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Die Last eintöniger geistiger Tätigkeit bekämpfen - zum Tode des Informatik-Pioniers Friedrich L. Bauer

Im Alter von 91 Jahren ist der Informatiker Friedrich L. Bauer gestorben. Er gehörte zu den Pionieren der jungen Disziplin, für die er mit Ausdauer und Leidenschaft kämpfte - als Befreier und Erkenner.

Die Last eintöniger geistiger Tätigkeit bekämpfen - zum Tode des Informatik-Pioniers Friedrich L. Bauer

Friedrich Luwdig Bauer

(Bild: Hcii, Lizenz CC BY-SA 3.0 )

Friedrich L. Bauer, einer der Pioniere der Informatik, ist am 26. März im Alter von 91 Jahren am Donnerstag verstorben. In einem seiner letzten Werke, der "Kurzen Geschichte der Informatik" (2007), versuchte Bauer, die Informatik von der Mathematik abzugrenzen. Nach einigen Anläufen verwarf er in dem Buch alle möglichen Definitionen und erklärte: "Die Informatik dient der Befreiung des Menschen von der Last eintöniger geistiger Tätigkeit." So, wie es einen homo faber in jedem Mathemtiker gebe, gebe es einen homo cogitans in jedem Informatiker.

Friedrich Ludwig Bauer

(Bild:  Hcii, Lizenz CC BY-SA 3.0 )

In diesem Sinne hat Friedrich L. Bauer ein großes Werk als Befreier und Erkenner hinterlassen, von der Entwicklung der Programmiersprache Algol, der Arbeit an der PERM, der programmgesteuerten Elektronischen Rechenmaschine München, bis hin zur Etablierung der Informatik als eigenständiges Fach. Mit seinem Buch entziffierte Geheimnisse über die Methoden und Maximen der Kryptologie wurde er über die Grenzen seines Faches hinaus bekannt.

Der am 10. Juni 1924 in Regensburg geborene Bauer entdeckte in seiner Zeit als Oberschüler in München seine Begabung für die Mathematik, in dem er sich durch zahlreiche mathematische Schriften las, die das Deutsche Museum beherbergte. Sein Mathematiklehrer schenkte ihm eigens für das Selbstudium eine Freikarte des Museums. Im Militärdienst wurde Bauer in Frankreich verwundet und geriet in US-Kriegsgefangenschaft, wurde jedoch frühzeitig 1945 entlassen.

In München studierte Bauer in München Mathematik und Logik. Er bekam von seinem Professor Fritz Bopp den Auftrag, eine mechanische Integriermaschine nach den Arbeiten von Vannevar Bush zu bauen.

Nach seiner Promotion 1952 wechselte Bauer zu Robert Sauer und arbeitete an der PERM, der programmgesteuerten Elektronischen Rechenmaschine München. Bei der Arbeit mit PERM entwickelten Bauer und Samelson das Kellerprinzip, das es 1962 als erster deutscher Informatik-Beitrag mit einem US-Patent gesichert wurde.

Wie in der Gratulationsmeldung zu Bauers 90. Geburtstag geschrieben, scheiterte Bauer vor deutschen Gerichten mit dem Versuch, die Namensrechte an der entstehenden Disziplin der Informatik für die Informatik zu sichern. Dieser Name war seinerzeit ein Namensbestandteil des Informatik-System Quelle und damit als Firmenname geschützt.

Bauer wurde zunächst 1958 außerordentlicher Professor in Mainz, ehe er von 1963 bis 1972 als ordentlicher Professor in München lehrte, in beiden Fällen in der "Angewandten Mathematik". Erst 1972 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1989 wurde er offiziell als Professor für Mathematik und Informatik geführt. Anfang der 70er Jahre begann Bauer mit einer Vorlesungsreihe "Einführung in die Informatik", aus der ein gleichnamiges Buch entstand. Mit einer Auflage von 50.000 Expemplaren half es, die Informatik als akademische Disziplin zu verankern.

Nach seiner Emeritierung begann Bauer mit dem "großen Aufräumen" im Alter und widmete sich Forschungsgebieten, die ihn abseits der Disziplin interessierten. Besonders die Kryptologie erregte sein Interesse, weil vieles in einer Grauzone angelegt war.

"Die Professionellen dürfen nicht alles schreiben, was sie wissen. Und ich weiß nie, ob das, was ich weiß, auch wissen darf", erklärte Friedrich L. Bauer seine Vermittlungsarbeit, die ihm manchen "Besuch aus Pullach" einbrachte. Neben seinem Buch entstand so das kryptologische Kabinett des Deutschen Museums in München. (Detlef Borchers) / (jk)

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