Die Polizei, dein Freund und Fotograf

Mit dem MTP 6750 hat Motorola in London ein Handfunkgerät für den digitalen Polizeifunk vorgestellt, das auch Fotos machen kann. Wird der Akku des Geräts geladen, werden die Bilder mit dem Polizeinetzwerk synchronisiert.

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  • Detlef Borchers

Die Rückseite des MTP mit Kamera

(Bild: Detlef Borchers)

Motorola hat in London das MTP 6750 vorgestellt. Das Handfunkgerät für den digitalen Polizeifunk ist mit einer 5-Megapixel-Kamera, einem SD-Karten-Slot und einer 32-GByte-Speicherkarte ausgestattet. Die mit der Kamera vom Polizeibeamten geschossenen Fotos werden automatisch mit polizeilichen Metadaten und GPS-Daten versehen und per Hashwert gerichtsfest gespeichert. Nach Angaben von Motorola können so die Verfahrenskosten bei minderschweren Straftaten um 86 Prozent gesenkt werden. Die Bilddaten sollen dabei größtenteils nicht über Funk gesendet werden, sondern synchronisieren sich im Polizeinetzwerk, wenn die Funke im Ladegerät steckt.

Laut einer US-amerikanischen Untersuchung werden Täter in Fällen häuslicher Gewalt wesentlich häufiger vom Gericht verurteilt, wenn der erste am Tatort eintreffende Polizeibeamte Fotos der misshandelten Person(en) anfertigt. Werden ohne Fotos nur 37 Prozent der TäterInnen verurteilt, so steigt mit einer Foto-Dokumentation die Rate auf 65 Prozent. Gleichzeitig sinken die durchschnittlichen Prozesskosten bei minderschweren Straftaten von 511 Dollar auf 328 Dollar. Setzen nur 200 Polizeibeamte auf die Bilddokumentation mit dem Funkgerät, so haben sich die Mehrkosten nach einer Rechnung von Motorola innerhalb eines Jahres amortisiert.

Das MTP 6750

(Bild: Motorola)

Nach der Vorstellung von Motorola soll das Handfunkgerät MTP 6750 die Polizeiarbeit revolutionieren. Nachdem etliche Verfahren vor britischen und australischen Gerichten scheiterten, weil Beweisfotos von Beamten mit ihren privaten Smartphones aufgenommen wurde, habe man einen Bedarf an dieser Ausrüstungsvariante entdeckt. Nach umfangreichen Usability-Studien mit 266 Polizisten in 44 Ländern wanderte die Kamera auf die Rückseite des Funkgerätes, das vielfach auf der Schulter getragen wird: Bürger sollen nicht das Gefühl haben, dass der Streifenpolizist eine Art drittes Auge mit sich trägt, das alles aufzeichnet, erklärte Tom Quirke, Vizepräsident von Motorola Solutions zur Vorstellung des MTP 6750. Das neue Funkgerät ist rund 300 Gramm schwer, enthält einen GPS-Empfänger und kann als Repeater im Direct Mode (DMO) eingesetzt werden: Ist der Empfang schlecht, übernimmt ein Funkgerät die Rolle als Verstärker der Kommunikation unter den Einsatzkräften.

(gestellte) Sicht eines Bereichsleiters auf seine Kameraleute

(Bild: Detlef Borchers)

Zur Vorstellung des Gerätes zeigte Motorola eine Reihe von Szenarien, wie Polizeibeamte künftig arbeiten werden. Zu Beginn ihrer Schicht werden die Unterlagen der Lagebesprechung automatisch über das Ladegerät auf das Funkgerät überspielt, am Ende der Schicht wandern die Fotos auf den Server zur schnellen Bearbeitung der Berichte und Anzeigen. Nur in Ausnahmefällen werden Fotos über Funk gesendet. Der TETRA-Datenstandard TEDS ist für Megapixel-Kommunikation nicht besonders gut geeignet. Besonders im asiatischen Raum geht die Polizei dazu über, für Bilder und Videos Kapazitäten bei kommerziellen LTE-Versorgern anzumieten. (mho)