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Digital, Life Design 2013: Mobiles Bezahlen ist das nächste dicke Ding

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Auf der Münchener Konferenz Digital Life Design (DLD) hatten Apps für das mobile Bezahlen ihren großen Auftritt. Telefónica Deutschland startete Mpass und erklärte die Geldbörse zum Auslaufmodell. Paypal stellte eine App vor, mit der in Zukunft in Jamba Juice-Restaurants bezahlt werden kann.

René Schuster von Telefónica Deutschland gab sich zuversichtlich: "Kinder, die heute geboren werden, werden keine Geldbörse haben, wenn sie groß sind." Damit es so kommen wird, startete Teléfonica auf der DLD die Ablösung der Geldbörse. Der Grund für das Engagement eines Telekommuniaktions-Anbieters im Zahlungsmarkt ist simpel: "Mit Sprache können wir kein Geld mehr verdienen. Sprache ist bald kostenlos, Daten werden zunehmend wichtiger und Zahlungsdaten sind am wichtigsten", erklärte Schuster dem Publikum. Mpass, das von Teléfonica mit 60.000 Kunden getestet wurde, mache sich zunutze, dass O2 sehr junge Kunden hat, die als "early adopter" aus Mpass eine "Killer-Anwendung" machen können. Schuster verhehlte nicht, dass Teléfonica den aktuellen Unmut über das Banksystem ausnutzen möchte, um sein Zahlungssystem durchzusetzen, hinter dem Wirecard als Provider agiert. In wenigen Jahren sollen Schuster zufolge 50 Prozent der 25 Millionen O2-Kunden in Deutschland Mpass nutzen, das mit einem Jahreslimit von 2500 Euro pro Geldbörse startet. Die zugehörige App arbeitet dabei mit einem Konto, das klassisch als Prepaid-System gefüllt werden muss.

Markus Braun von Wirecard erklärte, dass mobiles Zahlen ein wesentliches Element des modernen Lebensstil sein und nicht von einer Technik wie NFC getragen werde. In diesem Punkt bekam er Zuspruch vom Paypal-Chef David Marcus, der NFC als eine von Kontrollfreaks beherrschte technische Lösung charakterisierte. "Jeder will da seinen Schnitt machen und den Kunden kontrollieren, die Smartphone-Hersteller, Google, die Banken mit den Zahlungsterminals. Auch Marcus meinte, dass mobile Apps die Zukunft prägen werden. Als Beispiel nannte er eine Kooperation mit Jamba Juice, bei der die Fastfood-Kette direkt mit Paypal-Servern kommuniziert und die Identität eines Kunden prüfen kann, der im Saftladen mit seiner App bezahlen möchte. Der Zahlungsservice soll in der zweiten Jahreshälfte 2013 starten.

Mobile Zahlungssysteme, das ergab die abschließende Podiumsdiskussion, sollen auch beim klassischen Handel ihren Durchbruch feiern. Der Umgang mit Bargeld sei zu teuer, außerdem brauche es viel zu lange, bis Bargeldtransaktionen auf dem Konto eines Händlers auftauchten. Schließlich sollen Entwicklungsländer besonders vom mobilen Bezahlen profitieren. Dort, wo das Gros der Bevölkerung aus "unverbankten Menschen" bestehe, die aber Mobiltelefone besäßen, werde das unbare Zahlungsmittel der Zukunft das Telefon sein. So sollen Paypal-Transaktionen schon heute ein Drittel des Bruttosozialproduktes in Kenia ausmachen. Dass Paypal kein wirklich allgemeines diskriminierungsfreies Geldmittel ist und Zahlungen etwa an Wikileaks blockiert, kam in München nicht zur Sprache. (jk)

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