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Die World Digital Library startet am 21. April

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Verschiedene Suchoptionen in der World Digital Library sollen das gewünschte Dokument zum Vorschein bringen.

Am 21. April fällt der Startschuss für die World Digital Library (WDL). Die WDL will kostenlos kulturell herausragende Dokumente online für jedermann zur Verfügung stellen, darunter Manuskripte, Karten, seltene Bücher, Musik, Tonaufnahmen, Filme, Fotos und Architekturpläne. Die WDL hat sich zum Ziel gesetzt, mit diesen Materialien nicht nur das kollektive Gedächtnis der Menschheit zu bewahren, sondern auch das interkulturelle Verständnis zu fördern, ausdrücklich auch für Nationen, die nicht zur westlichen und englischsprechenden Hemisphäre zählen. Einer der Schwerpunkte ist dabei der Nahe Osten.

Zum Start will sich die WDL in den sechs UNO-Sprachen Arabisch, Chinesisch, Englisch, Französisch, Russisch und Spanisch sowie zusätzlich in Portugiesisch präsentieren. Die World Digital Library geht auf die Initiative von James Hadley Billington zurück, dem Direktor der US Library of Congress. Billington schlug das Projekt im Juni 2005 der US-Nationalkomission der UNESCO vor. Derzeit listet die WDL knapp 40 Partner, neben der UNESCO und der Library of Congress unter anderem die Nationalbibliotheken von Ägypten, Brasilien, China, Frankreich, Iraq, Israel, Russland Serbien, Schweden und Uganda. Die Bibliotheca Alexandrina ist mit dabei, ebenso die International Federation of Library Associations and Institutions (IFLA).

Vor der UNESCO-General-Konferenz in Paris am 17. Oktober 2007 zeigte die WDL eine Präsentation [PDF] über die Struktur des Webauftritts. Mit Suchmöglichkeiten nach Institution, Land, Zeit und Dokumentart, die nicht nur als Eingabefeld, sondern auch grafisch bedient werden, soll das Dokument schnell aufgespürt werden. Eine Zeitleiste dient zum Beispiel als Eingrenzung der Zeitspanne, innerhalb derer man nach Inhalten sucht.

Die Library of Congress hat WDL auf Basis des hauseigenen National Digital Library Program entwickelt. Dessen Hauptprojekt American Memory war Vorbild für die Struktur der WDL. Inhaltlich setzt die WDL auf dem bereits bestehenden Unesco-Projekt Memory of the World auf. Wie international die Inhalte der WDL zum Start nächste Woche tatsächlich sind und wie umfangreich, verriet die Organisation bislang nicht. Als Geldgeber fungiert neben der UNESCO und anderen übrigens auch Google mit drei Millionen Dollar.

WDL ist nicht das einzige Projekt, das das kulturelle Erbe digital zugänglich machen will. Mitte November startete Europeana, gefördert von der Europäischen Kommission und den EU-Mitgliedsstaaten. Die Materialien stammen aus Museen und Galerien, Archiven und Bibliotheken der EU-Mitgliedsstaaten und sollen ebenfalls kostenlos verfügbar sein. Bisher stammen die Werke hauptsächlich aus Frankreich, den Niederlanden und Großbritannien. Deutschland, Spanien und Polen wollen laut EU-Kommission weitere Werke beisteuern. Ziel ist es, die Bibliothek bis 2010 auf schätzungsweise 10 Millionen Werke anwachsen zu lassen. Die EU-Kommission will dafür 119 Millionen Euro aufwenden.

Europeana hat allerdings einen veritablen Fehlstart hingelegt. Schon kurz nach dem Start am 21. November 2008 war die Website dem Ansturm nicht gewachsen und noch Monate später zog man sich auf den Prototypstatus zurück. Mittlerweile gibt sich Europeana professioneller. Doch sichert sich die Organisation immer noch ab, wenn auch nur noch im Kleingedruckten statt auf der Eingangsseite: "Diese Website ist ein Prototyp. Europeana Version 1.0 wird entwickelt und beim Launch 2010 zu mehr als 10 Millionen digitalen Objekten verlinken."

Noch vor Europeana und WDL ging bereits die Open Content Alliance (OCA) an den Start. Die gemeinnützige Organisation setzt sich den umfassenden Anspruch, das gesamte menschliche Wissen online verfügbar zu machen. Bislang stellen mehr als 60 Bibliotheken und Archive meist englischsprachige Inhalte in OCA ein, darunter das Boston Library Consortium, British Library, European Archive, National Library of Australia und viele Universitätsbibliotheken. Vor allem wichtige US-Bibliotheken stärken seit Oktober 2007 der OCA den Rücken. Die Institutionen stellen sich damit ausdrücklich gegen die Scan-Aktivitäten von Google auf. Gründer der Open Content Alliance ist der Netzguru Brewster Kahle, der auch das Internet Archive ins Leben gerufen hat. (Jürgen Rink) / (jr)

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