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Die Troubleshooter der Telekom: Eick und Schröder suchen Kompromiss

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Er ist der Herr der Zahlen im Hause der Deutschen Telekom. Seit gut sieben Jahren ist Karl-Gerhard Eick Finanzvorstand des größten europäischen Telekommunikationsunternehmens. Keiner im Vorstand kennt sich so gut aus bei der Telekom wie der Manager aus dem Schwabenland. Er war Krisenmanager des Kursverfalls, Regisseur des Schuldenabbaus und wurde immer wieder als ein möglicher Kandidat für den Posten des Vorstandschefs gehandelt.

Jetzt muss der 53-jährige Betriebswirt sein ganzes diplomatisches Geschick in die Waagschale werfen, um den möglicherweise größten Arbeitskonflikt beim Bonner Riesen abzuwenden. Es geht um einen massiven Umbau des Konzerns: Die Ausgliederung von 50.000 Mitarbeitern in Service-Gesellschaften unter der Marke T-Service. Sie sollen dort für weniger Geld länger arbeiten als bisher.

Seit Jahresanfang verwaltet Eick nach dem Weggang von Heinz Klinkhammer kommissarisch das Personalressort im Vorstand. Jetzt hat er es mit ver.di-Bundesvorstand Lothar Schröder (PDF-Datei) zu tun, einem erfahrenen Gewerkschafter. Schröder und Eick kennen sich seit Jahren und haben trotz aller Gegensätze den Draht zueinander nicht verloren. Das stimmt optimistisch. Ob es ihnen aber gelingt, angesichts der unterschiedlichen Interessenslagen den gordischen Knoten zu zerschlagen und eine Kompromisslösung zu finden, ist offen. Die Zeit ist knapp. Bis zum 1. Juli will der Telekom-Vorstand seine Pläne umsetzen, und das am liebsten im Schulterschluss mit ver.di.

So haben Schröder und Eick, der nach zermürbenden Gesprächen auch schon mal aus der Haut fahren kann und auf den Tisch haut, in den vergangenen Tagen und Wochen viel miteinander telefoniert. Selbst über die Osterfeiertage sollen sie versucht haben, eine Lösung zu finden. Bislang aber vergeblich.

Alles dreht sich natürlich um die geplante Gründung von T-Service, die der eine ablehnt und der andere als "unumgänglich" bezeichnet. Trotzdem gilt: Eick und Schröder "sehen sich als Verhandlungspartner, die sachlich miteinander reden können", sagt eine Person aus dem Umfeld des Personal- und Finanzchefs. Da Schröder wie auch Eick aus dem gleichen Landstrich kommen, geht das auch mal in schwäbisch.

Schröder kennt die Telekom wie seine Westentasche. In jungen Jahren ließ er sich bei dem einstigen Staatskonzern als Fernmeldetechniker ausbilden. Schon unter seinem Vorgänger im Aufsichtsrat beschäftigte er sich intensiv mit den Strategien der Telekomfirmen. "Mich interessiert, wie wir in ein paar Jahren mit welchen Techniken arbeiten werden", sagt Schröder. Vor seiner Berufung in das oberste Konzerngremium im Juni 2006 führte er die Tarifverhandlungen und holte für die Mitarbeiter einen Zuschlag von drei Prozent heraus.

Mit der ganzen Bandbreite der Probleme bei Europas größtem Telekomkonzern ist der 47-Jährige ähnlich wie Eick bestens vertraut. Das Unternehmen muss sich dem intensiven Wettbewerb in Deutschland stellen. Hinzu kommen technische Entwicklungen wie Internettelefonie, wodurch viele Arbeitsplätze überflüssig werden. Alle diese Sachzwänge kennt der ver.di-Mann. Aber er will die Mitarbeiter nicht im Regen stehen lassen. Ihm geht es auch um den Bestandschutz.

Bislang haben Vorstand und die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di am Ende immer eine Lösung gefunden, weswegen Eick die Telekom als eines der "sozialsten Unternehmen" Deutschlands darstellen kann. Mit T-Service ist für Schröder allerdings das Ende der Fahnenstange erreicht. Der Gewerkschafter macht das Management dafür verantwortlich, dass die Telekom für den Wettbewerb nicht gerüstet ist. "Es kann nicht sein, dass die Mitarbeiter dies nun ausbaden müssen", sagt er.

Für die beiden Troubleshooter der Telekom ist es nicht leicht, angesichts dieser Gemengelage einen für beide Seiten akzeptablen Kompromiss zu finden. Und doch werden sie genau das tun müssen. Denn alles andere wäre für die Telekom und ihre Beschäftigten eine Katastrophe. Und so übt sich ein Telekom-Sprecher weiter in Zuversicht: "Es ist kein schlechtes Signal, dass wir am Montag weiterverhandeln".

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(Peter Lessmann, dpa und Martin Murphy, dpa-AFX) / (anw)