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Die eNase fürs Handy nimmt zur Hannover Messe Witterung auf

Ein Low-cost-Chip des Karlsruher KIT erkennt Gerüche. Damit könnten Hersteller neben Industriesensoren ganz leicht auch Smartphones ausstatten.

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Smartphones

Smartphones könnten in Zukunft riechen lernen.

Gerüche erkennen? Das verspricht ein Low-cost-Chip, den Hersteller nicht nur in Industriesensoren, sondern auch in Smartphones einbauen könnten.

Der am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelte Chip misst gerade einmal 3 × 4 mm und umfasst 16 Subsensoren, die unterschiedlich auf Geruchssubstanzen reagieren. Er bildet das Herzstück der Karlsruher Mikro-Nase, für die die Entwickler auf der Hannover Messe vom 1. bis 5. April nach neuen Anwendungsfeldern suchen wollen.

Die elektronische Nase ermöglicht im Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz eine Mustererkennung, sie lässt sich nach Bedarf anlernen und dadurch universell einsetzen. "In der Lebensmitteltechnik können Sie damit zum Beispiel gute Milch von vergorener Milch unterscheiden", erläutert Dr. Martin Sommer, der das Projekt am KIT-Institut für Mikrostrukturtechnik betreut. Integriert in einen intelligenten Brandmelder erkennt die eNase nicht nur Brandgeruch, sie kann nach entsprechendem Training auch einschätzen, was da qualmt, ob es sich beispielsweise um Kaminfeuer handelt oder um eine schwelende Kabelummantelung. "Es handelt sich dann eigentlich nicht um eine Brandmeldung, sondern eher um eine Brandvorhersage", betont Sommer.

16 Subsensoren auf 3 x 4 mm nehmen Gerüche auf, der Rest ist Verdrahtung: Der eNasen-Chip (rechts) und ein Demonstrator in den Händen des KIT-Forschers Dr. Martin Sommer.

Für die Zukunft kann sich der Forscher auch eine Integration des kompakten Chips in Smartphones gut vorstellen. Die Nutzer können dann ihre eNase mit Gerüchen ganz nach Bedarf konfrontieren. Das System ist universell, man muss es anlernen, aber man kann es eben auch anlernen.

Bei der eigentlichen Geruchserkennung kommen Zinndioxid-Nanofasern zum Einsatz, die in unterschiedlicher Dichte angeordnet sind und bei Widerstandsmessungen verschieden auf die jeweiligen Geruchsstoffe reagieren. Die Forschungen an diesem System sind am KIT bereits vor 20 Jahren aufgenommen worden. In den vergangenen Monaten allerdings ist die Entwicklung eines Low-cost-Chips gelungen und ein eigens gegründetes Unternehmen namens smelldect mit der Vermarktung betraut worden.

Die Einsatzmöglichkeiten erscheinen vielfältig. Versuche laufen mit einem Unternehmen aus dem Umfeld der Strom- und Gasversorgung, das schnelle Warnungen bei Leckagen braucht. Eine weitere Anfrage kam beispielsweise aus Hawaii, wo man bei Vulkanausbrüchen das Austreten giftiger Gase schnell erkennen muss. Und dann dürfen wir gespannt sein, wann das erste Smartphone die Nutzer vor schlechter Luft warnt oder nach dem Lieblingskäse fragt. (agr)