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Die Welt sucht den Energiemix der Zukunft

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"Das ist eine Zeit beispielloser Unsicherheit für den Energiesektor." Der Befund kam gleich zu Anfang des 22. Weltenergiekongresses in dieser Woche in der südkoreanischen Stadt Taegu. Der Hunger nach Energie werde größer, insbesondere in der wachstumsstarken Region Asien, schreibt der Weltenergierat (WEC) in einer Studie, in der Szenarien für die künftigen Energiesysteme durchgespielt werden. "Der Druck, das Energiesystem zu verändern, ist enorm."

Die Energieunternehmen und Regierungen stehen heute gleich vor einer dreifachen Herausforderung: Energie muss in Zukunft zugänglich für alle sein, erschwinglich bleiben und möglichst klimaschonend erzeugt werden.

Der Weltenergierat sah dieses als "Energie-Trilemma" umschriebene Problem als Kernfrage des alle drei Jahre von ihm veranstalteten Kongresses in diesem Jahr. In den Diskussionen wurde schon bald klar, dass es keine einheitliche globale Lösung gibt. In Montreal vor drei Jahren habe es noch Diskussionen über spezifische Ziele gegeben, sagte Michael Süß, Mitglied des Vorstands bei Siemens und CEO des Energiesektors. Speziell in Deutschland sei es um die Energiewende gegangen. "Es gibt nicht die eine Lösung." Unklar sei, wie das "moderne Energieportfolio" aussehen werde.

Noch immer sind 1,3 Milliarden Menschen ohne Zugang zu kommerziell erzeugtem Strom. Dazu kommt die Frage, wie die Unternehmen Strom erzeugen und zu bezahlbaren Preisen anbieten können, ohne dass die Klimaziele geopfert werden. Das "Energie-Trilemma" stehe auch im Zentrum der Diskussionen über die Einhaltung der Klimaziele, sagt UN-Klimachefin Christina Figueres in Taegu.

Der Energiesektor ist nach Angaben der Internationalen Energie-Agentur (IEA) für rund zwei Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die Agentur warnte im Juni, das Ziel der Erderwärmung von nicht mehr als zwei Grad Celsius aus den Augen zu verlieren. Gebe es kein Umdenken, drohe eine Erwärmung um etwa vier Grad bis zum Jahr 2100.

Zudem unterscheiden sich die Preise für Energie in den einzelnen Weltregionen stark. In Europa müssen die Verbraucher mehr als das Doppelte für Gas als in den USA bezahlen, in Asien ist es das Dreifache. Bei den Amerikanern hat vor allem die Schiefergas-Förderung durch das Fracking in den vergangenen Jahren eine Aufbruchstimmung ausgelöst. Der Wettbewerbsvorteil der USA werde größer, auch durch weniger normative Vorgaben und strikte Regelungen als in Europa, fürchten besonders die europäischen Versorger.

Als "Game changer" sehen einige Teilnehmer die Schiefergas-Förderung, die in Taegu ausführlich besprochen wird. "Das ist keine Blase", ist sich etwa Gérard Mestrallet, Chef des Versorgers GDF Suez, sicher. Angesichts der Verbots des Fracking in Frankreich sieht Mestrallet mit großem Neid auf den Gasboom in den USA. Dabei ist das Fracking alles andere als unumstritten. Bei dieser Fördermethode wird ein Gemisch aus Wasser, Sand und Chemikalien unter hohem Druck in die Tiefe gepresst, um das im Gestein gebundene Gas zu lösen.

Durch den Schiefergas-Boom komme jetzt "Kohle aus den USA billig nach Europa", erläutert Metrallet. Sein Unternehmen sei daher gezwungen, Gaskraftwerke zu schließen. Auch in Asien werden derzeit Möglichkeiten des Fracking ausgelotet. In China werden größere Schiefergasvorkommen vermutet als in den USA mit geschätzten 7,7 Billionen Kubikmetern.

Nicht nur Öl und Gas, auch die erneuerbaren Energien, die Kernkraft, Kohle und neue Energiequellen werden trotz der Herausforderungen künftig eine Rolle beim Energiemix spielen, sind sich die Experten einig.

Ein "Peak Oil", das Szenario, dass also der Welt das Öl ausgeht, stellte der WEC kurzerhand in eine Liste von "Mythen", die den Umbau der Energiesysteme behinderten. Zwar würden die Erneuerbaren künftig einen wichtigen Teil des Energiemixes bilden. Doch Kohle, Öl und Gas würden in den nächsten Jahren die Wirtschaft weiter antreiben. "Die Fülle der Energieressourcen ist heute größer als jemals zuvor." (axk)

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