Die erste Generation von Laserwaffen vor dem Produktionsstart

Der Rüstungskonzern Northrop Grumman hat das erste Werk zur Herstellung von Laserwaffen eröffnet. Damit dürfte eine neue Schwelle für die Produktion von Laserwaffen überschritten worden sein.

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  • Florian Rötzer

Vor zwei Wochen hat der US-Rüstungskonzern Northrop Grumman das erste Werk in den USA eröffnet, in dem ausschließlich Hochenergie-Lasersysteme für militärische Zwecke hergestellt werden. Damit dürfte eine neue Schwelle für die Produktion von Laserwaffen überschritten worden sein, an denen schon lange geforscht wird und die nun bald zum Einsatz kommen werden, um andere Abwehrsysteme zu ersetzen und Präzisionsangriffe durchzuführen.

So geht nun beispielsweise der von Northrop im Auftrag des Pentagon entwickelte Airborne Laser (ABL) in die Testphase über. Mit der auf einer umgebauten Boeing 747-400F angebrachten Laserkanone sollen Raketen kurz nach dem Start zerstört werden. Dabei handelt es sich um einen chemischen Sauerstoff-Iod-Laser (COIL) aus sechs, jeweils 3,25 Tonnen schweren Modulen. Getestet werden sollen in den nächsten Monaten allerdings erst zwei Laser zur Zielerfassung- und -verfolgung sowie zur Messung der atmosphärischen Störungen zwischen Ziel und Flugzeug. Für 2008 ist der erste Abschusstest mit der Laserkanone geplant.

Auch beim Rüstungskonzern Raytheon schläft man nicht. Anfang Januar wurde nach Angaben des Konzerns ein Festkörperlaser (Laser Area Defense System – LADS) erfolgreich getestet, der in das Raketenabwehrsystem Phalanx für Schiffe integriert ist und 60-mm-Granaten in einer Entfernung bis 550 Meter zerstören konnte. Für Raytheons Vizepräsident ist das der Beweis, dass Festkörperlaser bereits für den Einsatz im Krieg fertig entwickelt sind.

Es gab schon Gerüchte, dass der von Northrop entwickelte Hochenergie-Laser THEL (Tactical High-Energy Laser) im Irak eingesetzt werden könnte. 2004 gab es erfolgreiche Tests. Mit der Laserwaffe konnten sowohl Raketen wie Granaten bis zu einer Entfernung von 5 km zerstört werden. Allerdings hat das Pentagon trotzdem die Investition weiterer Gelder eingestellt, weil das bisherige System einfach zu groß und schwer ist, um einsatzfähig zu sein. Der Laser verbraucht große Mengen an Wasserstoff- sowie Deuteriumfluorid und gibt zudem noch giftige Dämpfe ab.

Festkörperlaser im neuen Werk für Laserwaffen von Northrop Grumman

Seit vergangenem Jahr entwickelt Northrop Grumman ein kleineres, leichteres und billigeres Lasersystem, das für normale Flugzeuge gedacht ist: das 250 kg schwere Skyguard Laser Defense System, das zunächst an einem FedEx MD-10-Frachtflugzeug getestet werden soll. Es beruht auf dem bereits im Einsatz befindlichen Nemesis-System, das mit einem Infrarotlaser die Leitsysteme von angreifenden Raketen stört. Daran zeigt sich auch das US-Department of Homeland Security interessiert, das Passagierflugzeuge mit einem Raketenabwehrsystem ausrüsten will. Das System soll die Ziele automatisch erfassen und mit einem Laserstrahl aus der Bahn lenken.

In dem neu eröffneten Werk in Kalifornien soll neben anderen Lasersystemen im Rahmen des Programms "Joint High-Power Solid State Laser" (JHPSSL) vor allem der erste 100-kW-Festkörperlaser bis 2008 als militärische Waffe gebaut und getestet werden, wie der Konzern mitteilt. Bislang liegt die Leistung aber erst noch bei 27 kW bei einer Laufzeit von 300 Sekunden. Überdies sollen elektrische Laser für militärische Fahrzeuge sowie unterschiedliche Lasertypen mit einer höheren Leistung als 100 kW entwickelt werden. Bei Bedarf, den man beim Rüstungskonzern in naher Zukunft sieht, könnte das Werk größere Mengen zum Einsatz herstellen. Schon mit 100 kW könne man aus der Luft, vom Boden oder von einem Schiff aus Granaten zerstören.

Mike McVey, der Direktor der Abteilung für Directed Energy Systems bei Northrop, ist der Überzeugung, dass "Laserwaffen nun wirklich vom Labor auf das Schlachtfeld kommen". Man will also frühzeitig die vermutete Marktchance sichern: "Diese Systeme werden Raketen, Granaten und Mittelstreckenraketen abschießen und zu entscheidenden Bestandteilen der Waffensysteme auf dem Land, in der See und in der Luft werden." McVey preist die Vorteile insbesondere von taktischen elektrischen Lasersystemen gegenüber anderen Raketensystemen an. Sie würden keine Munition benötigen, die man lagern und transportieren müsse, sondern nur einen Generator zur Stromerzeugung. Eben solche taktischen Lasersysteme sollen im neuen Werk produziert werden.

Allerdings haben die Laserwaffen schon eine lange Geschichte von 30 Jahren hinter sich, in der die Erwartungen in die teuren Wunderwaffen immer wieder enttäuscht wurden. (fr)