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Die Telekom und die Konkurrenz im Ortsnetz

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Für Matthias Kurth dürfte diese Entscheidung ein Drahtseilakt gewesen sein: Nicht zu hoch, aber auch nicht zu niedrig sollte der Preis für die Leitungsmiete ausfallen, den die Konkurrenten der Telekom für den direkten Telefonanschluss des Endkunden zahlen sollen. Einmal mehr erwies sich der Präsident der Regulierungsbehörde (RegTP) dabei als Meister des Kompromisses, auch wenn die Telekom erst einmal wie der Verlierer des Streits über den Teilnehmeranschluss aussieht. Schließlich konnte sich der Ex-Monoplist mit seinen Forderungen nach einer Aufstockung der Anschlussmiete auf 34 Mark und einer kräftigen Erhöhung der einmaligen Wechsel- und Umschaltgebühren nicht durchsetzen.

Für die Konkurrenz der Deutschen Telekom wird der Zugang zum Telefonanschluss der Kunden damit künftig zwar etwas billiger – doch dürften die Verbraucher davon kaum profitieren. Kurth sprach von einer Entscheidung im Sinne des Wettbewerbs und der Verbraucher, die Telekom-Konkurrenz reagierte dagegen enttäuscht. "Der Privatkunde hat das Nachsehen, da auch die neuen Preise kein verbraucherfreundliches Angebort zulassen werden", bemängelte Horst Enzelmüller vom Verband der Telekom-Wettbewerber (VATM). Und die Telekom kritisierte die Entscheidung als ungerecht. Telekom-Sprecher Ulrich Lissek nannte den Beschluss "bedauerlich". Der Regulierer sei seiner bisherigen Politik treu geblieben, indem er die Weichen so stelle, dass der eine liefere und der andere davon profitiere.

Die Telekom-Konkurrenz sprach dagegen von einem "schwarzen Freitag" für den Wettbewerb. Die Regulierungsbehörde habe eine Chance vertan, deutliche Impulse für mehr Wettbewerb im Ortsnetz zu geben, kritisierte auch der Geschäftsführer des Bundesverbands der regionalen und lokalen Telekommunikationsgesellschaften (BREKO), Rainer Lüddemann. Für viele Unternehmen werde es sich weiter nicht lohnen, Privatkunden anzuschließen. "Der Beschluss kommt einer Talfahrt für den Telekommunikationsmarkt gleich", meinte Frank Schubert, Geschäftsführer Finanzen bei Talkline. "Die heute festgelegten Beträge liegen zwar unter den derzeitigen, die Senkung ist aber zu gering, um einen Durchbruch, eine wirkliche Marktöffnung und Liberalisierung der Teilnehmeranschlussleitung in Deutschland zu schaffen."

Die Ablehnung der Regulierungsbehörde, die DSL-Gebühren der Telekom zu regulieren, stieß ebenfalls auf geharnischte Kritik: "Es ist schon sehr verwunderlich, dass die RegTP das Preisdumping der Deutschen Telekom sanktioniert", sagte Stefan Michalk vom Onlinedienst AOL. Die Entscheidung der Regulierungsbehörde bedeute einen Rückschlag für alle Telekom-Mitbewerber. "Wir gehen nach wie vor davon aus, dass die Telekom mit ihren Preisen für die T-DSL-Leitungen nicht Kosten deckend arbeitet." Auch nach Meinung von Peter Poch vom Breitbandanbieter mediaWays handelt es sich bei dem DSL- Pauschaltarif der Telekom um Dumping. "Natürlich ist die Entscheidung der Regulierungsbehörde schön für die Telekom-Kunden", sagte Poch. Man müsse aber den politischen Hintergrund dabei sehen. In dieser Hinsicht habe das Unternehmen auf mehr Mut der Behörde gehofft.

Auch wenn die Absenkung der Telekom-Preise für die Teilnehmehranschlussleitung bei weitem nicht so massiv ausfiel wie von der Konkurrenz gewünscht und die DSL-Preise des Ex-Monopolisten nicht reguliert werden sollen, gibt es für die Telekom aber einen entscheidenden Haken bei den heutigen Entscheidungen der Regulierungsbehörde: Die Entbündelung der letzten Meile. Denn das Telekommunikationsgeschäft der Zukunft findet vor allem im Datenverkehr statt. So fürchtet der Ex-Monopolist, dass er auf dem wenig margenträchtigen Sprachverkehr sitzen bleibt, während das lukrative Datengeschäft – unter anderem über schnelle DSL-Verbindungen ins Internet – zur Konkurrenz abwandert.

Wieder einmal sitzt Kurth also zwischen allen Stühlen. Es werde nicht gelingen, den kaum vorhandenen Wettbewerb in den Ortsnetzen voranzubringen, hieß es bei der Konkurrenz. Schließlich hatten die Telefonanbieter selber vorgemacht, welche Preise möglich sind. Vor wenigen Wochen vereinbarten Netcologne, die in Köln über zahlreiche direkte Zugänge zum Endkunden verfügt, und der zweitgrößte deutsche Telefonanbieter Arcor eine Anschlussmiete von unter 15 Mark.

Die Telekom jedenfalls hat auch drei Jahre nach Marktöffnung ihre Ortsnetze fest im Griff. Obwohl dort inzwischen 52 Betreiber aktiv und in rund der Hälfte der deutschen Städte mit über 100.000 Einwohnern ein Wechsel zu einem Konkurrenten möglich ist, bekommen diese im Ortsnetz praktisch keinen Fuß auf den Boden. Mit einem Marktanteil von über 98 Prozent bleibt die Telekom Quasi-Monopolist. Kein Wunder, dass die Konkurrenz auf die Kompromiss-Entscheidungen der Regulierungsbehörde nicht sehr erfreut reagiert. Einzig die Bestimmung, die Telekom müsse die Teilnehmeranschlussleitung entbündeln, stößt offensichtlich auf allgemeine Zustimmung – wann (und ob überhaupt) Verbraucher davon profitieren und Datenleitungen separat vom Telefonanschluss zu günstigeren Bedingungen bekommen können, steht nach wie vor in den Sternen. Vor September dieses Jahres rechnet auch die Regulierungsbehörde nicht mit entsprechenden Angeboten.

Siehe dazu auch die Beiträge über die Entscheidungen der Regulierungsbehörde: (jk)