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Die Medien-Branche setzt auf neue Systeme zum Kopierschutz

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Ob Backstreet Boys oder Gregorianische Gesänge -- wer zu Weihnachten eine Musik-CD verschenken will, sollte in diesem Jahr genauer als bisher hingucken. Der Grund: Die Branche setzt, nachdem illegale Kopierer angeblich Millionenverluste verursachten, immer stärker auf Kopierschutzsysteme. "Unsere Musik-CD kann nicht mehr im Computer abgespielt werden", sagt Axel Sarodnik, Experte für Kopierschutz im CD-Werk Röbel (Müritzkreis), das zur Hamburger edel-music-Gruppe gehört. Auch bei der CD-ROM, wo Spiele, Präsentationen oder komplette Nachschlagewerke auf die glitzernden Scheiben gepresst werden, habe man neue Technologien entwickelt.

Es geht um einen riesigen Markt. Zuletzt wurden im Jahr 2000 rund 262 Millionen Tonträger in Deutschland verkauft, erklärt der Vorsitzende des Bundesverbandes der Phonographischen Wirtschaft, Thomas Stein, in Hamburg. Dem stünden allerdings gleich 210 Millionen verkaufte leere Datenträger gegenüber. Der Umsatz der Branche ging um 2,2 Prozent auf 2,44 Milliarden Euro zurück. "Das Internet setzt uns unter Druck", meint Stein dazu. "Copy kills music" heißt das Schlagwort der Branche.

Dem tragen edel und auch andere Größen der Branche wie Sony und BMG jetzt Rechnung. "Die Gruppe der Leute, die Musik über den Computer hören, wird als klein eingeschätzt", meint Sarodnik. Die meisten Musikhörer verfügten über Musikanlagen für CD oder DVD. "Und wenn die CD, die bei uns mit einem Schutzring versehen wird, nicht mehr im Computer abgespielt werden kann, kann sie auch nicht kopiert werden." Nicht alle Hersteller gehen diesen Weg, schränkt Sarodnik ein. Schließlich verteuere der Kopierschutz auch die Compact Discs. Schon heute überlegten sich viele den Kauf angesichts von Preisen von 45 Mark und mehr für ein neues Album.

Doch nicht nur die Musikfans müssen sich auf neue Kopierschutzsysteme einstellen -- die teilweise sogar dazu führen, dass die Scheiben in manchen normalen Playern nicht mehr funktionieren (siehe c’t 22/2001: "Frustscheiben -- Abspielschutz für Audio-CDs verärgert Kunden"). "Auch Verlage wenden immer häufiger solche Systeme an", sagt der Informatiker. Von bundesweit 15 aktuellen Verfahren seien aber nur zwei wirklich sicher. Eines davon, "Star Force", habe eine Moskauer Agentur entwickelt, mit der die Röbeler seit kurzem zusammenarbeiten. "Wer auf dem russischen Markt, wo es von Produktpiraten nur so wimmelt, wirkliche Schutzsysteme durchsetzen kann, kann auch hier bestehen", sagt Sarodnik. Bei der Frankfurter Buchmesse habe man damit bereits sehr gute Erfahrungen machen können.

Anwender sind für den Experten vor allem Spiele- und Lernsoftwarehersteller und die großen Verlage, die immer häufiger ganze Lexika auf die Silberlinge pressen. "Je wertvoller das Wissen, desto mehr investieren Verlage in Kopierschutz", betont Sarodnik. Der Scheibe selbst ist der Schutz nicht anzusehen. Ihr wird ein 32-stelliger Code zugeordnet, der auf die Herstellung der Master-CD abgestimmt ist. So kann der Anwender, der zu seinem Original einen Abspiel-Code dazu bekommt, die Scheibe zwar in seinem Computer neu brennen: Das sei dann aber ein anderer Herstellungsprozess, der Code passe nicht mehr und die Kopie könne nicht abgespielt werden.

Die Computerfans, da macht sich Verbandschef Stein nichts vor, wird das auf Dauer nicht abhalten, neue Techniken zum Knacken des Kopierschutzes zu entwickeln. Man müsse aber die Zufallspiraten abwehren, beschwört er immer wieder. Wer allerdings trotzdem noch einmal eine Musik-CD für einen Freund brennen und sie ihm schenken will, darf dies eigentlich weiterhin: Im Normalfall sind höchstens sieben Stück erlaubt, die aber kostenlos weitergegeben werden müssen, heißt es von Fachanwälten. (Winfried Wagner, dpa) / (jk)

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