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Die Tragödie vom 11. September 2001 in Kurzbotschaften

Wikileaks hat begonnen, über 500.000 Pager-Nachrichten vom 11. September 2001 auf einer gesonderten Homepage zu veröffentlichen. In den abgehörten Kurzbotschaften vom Tag der Terroranschläge auf New York und Washington entfalte sich das Chaos der Rettungskräfte und Sicherheitsbehörden genauso wie private Not und Verzweiflung. Die "offiziellen" Mitteilungen stammen nach Angaben der für brisante Veröffentlichung bekannten Whistleblower-Plattform unter anderem von Mitarbeitern des Pentagon oder der New Yorker Polizei. Enthalten seien ferner automatisch generierte Nachrichten von Computersystemen, die im Rahmen des Einsturzes der beiden Zwillingstürme des World Trade Centers ihren Dienst quittierten.

Laut Wikileaks handelt es sich um eine "umfassende und vollständig objektive Aufzeichnung" eines historisch wichtigen Tages. Man hoffe, dass dies zu einem tieferen und facettenreicheren Verständnis der Tragödie und ihrer unmittelbaren Folgen führe. Wie immer bei Dokumenten und Informationen, die auf die anonyme Veröffentlichungsplattform wandern, könne man die genaue Quelle des Materials nicht angeben. Es sei aber klar, dass die aufgezeichneten Mitteilungen "von einer Organisation stammen, welche die nationale US-Telekommunikation schon vor 9/11 abgehört und archiviert hat".

Pager waren in den Vereinigten Staaten vor dem Aufkommen von SMS-Nachrichten ein auch bei Privatleuten beliebter Dienst zum Austausch kurzer, unverschlüsselter Textmitteilungen. Seit mehreren Jahren werden sie fast nur noch von Behörden eingesetzt. Die auf Wikileaks veröffentlichten Kurzbotschaften sollen einen Zeitraum von 24 Stunden rund um die Anschläge umfassen. Sie werden chronologisch seit 9 Uhr morgens Mitteleuropäischer Zeit nach und nach auf die Webseite gestellt, um den Gang der Ereignisse besser nachvollziehbar zu machen. Dazu gibt es Updates über eine Twitter-Seite. Der Flug American Airlines 11 krachte am 11. September um 8:46 Uhr in den Nordturm des Welthandelszentrums, die Katastrophe nahm 17 Minuten später mit dem Aufprall des United Airlines Flugs 175 in den Südturm ihren Lauf.

Inhaltlich handelt es sich bei den in Beispielen bereits vorab veröffentlichten Mitteilungen einerseits um recht trocken gehaltene Statusmeldungen über laufende Evakuationen bis hin zu dramatischen Aufforderungen, geschlossene Räume nicht zu verlassen. Auch die Reaktionen der Börsen werden immer wieder mitgeteilt. Teils wird darauf verwiesen, für einen besseren Überblick zum Geschehen die TV-Nachrichtensender einzuschalten. Dazu kommen emotionale Augenzeugenberichte, die teilweise den Weltuntergang beschwören, oder Meldungen über gerettete Personen und Tote. Insgesamt dürften Historiker in dem Material genauso eine ergiebige Quelle finden wie Verschwörungstheoretiker und ihre Gegner. Für Kommentare ist ein gesondertes Forum eingerichtet worden. (jk)

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