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Die IT-Branche und die "Asylkrise"

Gleich mehrere Diskussionsreihen auf der nun zu Ende gehenden CeBIT beschäftigten sich mit der "Asylkrise" und besonders mit dem neuen bundesweiten "Kerndatensystem für Asylsuchende".

Die IT-Branche und die "Asylkrise"

Eine Übersicht über das aktuelle Kerndatensystem

(Bild: Detlef Borchers/heise online)

Rund 1,2 Millionen Flüchtlinge sind als Asylsuchende im Jahre 2015 nach Deutschland gekommen. Für 2016 dürfte die Zahl der Ankommenden nach ersten Schätzungen bei mindesten 750.000 Personen liegen, wenn sich die Politik auf Verteilungsschlüssel geeinigt hat. Hier soll die IT nach der Verabschiedung des Datenaustauschverbesserungsgesetzes mit der IT-gesteuerten Ausgabe eines Ankunftsausweises und einem neuen Kerndatensystem helfen, die Verwaltungsprozesse von der Registrierung bis zur Zuweisung bruchfrei und effizient zu gestalten. Im Public Sector Parc der CeBIT moderierte der Bitkom eine Veranstaltung mit den daran beteiligten Firmen, im Future Talk wurde die Asylkrise debattiert und auch die CeBIT-Sitzung des IT-Planungsrats beschäftigte sich eingehend mit der Digitalisierung des Asylverfahrens.

Die Mehrfachregistrierung, aber auch die Nichtregistrierung von Flüchtlingen stellt deutsche Behörden vor große Probleme. Aktuell sollen sich 290.000 nicht registrierte, damit unbekannte Flüchtlinge in Deutschland aufhalten. Wie Karl-Heinz Bayer von T-Systems ausführte, liegt der aktuelle Rekord bei einem Flüchtling, der sich 12 mal bei verschiedenen Aufnahmestellen registrieren konnte. Sein Unternehmen hat für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF), das Ausländerzentralregister realisiert, das vielfältige Daten zusammenführt. Dieses Kerndatensystem bezeichnete Bayer als "modernste eID-Lösung Europas", weil es gestatte, dass "Bedarfsträger" flexibel Bescheinigungen und mehr einspeisen könnten oder Daten zurückziehen könnten, wenn diese nicht mehr benötigt würden.

Schema des künftigen Systems, mit integriertem Flüchtling ("Meine Daten")

(Bild: Dezlef Borchers/heise online)

Perspektivisch spiele das Kerndatensystem bei der künftigen Integration eine zentrale Rolle, wenn es von den Personen mit anerkanntem Asyl-Status als zentrales Speicher- und Referenzsystem ihrer Daten angenommen werde. Die moderne eID-Lösung arbeite mit fein abstufbaren Rollenberechtigungen, die das Kerndatensystem auch in punkto Datenschutz vorbildlich absichere, schließlich würden hier Ausbildungs- Gesundheits- und Sozialdaten sowie biometrische Daten der Asylsuchenden zusammengeführt.

Julia Fritsch von der Berliner Computacenter führte aus, wie ihre Firma innerhalb weniger Monate für Nordrhein-Westfalen den landesweit genutzten Web-Service AVUAsyl (Aufnahme, Verteilung und Unterbringung von Asylsuchenden) realisierte. Das Land übernahm nach dem Verteilungsschlüssel 21 % der Asylsuchenden, insgesamt 330.000 Personen. Die vorhandene Asylsoftware bei der zentral für NRW zuständigen Bezirksregierung Arnsberg stellte sich als völlig veraltet heraus, mit einer Beschränkung auf maximal 2500 Datensätze und einem Datenaustausch per FTP oder per Post geschickten Datenbögen. Heute verwaltet AVUAsyl 2500 Datensätze pro Tag, wobei die Software die Trusted-Cloud-Technologie nutzt, die am Donnerstag auf der CeBIT ausgezeichnet wurde. Wie Ralf Rieken von Uniscon erklärte, ist diese "sealed cloud" so gestaltet, dass das Rechenzentrum mit "versiegelten" Daten arbeitet und der Dienstleister keinerlei Zugriff auf die Daten hat.

Im Future Talk über die Rolle der IT bei der Bewältigung der Asylkrise lobte Mark Reinhardt von der Initiative D21 das installierte Kerndatensystem. Die deutsche Verwaltung habe mit der in großer Geschwindigkeit realisierten gemeinsamen Sicht auf die Datenbestände eine "unerhörte Leistungsfähigkeit" bewiesen. Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindetag merkte in der Diskussionsrunde an, das mehr Vernetzung benötigt werde, weil die Integration der Flüchtlinge eine Netzwerkarbeit sei. Dass es schon bei der Integration neuer Mitarbeiter beim BAMF Probleme gibt, wurde auf der CeBIT nicht diskutiert. (Detlef Borchers) / (mho)

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