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Die ITU will ihre Rolle bei der Internet-Verwaltung festlegen

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Welche Rolle soll die International Telecommunication Union (ITU) bei der Verwaltung des Internets übernehmen? Diese Frage stellt die für die Standardisierung von Telekommunikationstechnik und die Verwaltung des internationalen Rufnummernplans zuständige Organisation im Rahmen einer Konsultation. Dabei geht es um die so genannte Resolution 102, eine von zwei bei der ITU-Hauptkonferenz im vergangenen Jahr heiß diskutierten Entscheidungen zur zukünftigen Rolle der ITU in der Internetwelt.

Kommentare zu insgesamt acht Fragen erbittet nun der neue ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré, der bereits versucht hat, die Wogen im ewigen Streit zwischen der ITU und den Internet-(Selbst-)Verwaltungsorganisationen, vor allem der Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN), zu glätten. Touré hatte als erster ITU-Generalsekretär zugesagt, eine ICANN-Konferenz zu besuchen. Der Besuch fiel allerdings am Ende laut Aussagen beider Seiten wegen "Problemen mit dem Flug" ins Wasser.

Von Regierungen und Nichtregierungsorganisationen will die ITU im Rahmen der Konsultation wissen, durch welche Aktivitäten die ITU ihre "bedeutende Rolle in den Diskussionen über das Management von Namen, Adressen und anderen Internetressourcen" untermauern soll. Bei Fragen zur Netzpolitik sieht man sich bislang als wichtiger Koordinator. ITU-Mitglieder und Nichtmitglieder sollen daher auch für diese Koordinationsrolle Vorschläge machen. Die ITU war mit der Organisation des Weltgipfels der Informationsgesellschaft (WSIS) betraut, in deren Abschlussdokumenten ihr ebenfalls verschiedene Aufgaben zugedacht werden. Auch zur Konkretisierung dieser Arbeit bittet die ITU um Vorschläge.

Ein heißes Eisen schließlich ist die in Tunis beschlossene "verstärkte Zusammenarbeit" zwischen den verschiedenen Netzverwaltern und den Regierungen, über die bis heute auf jeder entsprechenden Konferenz kontrovers diskutiert wird. Die EU hatte auf die "verstärkte Zusammenarbeit" als Ausdruck einer allmählichen stärkeren Internationalisierung insbesondere der Aufsicht über die DNS-Rootzone gepocht. ICANN und auch die US-Behörden interpretieren die Zusammenarbeitsklausel dagegen vorsichtiger als Verbesserung der Koordination auf der Basis der bestehenden Strukturen und Verantwortlichkeiten.

Die ITU will von den Mitgliedsstaaten nun genau wissen, wie sie die verstärkte Zusammenarbeit angehen soll, intern und auch im Zusammenspiel mit den Partnern. Als Kernthemen zum Internet, um die sich die ITU kümmern will, werden IPv6, ENUM und internationalisierte Domains genannt; auch hier sollen die Mitgliedsstaaten Vorschläge für weitere Arbeiten machen. Stellungnahmen erwartet man in Genf bis zum 25. Mai, um sei beim nächsten Treffen des Internet Governance Forum (IGF) der UN im Juni einzubringen. Gelegenheit zur Diskussion der Fragen wird es auch bei einer größeren Konferenz im Mai zu den WSIS-Nachfolgeprogrammen geben. (Monika Ermert) / (jk)