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"Die Kanzlerin direkt" - Merkel stellt Videoansprachen ins Internet

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Amerikanische Präsidenten wenden sich schon seit Jahrzehnten einmal pro Woche mit kleineren Ansprachen an das Volk. Und was dem mächtigsten Mann der Welt recht ist, ist von nun an auch der deutschen Bundeskanzlerin billig. Von diesem Donnerstag an will auch Angela Merkel regelmäßig mit den Bürgerinnen und Bürgern direkt in Verbindung treten. Dabei wird Merkel aber nicht – wie der US-Präsident – auf das althergebrachte Radio, oder – wie zu Silvester – auf das Fernsehen zurückgreifen. Nein, ganz der Zukunft zugewandt wird die Botschaft der Kanzlerin vielmehr via Internet als Video-Podcast verbreitet werden.

Ein Klick auf die Internet-Seite www.bundeskanzlerin.de und schon wird der Bürger gemäß dem Motto "Angela Merkel – die Kanzlerin direkt" die Regierungschefin zu jeder ihm gewünschten Stunde in Wort und Bild erleben können. "Merkel ist die weltweit erste Regierungschefin, die das Medium Video-Podcast nutzt", teilte das Bundespresseamt mit einigem Stolz mit. Premiere soll, wie der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg ankündigte, schon an diesem Donnerstag sein. Das Thema liegt nahe: die am Freitag beginnende Fußball- Weltmeisterschaft.

Ansonsten sollen die kleinen "Anreden" an die Bevölkerung in einer Länge von zwei oder drei Minuten immer an einem Samstag in das Netz gestellt werden. Den "interessierten Bürgerinnen und Bürgern" wollen Merkels Leute ermöglichen, "mit geringem Aufwand Informationen aus erster Hand zu beziehen". Entscheidungen werde die Kanzlerin "aktuell erläutern", fügte Steg hinzu. Immer wird also am Wochenende die Stimme der Kanzlerin zu vernehmen sein.

Es gab am Mittwoch überraschend viele Nachfragen zu dem Thema: Ob denn auch der Vize-Kanzler Video-Botschaften senden werde? Stegs Antwort: Nein. Die Möglichkeit werde zunächst ausschließlich die Kanzlerin nutzen. Ob denn am Anfang oder Ende die Nationalhymne gespielt werde? Steg: "Denke ich nicht". Ansonsten sollten sich aber die Nutzer von der Präsentation überraschen lassen.

Einige Journalisten beschlich bei der Präsentation des neuen Angebots aber auch die Sorge, die Kanzlerin könne ihre Runden mit Journalisten reduzieren, da sie sich nun direkt mit der Bevölkerung in Verbindung setzen wolle. Wann sie dann mal wieder vor die Bundespressekonferenz kommen werde. Steg verbreitete Hoffnung. Es gebe "einige Wahrscheinlichkeit", dass sie vor oder nach der Sommerpause den Berliner Parlamentskorrespondenten Rede und Antwort stehen werde.

Doch zurück zum US-Präsidenten: In den USA ist es üblich, dass auf die kurze Ansprache des Staatsoberhaupts jeweils auch die Replik eines Politikers der anderen Couleur verbreitet wird. Das ist, nach all dem, was am Mittwoch in Berlin bekannt wurde, hierzulande nicht geplant. (Ulrich Scharlack, dpa) / (jk)

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