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Die Tops und Flops des Mobile World Congress

Nach fünf Tagen[1] Berichterstattung vom Mobile World Congress sind die Kollegen von heise online, c't und TechStage[2] wieder in Hannover angekommen. Nach unzähligen Einzelmeldungen und dem obligatorischen Abschlussbericht[3] haben wir noch um eine persönliche Einschätzung gebeten, sowie nach den Tops und Flops der Messe gefragt.

Klapp-Handy reloaded.

"Der ganz große Knaller hat gefehlt" meint Volker Briegleb aus der Schaltzentrale von heise online. Die chinesischen Firmen haben mit ihrem Auftritt gezeigt, dass mit ihnen zu rechnen sein wird. Lustig ist das Klapphandy reloaded[4] von NEC. Die offenen OS haben viel Vorschusslorbeeren bekommen und müssen jetzt liefern. Sein "Groundhog Day"-Award für "ich bin auch dieses Jahr wieder kurz vor dem Durchbruch (ich schwör)" geht an: NFC und Mobile Payment.

Top: Das neue Messegelände – mehr Platz, mehr Luft, mehr Licht.

Flop: Microsoft. Für einen Weltkonzern, der Anspruch auf einen Spitzenplatz im Mobile Business erhebt, sind ein paar inoffizielle Hinterzimmerrunden in einem weit entfernten Hotel zu wenig. Ein ganz schwacher Auftritt.

René Obermann und Kollegen freuen sich über Firefox OS.

Für Internet-Spezialist Jo Bager war Firefox OS das Thema des MWC – und zwar in positiver wie in negativer Hinsicht:

Top: Zunächst einmal hat das Mozilla-Betriebssystem genügend Zuspruch erfahren, um sich zu einer echten Alternative zu Android und iOS entwickeln zu können: 18 Mobilfunkunternehmen haben angekündigt[5], Firefox OS zu unterstützen. Erste Geräte sollen schon im Sommer auf den Markt kommen, wenn auch erst einmal nicht in Deutschland. Auf dem MWC konnte man die ersten Prototypen bereits anfassen[6].

Flop: Zugleich zeichnet sich immer deutlicher ab, warum sich so viele Mobilfunkunternehmen für Firefox OS interessieren. Sie wollen "ihre Kunden wieder enger an sich binden", wie es im schönen Marketing-Sprech heißt. Mit anderen Worten: Wieder mehr Geld mit ihnen verdienen, statt nur als Zugangsprovider zu dienen. Dafür benötigen sie einen Market unter eigener Kontrolle, an den sie ihre Telefone binden und in dem sie ihren Kunden ihre Produkte vorsetzen können. Das Betriebssystem ist ihnen letztlich egal, es dient nur als Mittel zum Zweck. Firefox OS bietet dabei den Vorteil, dass sie sich nicht selbst um die Entwicklung kümmern müssen.

Das Fonepad hat ein Display mit 1280 x 800 Bildpunkten und 7 Zoll Diagonale und verwischt damit die Grenze zwischen Tablet und Smartphone.

Über günstige Smartphones und Tablets freut sich Achim Barczok, bei c't unter anderem für Mobilgeräte zuständig. Er ist aber von alten Android-Versionen und der Update-Politik der Hersteller enttäuscht.

Top: Google hat es mit dem Nexus 4 und dem Nexus 7 vorgemacht: Ein gutes Smartphone oder Tablet muss nicht 500 Euro kosten. Auf dem MWC gab's viele günstige Geräte zu sehen, die auf den ersten Blick einen guten Eindruck gemacht haben. Beispiel 1: Der Tablet-Smartphone-Zwitter Fonepad von Asus ist sicher kein handliches Telefon, aber ein für 230 Euro klasse ausgestattetes UMTS-Tablet. Beispiel 2: Dank dem Nokia Lumia 520 gibt es Windows Phone 8 schon für 200 Euro – und trotzdem flüssig.

