zurück zum Artikel

Die Konkurrenz knabbert an Nintendos Quasi-Monopol

Die Zeiten, in denen die populäre GameBoy-Reihe von Nintendo [1] den Spiele-Handheld-Markt dominiert, könnten bald vorbei zu sein. Denn nach dem Verkaufsstart des GP32 in Fernost und Amerika sowie der Ankündigung des N-Gage (Nokia) schickt sich jetzt mit dem B'ngo ein weiteres Gerät an, das bisher für weitgehend unantastbar gehaltene Quasi-Monopol von Nintendo zu schwächen.

Die Marktdominanz der mittlerweile über 24 Millionen verkauften GameBoy Advance [2] und auch seiner Nachfolger [3] dürfte für die Konkurrenz kein unüberwindliches Bollwerk darstellen. Statt den GameBoy Advance einfach nur zu kopieren und technisch aufzubohren, wollen Nokia & Co. mit neuen Ideen sowohl Nintendo-Kundschaft abwerben als auch neues Klientel ansprechen.

Auf Erfolgskurs steuert beispielsweise die Game Park Inc. mit ihrem GP32 [4], der "Wireless Gaming" ermöglicht. Das bisher offiziell nur in Fernost und Teilen Amerikas erhältliche Gerät verfügt zudem über eine USB-Schnittstelle, einen Speicherkarten-Slot und stellt Spiele auf einem größeren Bildschirm als beim GameBoy dar. Ebenfalls ein Novum in diesem Markt: GP32-Besitzer können sich ohne Zusatzhardware kostenlose Software-Dreingaben von der Entwickler-Webseite laden. Dem gegenüber steht Nintendo mit seiner eigenwilligen Politik, jede Software nur auf Cartridges anzubieten -- die das Unternehmen nur selbst produziert, gegen eine hohe Gebühr, versteht sich.

Weit rauher noch dürfte der Wind Nintendo mit der Markteinführung zwei weiterer Handheld-Geräte ins Gesicht wehen: dem N-Gage [5] von Nokia und dem B'ngo [6]. Das finnische Gerät soll bereits Ende 2003 auf den Markt kommen und sich als Hardware-Cocktail aus Tri-Band-GSM-Handy und Spiele-Handheld mit echter 3D-Grafik etablieren. Ferner unterstützt der GBA-Rivale die Musik-Formate MP3 und AAC und kann sogar als FM-Radio seinen Dienst verrichten.

Auch der B'ngo von TTPCom könnte Nintendos Gewinnaussichten beträchtlich schmälern. Das auf dem 3GSM World Congress [7] erstmals vorgestellte GPRS-Handy mit Handheld-Funktionen soll, sofern sich ein Lizenznehmer mit Produktions- und Vertriebsqualitäten findet, Matches via Bluetooth ermöglichen. Anders als beim GP32 können hier sogar acht Personen gegen- oder miteinander Spaß haben; beim GP32 sind es nur vier. Zum Preis von rund 200 Euro sei eine Digitalkamera inklusive, tönt [8] das auf die Konzeptionierung von Mobilfunk- und Softwarelösungen spezialisierte Unternehmen.

Der Angriff auf den angestammten Markt bei den Spiele-Handhelds kommt für Nintendo zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt -- bleiben doch die GameCube-Verkaufszahlen hinter den Erwartungen zurück; und auch das Vertrauen der PC- und Videospiele-Entwickler in die Konsole scheint zu schwinden. So gab Codemasters [9] kürzlich bekannt, alle für den GameCube geplanten Spiele erst einmal auf Eis zu legen. (daa)


URL dieses Artikels:
http://www.heise.de/-74893

Links in diesem Artikel:
[1] http://www.nintendo.com/
[2] https://www.heise.de/meldung/GameBoy-Advance-stark-gefragt-38142.html
[3] https://www.heise.de/meldung/GameBoy-Advance-SP-Coolness-hat-ihren-Preis-72577.html
[4] http://english.gamepark.com/
[5] http://www.heise.de/mobil/newsticker/data/tol-05.02.03-002/
[6] https://www.heise.de/meldung/Neue-Handy-Spielekonsole-vorgestellt-74831.html
[7] http://www.3gsmworldcongress.com/
[8] http://www.ttpcom.com/ttpcom/news/pr_03_bingo.htm
[9] http://www.codemasters.com