Die Welt hortet Marken wie nie, Deutschland führt

Noch nie wurden bei der WIPO so viele internationale Handelsmarken registriert wie im vergangenen Jahr. Vor allem die Lebensmittel-Discounter Aldi und Lidl entpuppen sich als Eigenmarken-Schwemmen.

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Von
  • Daniel AJ Sokolov

Noch nie wurden so viele internationale Handelsmarken registriert wie 2005. Und zum 13. Mal in Folge belegt Deutschland den ersten Platz: Kein anderer Staat hat auch nur annähernd so viele internationale Marken im Madrider System der WIPO (World Intellectual Property Organization) beantragt. Auffallend ist, dass sich die Lebensmittel-Discounter zu Eigenmarken-Schwemmen entwickelt haben. Der größte einzelne Antragsteller kommt aus Österreich: Es handelt sich um die Aldi-Tochter Hofer. Konkurrent Lidl liegt weltweit an zweiter Stelle, Aldi selbst auf Platz 7, Plus an 17. Position.

An dem seit 1891 bestehenden Madrider System beteiligen sich mittlerweile 77 Staaten. Eine einmal im System registrierte internationale Marke kann durch eine einfache "Designation" auf jedes Mitgliedsland ausgedehnt werden und genießt dort dann den selben Schutz, wie eine im jeweiligen nationalen Register verzeichnete Marke. 33.565 Registrierungen (plus 13,9 Prozent) waren 2005 ebenso Rekord wie 356.476 Designationen (plus 19,6 Prozent). Insgesamt waren zum Jahreswechsel 450.039 internationale Trademarks und rund 5,1 Millionen Designationen verzeichnet. Die älteste noch gültige Marke im Madrider System gehört Swatch, wurde im März 1893 angemeldet und heißt "Longines".

5802 Anträge (17,3 Prozent) kamen 2005 aus Deutschland, Frankreich belegt den zweiten Rang mit 3497 Anträgen (10,4 Prozent). Dritter sind die USA mit 2847 neu beantragten Handelsmarken (8,5 Prozent). Im zweiten vollen Jahr der Mitgliedschaft der USA stieg ihre Antragsmenge um 63,9 Prozent. Weitere 1852 Anträge (5,5 Prozent, siebter Rang) wurden über das Harmonisierungsamt für den Binnenmarkt (HABM) der EG in Alicante eingereicht und dürften zum Teil ebenfalls aus Deutschland stammen. Insgesamt kamen 66 Prozent aller Neuanmeldungen aus der EU. Belgien, Italien, die Schweiz und China komplettieren die Top 8.

Die Statistik der umtriebigsten Antragsteller führen Hofer (Österreich), Lidl, Jannsen Pharmaceutica (Belgien), die Deutsche Telekom, Henkel, Novartis (Schweiz), Aldi, Siemens, Nestlé (Schweiz), Bosch und Beiersdorf an. Mit Plus (17. Platz) und Altana Pharma (18. Platz) finden sich zwei weitere deutsche Firmen in den Top 20. Lidl und Hofer gehören nun zu jenen 21 Unternehmen, die mehr als 500 Marken besitzen. China hat die seit 1997 führende Schweiz als Zielland der meisten Designationen abgelöst. 13.576 Marken sollen seit 2005 zusätzlich in China Schutz genießen. Dreistellige Prozentzahlen bei den Zuwachsraten gab es für Syrien, Namibia und den Iran. (Daniel AJ Sokolov) / (pmz)