Flop: Android 4.1. Fast alle Hersteller haben ihre neuen Smartphones und Tablets mit dem veralteten 4.1 angekündigt – seit November ist Version 4.2 aktuell. Google und die Hardware-Partner versprechen Jahr um Jahr, das Update-Problem zu lösen, aber Jahr um Jahr profitieren monatelang nur die Nutzer von Nexus-Geräten von neuen Android-Features. Das muss sich endlich ändern.

Huawei Ascend P2 – High-End-Smartphone mit kleinen Software-Schwächen.

Dass schneller besser ist, sollte nicht nur für Smartphones, sondern auch die Netze gelten. Lutz Labs aus dem Mobil-Ressort von c't moniert, dass die Branche wie schon seit zwei Jahren an LTE-Advanced baut. Trotzdem heißt es noch immer: Keine neuen Geschwindigkeitsrekorde für die Netze. Daher:

Flop: Stagnierende Netzgeschwindigkeit. Bis das von Huawei als schnellstes Smartphone der Welt beworbene Ascend P2 mit 150 MBit/s ins Netz geht, dürfte auch noch einige Zeit vergehen. Und selbst dann ist das ein rein theoretischer Wert: Die 150 MBit/s, die das Netz in einer Zelle bereitstellt, werden sich alle Nutzer teilen müssen.

Top: M2M alias Machine-to-Machine. Nie gab es auf einer Mobilfunkmesse so viele Autos zu bestaunen – und zwar Allerweltsautos, nicht etwa Rennwagen oder Sportflitzer. Bei Ericsson stand ein Volvo, Ford zeigte seinen EcoSport, ein Mini-SUV auf Basis des Fiesta, das Ende des Jahres auch auf den deutschen Markt kommen soll. Beide nehmen über integrierte Mobilfunkmodule Verbindung zum Netz auf. Sie haben Internet-Radio oder Spotify an Bord und zeigen die nächstgelegene Werkstatt für einen dringenden Bremsencheck an. Die Funktionen lassen sich auch per Smartphone-App steuern. Die Technik für M2M ist nun da. Jetzt fehlen noch Standards und Ideen, daraus nicht nur ein Geschäftsmodell, sondern vor allem tolle Anwendungen für die Nutzer zu generieren.

Das Wärmebild zeigt den Unterschied zwischen den beiden Herstellungsverfahren Bulk Silicon und FD-SOI. Ansonsten sind die beiden Chips von ST-Ericsson identisch.

Verschiedene Konzepte[9] zum Motto "Sparen, sparen, sparen" durfte unser Hardware-ker Benjamin Benz bei den Chipherstellern begutachten. Die Palette reicht vom 3-GHz-Chip[10] mit besonderem FD-SOI-Herstellungsprozess bis zum Achtkerngespann[11].

Top: Die kompakten Bluetooth-Sticker von StickNFind[12], mit denen verlorene Smartphones, Schlüssel und Katzen der Vergangenheit angehören. Auch die Surround-Sound-Demo (DTS) im Qualcomm-Theatre überzeugte, weil sie ohne komplexes Boxensetup, nur mit einem Stereokopfhörer verblüffende 7.1-Effekte liefert.

Flop: Derzeit versuchen zu viele Hersteller ihr eigenes Konzept beim Thema "Internet der Dinge" durchzusetzen. Ohne einen einheitlichen und offenen Standard wird das ein Chaos geben, das den Browser-Krieg wie ein Scharmützel aussehen lässt.

NeroKwik zeigt Fotos aus mehreren sozialen Netzwerken als Kollage an.

Andre Kramer hat auf dem MWC nach interessanter Software für die Erstellung von digitalen Magazinen und Apps Ausschau gehalten. Gerade weil es in der Software-Sparte des MWC allerorten sehr stark um Monetization ging, mahnt er: "Es liegt auf der Hand, dass das für die Entwickler wichtig ist, aber auch die Nutzer sollten sich häufiger fragen, warum eine App kostenlos ist, um die Motivation einschätzen zu können, mit der ein Entwickler die App unters Volk bringt."

