten, erwirtschaftet aber rund die Hälfte seiner Umsätze mit Kartenlösungen. Auf der neuartigen Karte, die Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt 2006 einführen will, wären dann neben der Adresse des Patienten auch Angaben über frühere Krankheiten oder Allergien gespeichert. Für den behandelnden Arzt sei es so einfacher, zum Beispiel die Verträglichkeit eine bestimmten Medikaments vorauszusagen.

Auf dem CeBIT-Stand des Unternehmens können sich Besucher eine Probe-Gesundheitskarte mit Foto erstellen lassen -- auch Bundeskanzler Gerhard Schröder zählte am Mittwoch dazu. Er widersprach Bedenken, eine neue Karte führe zum "gläsernen Patienten". Für den Datenschutz wäre gesorgt, weil nur der Arzt oder Apotheker mit Einwilligung des Patienten und nach Eingabe einer PIN-Nummer auf die Daten Zugriff habe.

In Taiwan lieferte Giesecke & Devrient zusammen mit einem Partner 24 Millionen solcher Chipkarten mit Mikroprozessor aus. Sie ersetzen dort die alten Versicherungshefte in Papierform. In Deutschland gibt es zwar schon seit den 80er Jahren eine Karte, allerdings stellen Ärzte ihren Patienten pro Jahr noch rund 700 Millionen Rezepte aus Papier aus, die von den Apotheken zum Teil wieder mühsam eingescannt werden müssen. "Das entspricht bei weitem nicht den heutigen technischen Möglichkeiten", meint Willi Berchtold, Vorsitzender der Geschäftsführung von Giesecke & Devrient.

Nach Schätzung des Unternehmens wäre für die Einführung einer modernen Gesundheitskarte in Deutschland eine Investitionssumme von rund 600 Millionen Euro erforderlich, die aber durch Kostenersparnisse bereits im zweiten Jahr wieder eingespielt würde. (dpa) / (dpa) / (anw)

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