Diesel-Skandal: VW-Kunden sollen trotz geplatzten Vergleichs Geld bekommen

Zuerst Abbruch der Verhandlungen, dann das Versprechen von Entschädigungen: Die im Musterverfahren klagenden VW-Dieselfahrer sollen Geld vom Konzern erhalten.

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"Wir werden nun aber das Verfahren mit voller Kraft fortsetzen und schauen voller Zuversicht in Richtung Braunschweig und Karlsruhe", sagte vzbv-Vorstand Klaus Müller.

(Bild: vzbv, Yasmina Aust)

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Volkswagen will den klagenden Dieselkunden trotz des geplatzten Vergleichsverfahrens mit Verbraucherschützern eine Entschädigung zahlen. Die bereits ausgehandelten 830 Millionen Euro sollen "auch ohne die Unterstützung des Verbraucherzentrale-Bundesverbands" angeboten werden, teilte das Unternehmen nach einer außerordentlichen Vorstandssitzung am Freitag mit.

Kurz zuvor hatte es geheißen, die Gespräche mit dem Bundesverband der Verbraucherzentralen (vzbv) seien gescheitert. Das formale Scheitern der Vergleichsverhandlungen dürfe "nicht zulasten der Kundinnen und Kunden gehen", betonte VW nach weiteren Beratungen des Managements.

Dieselfahrer, die sich zur Braunschweiger Musterfeststellungsklage angemeldet hatten und die Bedingungen für die Teilnahme an dem Vergleich erfüllen, sollen das ausgehandelte Angebot daher dennoch bekommen. Die Summe pro Kopf könnte bei laut VW zuletzt 400.000 bis 470.000 Anmeldungen zu dem Sammelverfahren zwischen etwa 1800 bis 2100 Euro liegen.

Der vzbv vertrat in dem Verfahren um die Musterfeststellungsklage zahlreiche Dieselfahrer, die Schadenersatz für ihre Fahrzeuge mit zu hohen Abgaswerten verlangen. Der vzbv gab Volkswagen die Schuld für die gescheiterten Verhandlungen. Die Gespräche seien geplatzt, weil VW kein transparentes, vertrauenswürdiges und für die Verbraucher sicheres System der Abwicklung ermöglichen wollte, sagte vzbv-Chef Klaus Müller in Berlin.

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Volkswagen wiederum stellt die Lage anders dar. Die Verhandlungen seien an unbegründeten hohen Forderungen der Prozessanwälte gescheitert, die pauschal 50 Millionen Euro für die Abwicklung der Vergleiche verlangt hätten. "Trotz mehrfacher Aufforderung legten die Rechtsberater des vzbv keinen ausreichend konkreten Nachweis für die von ihnen zu erbringende Leistung vor und weigerten sich bis zuletzt, die geforderten Gebühren von einem unabhängigen Dritten prüfen zu lassen." Der vzbv meint, VW habe die Honorarforderungen akzeptiert.

Anfang Januar hatten VW und vzbv erklärt, über eine außergerichtliche Lösung in dem Musterprozess sprechen zu wollen. Beide Seiten nannten dabei das "gemeinsame Ziel einer pragmatischen Lösung im Sinne der Kunden".

Volkswagen arbeitet nach eigenen Angaben an einer Plattform für die Abwicklung der Ansprüche. "Ab Ende März soll diese den vergleichsberechtigten Kundinnen und Kunden ermöglichen, unkompliziert und schnell das auf sie zugeschnittene Angebot für eine Einmalzahlung zu erhalten", schreibt das Unternehmen. Bis dahin können sich Interessierte unter vergleich.volkswagen.de in einen Newsletter eintragen, um von dem Unternehmen zum VW-Vergleich auf dem Laufenden gehalten zu werden.

Chronologie des Abgas-Skandals (65 Bilder)

Mitte September 2015:  Die US-Umweltschutzbehörde EPA beschuldigt den Volkswagen-Konzern, Diesel-PKWs der Baujahre 2009 bis 2015 mit einer Software ausgestattet zu haben, die die Prüfungen auf US-amerikanische Umweltbestimmungen austrickst. Zu ähnlichen Untersuchungsergebnissen ist auch das California Air Resources Board (CARB) gekommen. Beide Behörden schicken Beschwerden an VW. (Im Bild: Zentrale der EPA in Washington D.C.)
(Bild: EPA
)

(mit Material der dpa) / (anw)