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Die Sommerzeit – warum es sie gibt und ob sie etwas bringt

Jedes Jahr entbrennt die Diskussion über Sinn und Unsinn der Sommerzeit. Warum wurde sie eingeführt? Und hat die Verschiebung überhaupt einen Nutzen? Und wie funktioniert sie technisch?

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Die Sommerzeit - warum es sie gibt und ob sie etwas bringt

(Bild: raggio5 )

An diesem Wochenende beginnt wieder die Sommerzeit. Die Uhren werden in der Nacht zum Sonntag (25. März) eine Stunde vorgestellt. Wissenswertes rund um die sogenannte Zeitumstellung beziehungsweise Uhrumstellung:

Dafür ist die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig zuständig. Sie betreibt mehrere Atomuhren und ist mit der Verbreitung der gesetzlichen Zeit beauftragt. Die Physiker sorgen dafür, dass über einen Zeitzeichensender namens DCF77 in Mainflingen in der Nähe von Frankfurt am Main und Hanau ein Signal gesendet wird, das Millionen Uhren in Europa vom Wecker bis zur Bahnhofsuhr um eine Stunde vorspringen lässt. Empfänger des Senders mit einer Reichweite von 2000 Kilometern nutzen das Signal und passen ihre Zeitanzeige automatisch an. Dazu gehören solche der Bahn, auf Flughäfen und bei den Energieversorgern. "Der Zeitaufwand für die Umstellung ist für uns minimal", sagt Andreas Bauch, Leiter der Arbeitsgruppe Zeitübertragung, bei der PTB. Die Einstellungen der Signalgeber für gesetzliche Zeit würden vor dem Termin, also diesen Sonntag (25.3.), lediglich "einmal gründlicher" kontrolliert.

Das Tageslicht soll so besser genutzt werden. In Deutschland gab es die Sommerzeit schon mehrfach. Zuletzt wurde sie 1980 wieder eingeführt. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 hatte man damals die Hoffnung, so Energie sparen zu können. Ein weiterer Grund war die Anpassung an die Nachbarländer, die diese Regelung schon hatten. Seit 1996 gibt es eine einheitliche EU-weite Regelung. Seitdem beginnt die Sommerzeit Ende März und hört Ende Oktober auf und gilt somit sogar länger als die Normalzeit (oft Winterzeit genannt) im Jahr. Das Drehen an der Uhr ist nicht zuletzt für Freizeitaktivitäten am Abend von Vorteil, weil es eine Stunde länger hell ist.

Gegner der Sommerzeit argumentieren, dass keine Energie gespart wird. Laut Umweltbundesamt knipsen wir an Sommerabenden zwar tatsächlich seltener das Licht an. Dafür wird aber im Frühling und Herbst morgens öfter die Heizung aufgedreht, da die Temperatur zum Beispiel um 7.00 Uhr so niedrig ist wie vorher um 6.00 Uhr. Der Forschungsausschuss im Bundestag gab in einem Bericht von 2016 an, dass Deutschland durch die Sommerzeit im Jahr geschätzt gerade einmal 0,2 Prozent Strom spart. Auch Mediziner kritisieren die Uhrumstellung. Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem zeitlichen Hin und Her haben – samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit. Kinder und Jugendliche sind laut Gerhard Klösch von der MedUni Wien am stärksten betroffen. Der Bundestag lehnte die Abschaffung der Sommerzeit ab.

Ja, sogar die Mehrzahl aller Staaten. Und selbst in den etwa 70 Ländern mit Sommerzeit gilt sie teils nur in einigen Regionen. Unter den großen Industrieländern stellen Indien, China und Japan ihre Uhren nicht um. In den USA haben zwar fast alle Bundesstaaten eine Sommerzeit, Arizona und Hawaii allerdings nicht.

(bme)

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