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Die heimliche Digitalisierung des Kinos

Die seit Jahren diskutierte Digitalisierung der Kinolandschaft [1] hat inzwischen volle Fahrt aufgenommen. Nach Angaben von Till Cussmann, Sprecher von XDC Deutschland [2], sind in der Bundesrepublik bereits mehr als 100 Kinosäle auf die digitale Projektion umgerüstet. An die digitale Vorführung herangewagt hatten sich die ersten Kinobetreiber bereits 2005, als mit "Star Wars Episode III: Rache der Sith" der erste große Film digital zur Verfügung stand. Aber erst vor Kurzem hat die Filmförderungsanstalt (FFA [3]) die "Systemspezifikationen für das digitale Kino in Deutschland" (PDF-Datei [4]) herausgegeben, die vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen (IIS [5]) erarbeitet wurden und hierzulande als Standard für die Kinoprojektion angesehen werden. Die neue Technik, schreibt die FFA, werde "die bisherige Kinovorstellung in eine digitale Kinoshow" überführen.

"Wir haben bewusst bis zu diesem Zeitpunkt gewartet, obwohl ich schon in den 80er-Jahren in ersten Konzepten die digitale Kinoprojektion beschrieben habe", führt Harald Metz im Gespräch mit heise online aus, "doch hätte ich nicht damit gerechnet, dass es noch 20 Jahre dauern wird". Metz lässt in diesen Tagen als erster Arthouse-Betreiber in Frankfurt am Main in den beiden Sälen seines Berger Kinos [6] digitale Projektoren neben den beiden 35-Millimeter-Maschinen einrichten. Investitionen in die Zukunft, die seinen Angaben zufolge sechsstellige Summen verschlingen – pro Leinwand wohlgemerkt. Einige Kinos, die nicht auf die Veröffentlichung des Standards gewartet hatten, projizieren noch mit dem MPEG-Verfahren, doch sollen sie, sofern sie ihre Server bei XDC bestellt haben, in den nächsten zwei Monaten ihren Besuchern ebenfalls die "standardkonforme" Projektion vorführen können.

Dass die Digitalisierung der Kinosäle bisher von der Öffentlichkeit fast nicht beachtet wurde, lag wohl auch daran, dass die großen Kinoketten wie Cinemaxx [7] und Cinestar [8] an einer öffentlichen Diskussion des Themas kein Interesse hatten. Arne Schmidt von der Cinemaxx-Gruppe erläutert, dass man derzeit noch "über die Finanzierung der digitalen Technik mit den Verleihern" verhandle. Und Thomas Schulz von Cinestar spricht aus dem gleichen Grund davon, dass erst in "relativ naher Zukunft“ die digitale Technik [9] in den Kinosälen der Gruppe angeboten werde, weil man in diesen Verhandlungen erst einen Stand erreichen wolle, der es ermögliche, dass die Beamer "flächendeckend und möglichst gleichzeitig" installiert werden können. Die Zeit scheint jetzt endgültig reif für Digital-Kino zu sein. (Hermann Wygoda) / (pmz [10])


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http://www.heise.de/-176791

Links in diesem Artikel:
[1] https://www.heise.de/meldung/Hollywood-legt-Spezifikationen-fuer-Digitalkino-vor-119049.html
[2] http://www.xdcinema.de/
[3] http://www.filmfoerderungsanstalt.de
[4] http://www.filmfoerderungsanstalt.de/downloads//digitaleskino/FFA_Systemspezifikationen_V1.01.pdf
[5] http://www.iis.fraunhofer.de/
[6] http://berger-kino-frankfurt-am-main.kino-zeit.de/
[7] http://www.cinemaxx.de/
[8] http://www.cinestar.de/
[9] https://www.heise.de/meldung/Bahn-fuer-digitales-Kino-fast-frei-104362.html
[10] mailto:pmz@ct.de