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Die Wirtschaftskrise beutelt Microsoft: Umsatz und Gewinn gehen zurück

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Diese Wochen und Monate sind auch für Microsoft besondere Zeiten, um nicht zu sagen besonders miese Zeiten: Die Wirtschaftskrise beutelt auch den größten Software-Konzern der Welt, dies wird nun – nachdem der Konzern zum Ende des vergangenen Quartals bereits erstmals Massenentlassungen ankündigte – mit der aktuellen Bilanz erneut deutlich. Zum ersten Mal in seiner Unternehmensgeschichte muss Microsoft in einer Quartalsbilanz im Jahresvergleich rückläufige Umsätze ausweisen; auch der Nettogewinn brach heftig ein. Der Konzern illustriert mit seinen Bilanzen die Probleme, die die Wirtschaftskrise auch für den Hightech-Sektor mit sich bringt: Investitionen der Firmen werden zurückgefahren, da das Geld fehlt und auch die Banken mit den Krediten zu ihrer Finanzierung äußerst zurückhaltend sind. Daneben sind auch die Endkunden vor allem in den USA derzeit nicht gerade in Spendierlaune – auch wenn das Verbraucherverhalten von der Wirtschaftskrise in vielen europäischen Ländern noch nicht eingetrübt sein mag, so merkt Microsoft in einem seiner größten Endkundenmärkte doch deutliche Zurückhaltung bei den Kunden.

Immerhin, unter anderem Intel sprach bereits davon, dass die Talsohle für die IT-Branche durchschritten sein und die asiatischen und US-Märkte sowohl für Privat- als auch vor allem Firmen-IT sich wieder erholen würden. Für Microsofts Bilanz für das dritte Quartal des Geschäftsjahrs bedeutet die Wirtschaftskrise aber erst einmal ein Rückgang des Umsatzes von 6 Prozent gegenüber dem gleichen Quartal des Vorjahrs auf 13,648 Milliarden US-Dollar. Der Nettogewinn ging gar um 32 Prozent auf 2,977 Milliarden US-Dollar zurück; in dem Ergebnis sind außerordentliche Belastungen von 710 Millionen US-Dollar enthalten, unter anderem für den Abbau von Arbeitsplätzen und die Abschreibung von Investments. Der operative Gewinn stieg immerhin leicht um 3 Prozent auf 4,44 Milliarden US-Dollar. Damit geht Microsoft sicher noch lange nicht am Stock – aber die Wirtschaftskrise hinterlässt deutliche Spuren auch bei dem Software-Hersteller, der in den vergangenen Quartalen entgegen aller Unkenrufe von Analysten über mögliche Schwächen des Geschäfts mit Windows und Office sowie über die Probleme, bei den Online-Anwendungen reüssieren zu können, imme neue Rekord-Umsätze und -Gewinne auswies.

Nun aber gibt Microsoft selbst als Begründung für die Rückgänge in der Bilanz an, dass die Schwäche des weltweiten PC- und Servermarkts die Geschäfte der Sparte Client, Business sowie Server & Tools negativ beeinflusst habe. Immerhin sei aber das Geschäft mit größeren Firmen stabil gewesen. Ein Hinweis darauf, dass möglicherweise auch für Microsoft die Zukunft gar nicht so düster aussieht, da das Geschäft mit Firmenkunden gut läuft, sind die Unearned Revenues – sie stiegen im Jahresvergleich immerhin noch leicht von 5,228 auf 5,899 Milliarden US-Dollar. Diese in den USA allgemein Deferred Revenues und im deutschen Rechnungswesen passiver Rechnungsabgrenzungsposten genannten Einkünfte stellen ein wichtiges Indiz dar, wie das Geschäft mit Firmenkunden läuft und wie sich die Konkurrenz in diesem lukrativen Markt schlägt. Als Deferred Revenue bezeichnet man Umsätze vor allem mit Firmenkunden, die bei Service-Verträgen, die über mehrere Jahre gelten, oder beispielsweise bei länger laufenden Lizenz-Abschlüssen zwar schon gemacht wurden, aufgrund der langen Laufzeit der Verträge aber erst über die eigentliche Zeitspanne der Vereinbarungen hinweg realisiert und verbucht werden.

