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MWC

Die Stunde der Underdogs: Firefox OS, Ubuntu, Sailfish

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Es war die Stunde der Underdogs: Am Dienstagabend kamen auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona mit Mitchell Baker, Mark Shuttleworth und Marc Dillon drei Vertreter jener offenen Smartphone-Plattformen zusammen, die auf der Messe in diesem Jahr für einiges Aufsehen sorgen. Zum Abschluss des zweiten Messetages gehörte ihnen die Bühne im großen Kongresssaal, auf der in den vergangenen drei Jahren Google-Grandseigneur Eric Schmidt seine mehr oder weniger großen Auftritte hatte.

Inzwischen beherrscht der Suchmaschinenriese mit Android den Smartphone-Markt in einer Weise, dass sich nicht nur Netzbetreiber nach Alternativen umsehen. Da bieten sich Open-Source-Initiativen wie Firefox OS, Ubuntu oder Sailfish an. "Die Mobilfunkbranche ist am Scheideweg", sagte Jolla-CEO Marc Dillon. "Wir müssen den Leuten wieder die Wahl geben. Im Moment stecken wir irgendwie fest."

Dillon entwickelt mit seinem Unternehmen das offene Betriebssystem Sailfish OS aus dem von Nokia und Intel zurückgelassenen MeeGo. Damit hatten die zwei Branchengrößen schon einmal versucht, den übermächtigen Ökosystemen von Google und Apple eine offene Alternative entgegenzusetzen. Leider blieb das von Fans heißgeliebte Nokia N9 das einzige Baby dieser kurzen Affäre. Dann übernahm Stephen Elop das Kommando auf der "brennenden Bohrinsel" und versucht nun sein Glück mit Microsoft und Windows Phone.

Firefox OS

(Bild: Mozilla)

"Die Branche braucht neue Formen der Zusammenarbeit, die das Spielfeld für alle öffnet und eine einheitliche Plattform schafft", erläuterte Mozilla-Gründerin Mitchell Baker ihre Vorstellung einer sinnvollen Kooperation. Für Mozilla heißt diese Plattform Internet. Das in Barcelona erstmals vorgestellte Firefox OS baut auf HTML5 und anderen Web-Standards auf. "HTML5 hat sich bewiesen", sagte Baker und lobte den spanischen Netzriesen Telefónica für die gute Zusammenarbeit bei der Entwicklung.

Shuttleworth hat mit Ubuntu die bisher erfolgreichste Linux-Distribution aus der Taufe gehoben. Jetzt soll das System mit einer Touch-Oberfläche auch auf Smartphones und Tablets laufen, sogar Smart-TVs mit Ubuntu soll es geben. Shuttleworth will dabei auf native Anwendungen aber nicht verzichten: "HTML5 gehört die Zukunft, aber es ist leider auch der kleinste gemeinsame Nenner". Für Anwendungen, die die leistungsfähige Hardware der aktuellen Gerätegeneration ausnutzen, bleibe native Entwicklung die erste Wahl.

Der Ubuntu-Gründer sieht in der "Sterilität der Software-Landschaft" Chancen für die neuen Player. "Es ist sehr schwer, sich abzusetzen, wenn alle im Grunde die gleiche Software haben", sagte Shuttleworth. Mit einem anderen System als Android kann sich ein Hardwarehersteller von der Konkurrenz abheben – dass das in der Praxis aber keine Garantie für den sofortigen Erfolg ist, zeigt das Beispiel von Nokia und Windows Phone.

Einig sind sich die drei Open-Source-Experten darin, dass die großen geschlossenen Ökosysteme mittlerweile eher Innovationsbremsen sind. "Eingezäunte Gärten ersticken Innovation und lassen dem Verbraucher keine Wahl", meinte Dillon. "Es ist schwer, innovativ zu sein, wenn alles in einen von anderen vorgegebenen Rahmen passen muss", sagte Shuttleworth.

Vielleicht war MeeGo einfach ein bisschen zu früh dran. Vielleicht kann die Open-Source-Szene der Branche eine Frischzellenkur verpassen und für die Baker beschworenen "sinnvollen Innovationen" sorgen. Vielleicht sind die offenen Smartphone-Systeme aber auch nur ein kurzlebiger Hype, wie der MWC schon viele gesehen hat. Ob sich Firefox, Ubuntu, Sailfish und das ebenfalls in Barcelona vorgestellte Tizen behaupten können, wird die Zukunft zeigen. Google gab sich erst einmal wenig beeindruckt. (vbr)