Top: Die App Nerokwik[13], die Fotos aus Facebook, Google+, Dropbox sowie dem lokalen Speicher unter einer Oberfläche vereint und Narr8[14], das die Grenze zwischen Comic und Zeichentrick verschwimmen lässt.

YotaPhone: Vorne Smartphone hinten E-Ink-Display.

Etwas innovationsarm fanden unsere drei Kollegen von TechStage den MWC. Das HTC One wurde bereits im Vorfeld vorgestellt, das Samsung Galaxy S4 folgt wohl erst in zwei Wochen, Nokias Windows-Phone mit der 41-Megapixel-Kamera[15] des 808 Pureview – wenn überhaupt – erst in ferner Zukunft.

Top: Das Yota-Phone[16] mit Android ist für Techstage der geheime Technologie-Sieger, da es mit seinem zusätzlichen E-Ink-Display auf der Rückseite zumindest etwas hat, was es vorher noch nicht gab. Überrascht hat auch das Sony Tablet Z[17]. Das günstige Huawei Ascend Y300[18] zeigt, wie viel Android-Smartphone man heutzutage schon für unter 150 Euro bekommt – und das günstige Smartphones nicht unbedingt so billig sein müssen wie das LG Optimus L3II.

Eine ausführliche Zusammenfassung des Mobile World Congress finden Sie in der kommenden Ausgabe von c't. Bis dahin dreht sich in Hannover und auf heise online in der nächsten Woche erst einmal alles um die CeBIT, die nach wie vor noch größer ist als der MWC. (bbe[19])


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http://www.heise.de/-1815083

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[1] https://www.heise.de/meldung/GSMA-Erfolgreiches-Debuet-auf-neuem-Messegelaende-1814076.html
[2] http://www.techstage.de/
[3] https://www.heise.de/meldung/Phablets-Underdogs-und-unsichtbare-Riesen-1813209.html
[4] https://www.heise.de/meldung/Tablet-und-Smartphone-in-einem-1811842.html
[5] https://www.heise.de/meldung/Netzbetreiber-freuen-sich-auf-Firefox-OS-1809615.html
[6] https://www.heise.de/meldung/Geeksphone-Firefox-OS-zum-Experimentieren-1811989.html
[7] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_1813467.html?back=1815083
[8] https://www.heise.de/newsticker/bilderstrecke/bilderstrecke_1813467.html?back=1815083
[9] https://www.heise.de/meldung/Stromspartechniken-fuer-Smartphones-und-Tablets-1811399.html
[10] https://www.heise.de/meldung/3-GHz-fuers-Handy-1810705.html
[11] https://www.heise.de/meldung/Samsungs-Achtkerner-auf-der-Spur-1810650.html
[12] https://www.heise.de/meldung/Ausprobiert-StickNfind-Aufkleber-zum-Sachenfinden-1812994.html
[13] https://www.heise.de/meldung/Fotos-verschiedener-Cloud-Dienste-auf-einen-Blick-1810655.html
[14] https://www.heise.de/meldung/Interaktive-Comics-auf-dem-Tablet-1811848.html
[15] http://www.techstage.de/news/Interview-mit-Nokia-auf-dem-MWC-Wo-bleibt-das-Lumia-1000-1811963.html
[16] http://www.techstage.de/news/YotaPhone-im-Hands-on-Android-Smartphone-mit-E-Ink-Display-1811909.html
[17] http://www.techstage.de/news/Sony-Tablet-Z-im-Hands-on-leicht-hochwertig-scharfkantig-1813198.html
[18] http://www.techstage.de/news/Huawei-bringt-Android-Smartphone-Ascend-Y300-fuer-150-Euro-1809438.html
[19] mailto:bbe@ct.de