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Die Schweiz hält an ihrem 1000-Franken-Schein fest

Der 500-Euro-Schein soll verschwinden, um es Kriminellen schwerer zu machen, hat die EZB entschieden. Die 1000-Franken-Note der Schweizer dagegen ist fast doppelt so viel wert – und bleibt aber trotzdem weiterhin im Umlauf.

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Die Schweiz hält an ihrem 1000-Franken-Schein fest

Die Schweizerische Nationalbank hat sich anders entschieden als die EZB

(Bild: Schweizerische Nationalbank)

Die Abschaffung des 500-Euro-Scheins wegen des möglichen Missbrauchs durch Kriminelle oder gar Terroristen beeindruckt die Schweizer nicht: Die Eidgenossenschaft hält an ihrer 1000-Franken-Note fest. Die unter den wertvollsten Geldscheinen der Welt an zweiter Stelle liegende Note (Wert derzeit umgerechnet rund 903 Euro) bleibt im Umlauf, wie die Regierung in Bern am Donnerstag mitteilte.

Es gebe keine Hinweise, dass Banknoten mit einem hohen Nominalwert ein besonderes Risiko darstellten, erklärt der Bundesrat in einer Antwort auf eine Anfrage der sozialdemokratischen Abgeordneten Margret Kiener Nellen. Der Schweizer Meldestelle für Geldwäscherei seien keine Verdachtsfälle gemeldet worden, bei denen 1000-Franken-Scheine relevant gewesen wären.

Zudem sei die Schweiz ein Land mit hohem Lohn- und Preisniveau und habe eine "ausgeprägte Kultur der Bargeldverwendung", heißt es nach Angaben der Schweizer Nachrichtenagentur SDA im Bescheid der Regierung. Auch eine Wertaufbewahrungsfunktion sei legitim.

Die Schweiz entscheidet sich damit anders als die Europäische Zentralbank beim Euro: Die EZB hatte am 5. Mai entschieden, die Ausgabe der größten Euro-Banknote "gegen Ende 2018" einzustellen. Befürworter versprechen sich davon, dass Terrorfinanzierung und Schwarzarbeit zurückgedrängt werden. EZB-Präsident Mario Draghi hatte erklärt: "Der 500-Euro-Schein ist ein Instrument für illegale Aktivitäten."

Ob mit der Abschaffung der Banknote kriminelle Machenschaften eingedämmt werden können, ist allerdings umstritten. So argumentierte beispielsweise Schattenwirtschafts-Experte Friedrich Schneider von der Universität Linz, Geldwäsche laufe längst weit überwiegend bargeldlos über Scheinfirmen.

Unabhängig davon soll auch der Franken-Tausender in absehbarer Zeit in neuem Design und mit größerer Fälschungssicherheit aufgelegt werden. Mehr als 20 Jahre seit der letzten Banknoten-Emission modernisiert die Schweizerische Nationalbank zwischen 2016 und 2019 die gesamte Frankenserie. Den Anfang hatte kürzlich die 50-Franken-Note gemacht. Die übrigen Notenwerte der neuen Serie werden mit einem Abstand von einem halben oder einem Jahr ausgegeben. (mho)