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Die .asia-Zone kommt

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Die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) hat ihr Vancouver-Treffen mit Beschlüssen des Vorstands über die Einführung der .asia-Domain und die Freigabe von Geldern für DNSSEC und regionale Vertretungen beendet. Für die .asia-Adresszone wird ICANNs Präsident Paul Twomey nun Vertragsverhandlungen mit dem in Hongkong beheimateten Betreiberkonsortium starten. Mit Blick auf die regionalen Vertretungen, die die Büros in Marina del Rey und Brüssel ergänzen sollen, notierte der Vorstand, dass es für verschiedene Regionen unterschiedliche Modelle geben könne. Rund 700 Teilnehmer haben am ICANN-Treffen in Vancouver direkt teilgenommen, eine stolze Zahl, die das wachsende Interesse an der Netzverwaltung dokumentiert.

Weitere Beschlüsse betrafen mögliche Veränderungen der Satzung zur Vertretung der Länderdomains, der sich nach wie vor nur wenige Länderdomainmanager offiziell angeschlossen haben, und Reformen bei der Zulassung von Nutzerorganisationen zur so genannten "At large"-Vertretung. Letztere lahmt seit der Abschaffung direkter Nutzer-Wahlen für den Vorstand beträchtlich. Kritiker mahnen, dass die Nutzervertretung viel zu kompliziert und bürokratisch ist. Daran dürfte auch die genehmigten Änderungen beim Zulassungsverfahren, die die Abstimmung über Neumitgliedsorganisationen erleichtern sollen, wenig ändern.

Die ICANN-Spitze selbst hob vor allem zwei Ergebnisse des Vancouver-Treffens hervor: Fortschritte beim Thema nicht-englische Adresszonen in der Rootzone und intensive Gespräche mit dem Regierungsbeirat (GAC) der ICANN über die künftige Zusammenarbeit. Beide Themen, vor allem aber die Verbesserungen der Zusammenarbeit mit den Regierungen, sind Reaktionen auf Forderungen in den Abschlussdokumenten des Weltgipfels der Informationsgesellschaft. Dort hatten internationale Regierungen mehr Mitspracherechte in der Netzverwaltung gefordert, nicht fürs Tagesgeschäft, aber für Entscheidungen von öffentlichem Belang.

Neben einer gemeinsamen Arbeitsgruppe des GAC hat sich der Vorstand außerdem ein Komitee für strategische Fragen und ein IANA-Komitee genehmigt. Mit dem IANA-Komitee dürften die privaten Netzverwalter auch vor dem Auslaufen des IANA-Vertrages Flagge zeigen, auch wenn ICANNs CEO Paul Twomey im Public Forum, der Hauptdebatte zwischen Vorstand und ICANN-Interessengruppen (den "ICANN Constituencies") in Vancouver bekräftigte, es gebe keinerlei Entscheidung der US-Verwaltung bezüglich einer möglichen Neuausschreibung.

Keine Entscheidung gab es wie erwartet zu den beiden in Vancouver kontrovers diskutierten Themen, dem neuen Vertrag über den Betrieb der com-Zone durch VeriSign und der auf Eis gelegten xxx.-Domain. ICANN musste sich wegen beider Verfahren viel Kritik anhören. Bei Vergabe von .com ohne weitere Änderungen müssen die privaten Verwalter mit einem erheblichen Vertrauensverlust der "Community" rechnen sowie mit Klagen vor US-Gerichten und möglicherweise einem Wettbewerbsverfahren europäischer Behörden.

ICANNs Vorsitzender Vint Cerf, der wie sein Vize Alejandro Pisanty erneut in seinem Amt bestätigt wurde, betonte in einer Mitteilung, man sei für alle Vorschläge dankbar. Eine endgültige Entscheidung sei noch nicht getroffen. ICANNs Büro werde, so Cerf, bis zum 11. Dezember einen Abschlussbericht zu den verschiedenen Kommentaren erstellen. Dass man doch an einer raschen Klärung dieses Punktes interessiert ist, zeigt die kurze Frist, die das Büro für die Abfassung des Berichts erhält, denn noch bis zum 7. Dezember werden Stellungnahmen entgegengenommen.

Zum ICANN-Treffen in Vancouver siehe auch:

(Monika Ermert) / (anw)