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Die Vermarktung des "Heureka"-Moments - Uli Sambeths Weg zum eBall

Die Vorstellung seines futuristisch anmutenden Elektro-Gefährts sahen Millionen Fernsehzuschauer. Bis nach jahrelanger Bastelei und Geldsuche Uli Sambeths Idee als "eBall" zu kaufen ist, muss der Erfinder aber noch Hürden nehmen. Patente gehören dazu.

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(Bild: [Link auf https://eball.io/] )

Manchmal entsteht eine gute Idee durch einen Geniestreich, einen "Heureka"-Moment oder durch jahrelange Tüftelei. Bei Uli Sambeth war es von allem ein bisschen. "Es ist wahnsinniges Glück und ein irrsinniger Zufall, so eine Idee zu haben und festzustellen, dass keine andere Person sie vorher hatte", sagt der Essener. "Oder, dass zumindest noch keine andere Person dafür ein Patent angemeldet hat."

Sambeth hatte eine solche Idee. Mit seinem an einen futuristischen Balanceball erinnernden Elektrokugelgefährt konnte er bei der Vox-Gründershow Die Höhle der Löwen überzeugen – Carsten Maschmeyer und Co. investierten in seinen "eBall". Wichtiger aber: Er hatte seine Erfindung vorher beim Patentamt schützen lassen.

Denn das ist gar nicht so einfach. Als Zentralbehörde auf dem Gebiet des gewerblichen Rechtsschutzes in Deutschland erteilt das DeutschePatent- und Markenamt (DPMA) in München verschiedene Schutzrechte. Das Patent ist eines davon und wird nur für Erfindungen auf dem Gebiet der Technik vergeben.

Die Behörde erteilt meist nur dann ein Patent, wenn eine Erfindung als neu gilt, sich deutlich von bekannten Techniken abhebt und gewerblich zu nutzen ist. Mit seinem eBall konnte Sambeth in allen Punkten überzeugen. Die Idee dazu sei ihm im Urlaub gekommen, sagt der 49-Jährige. Drei Monate später war ein Prototyp fertig. Frühere Versionen des eBalls bewahrt Sambeth auf. Vor allem das auf "Mama" getaufte erste funktionsfähige, wenn auch schwerfällige Modell macht den Leiter eines IT-Service-Unternehmens stolz: "Da hat einfach mal alles gestimmt."

Manchmal sei er aber auch der Verzweiflung nahe gewesen. Etwa wenn die Kugel hätte rollen können, dann aber ein Bauteil defekt war. "Ich bin ein Trial-and-Error-Typ", sagt Sambeth lakonisch.

In Sachen Rechteschutz will sich Sambeth diese Einstellung nicht leisten. Denn der typische Patentanmelder ist keineswegs ein erfinderischer Einzelgänger. Meist sind es Unternehmen und Institutionen wie Universitäten. Bei nur knapp sechs Prozent der Patentanmeldungen 2015 waren Anmelder und Erfinder identisch.

Das hat auch finanzielle Gründe: Wer sein Produkt vor Nachahmung schützen will, muss tief in die Tasche greifen. Nach Gebühren für die Anmeldung und Prüfung des Patents wird bei Bestand ein jährlich steigender Betrag fällig. Knapp 2000 Euro kostet ein Patent beim DPMA im 20. und somit letzten möglichen Schutzjahr.

Für den Anmelder können weitere Kosten entstehen, etwa für die Beratung durch den Anwalt. Eine teure Angelegenheit, sagt auch Sambeth. "Aber immerhin gibt das Patent kleinen Erfindern die Möglichkeit, sich zu schützen und mit den Großen mitzuhalten."

Sambeth will, dass Menschen in jeder Stadt mit seinem Gefährt unterwegs sind. Dafür brauchte er Investoren. Also bewarb er sich bei den "Löwen – mit Erfolg: Alle fünf Investoren beteiligen sich an dem eBall, sie bekommen im Gegenzug 49 Prozent der Unternehmensanteile.

"Aktuell läuft die Suche nach Produktionsstätten in Asien, außerdem bin ich bin mit Preis und Gewicht runter, das Design ist neu und ich habe mehr Patente angemeldet", sagt Sambeth. Wer eine Erfindung weltweit schützen lassen möchte, der muss in jedem Land ein entsprechendes Schutzrecht beantragen. Ob sich der Aufwand für den eBall lohnt, wird Sambeth ab Juni 2017 herausfinden. Dann soll der Kugelroller auf den Markt kommen.

Die Idee des selbstbalancierenden, elektrisch angetriebenen Fortbewegungsmittels ist im Prinzip nicht neu. Eines der ersten marktreifen Geräte war der Segway, der mit Gyrotechnik zweidimensional balanciert. Eine Nummer kleiner und deutlich biliger sind die sogeannten Hooverboards, von denen allerdings einige nicht ganz ungefährlich sind. Und woher stammt die Idee an sich? Wie so oft aus Hollywood. In "Back to the Future" konnten die Skateboards sogar fliegen.

(Marie Frech, dpa) / (js)

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