Im Einzelnen verbuchte die Client-Sparte (alle Windows-Systeme für Desktop- und Notebook-Rechner) einen Umsatzrückgang von 4,033 auf 3,404 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn sank von 3,155 auf 2,514 Milliarden US-Dollar. Der Bereich Server & Tools (Server-Systeme, Datenbanken, Entwicklungswerkzeuge) erreichte eine Umsatzsteigerung von 3,238 auf 3,467 Milliarden US-Dollar, der operative Gewinn kletterte von 1,080 auf 1,344 Milliarden US-Dollar.

Die Sparte Entertainment & Devices (Spiele, Xbox 360, Mobilgeräte) stagnierte beim Umsatz weitgehend, er lag nach 1,592 Milliarden US-Dollar im Vorjahr nun bei 1,567 Milliarden US-Dollar. Statt eines Gewinns von 106 Millionen kam nun aber ein Verlust von 31 Millionen US-Dollar zustande. Der Bereich Online-Services kann gegen Google immer noch so recht keinen Blumentopf gewinnen; der Umsatz ging in dieser für die Zukunft des Konzerns als entscheidend angesehenen Sparte von 843 auf 721 Millionen US-Dollar zurück, der Verlust weitete sich von 226 auf 575 Millionen US-Dollar aus. Die Business-Sparte (Office- und Business-Software) schließlich verzeichnete einen Umsatzrückgang von 4,731 auf 4,505 Milliarden US-Dollar, während der operative Gewinn von 3,127 auf 2,877 Milliarden US-Dollar fiel.

Microsoft rechnet nun zumindest nicht mit einer kurzfristigen Besserung: Man erwarte, dass die Schwäche des IT-Marktes zumindest noch während des nächsten Geschäftsquartals anhalte, meinte Microsofts Finanzchef Chris Liddell.

Umsatz- und Gewinnentwicklung bei Microsoft
(Das Geschäftsjahr beginnt jeweils im Juli)
Quartal Umsatz Nettogewinn
3/00 5.660 Mio. 2.390 Mio.
4/00 5.800 Mio. 2.410 Mio.
1/01 5.800 Mio. 2.200 Mio.
2/01 6.590 Mio. 2.620 Mio.
3/01 6.460 Mio. 2.450 Mio.
4/01 6.580 Mio. 66 Mio.
1/02 6.130 Mio. 1.280 Mio.
2/02 7.740 Mio. 2.280 Mio.
3/02 7.250 Mio. 2.740 Mio.
4/02 7.250 Mio. 1.530 Mio.
1/03 7.750 Mio. 2.730 Mio.
2/03 8.540 Mio. 2.550 Mio.
3/03 7.840 Mio. 2.790 Mio.
4/03 8.070 Mio. 1.920 Mio.*
1/04 8.220 Mio. 2.610 Mio.*
2/04 10.150 Mio. 1.550 Mio.*
3/04 9.180 Mio. 1.320 Mio.*
4/04 9.290 Mio. 2.690 Mio.
1/05 9.189 Mio. (2.901 Mio.) 2.530 Mio **
2/05 10.818 Mio. 3.463 Mio.
3/05 9.620 Mio. 2.563 Mio.
4/05 10.161 Mio. 3.700 Mio.
1/06 9.741 Mio. 3.141 Mio.
2/06 11.837 Mio. 3.653 Mio.
3/06 10.900 Mio. 2.977 Mio.
4/06 11.804 Mio. 2.828 Mio.
1/07 10.811 Mio. 3.478 Mio.
2/07 12.542 Mio. 2.626 Mio.
3/07 14.398 Mio. 4.926 Mio.
4/07 13.371 Mio. 3.035 Mio.
1/08 13.762 Mio. 4.289 Mio.
2/08 16.367 Mio. 4.707 Mio.
3/08 14.454 Mio. 4.388 Mio.
4/08 15.837 Mio. 4.297 Mio.
1/09 15.961 Mio. 4.373 Mio.
2/09 16.629 Mio. 4.174 Mio.
3/09 13.648 Mio. 2.977 Mio.

* Gewinne unter Bilanzierung der Umstellung auf das neue Aktienprogramm für Microsoft-Mitarbeiter
** nach nachträglichem Abzug der Sonderkosten durch die Einigung mit Novell
(jk)