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Digital Rights Management: Was ist drin für den Verbraucher?

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Die Veranstalter der am heutigen Freitag zu Ende gehenden Berliner Konferenz über den Stand der Dinge bei Systemen zum Digital Rights Management (DRM) haben sich ins Stammbuch geschrieben, der Kontrolltechnik einen weithin akzeptierten Weg in die Zukunft der digitalen Welt zu eröffnen. Doch die versammelten Experten tun sich schwer, überzeugende Argumente aus Sicht der Verbraucher zu formulieren. Aber einige Vorteile gebe es durchaus für die Nutzer, sind sich DRM-Advokaten einig.

Per Vindeby etwa, Produktmanager DRM bei Siemens, gab zu bedenken, dass DRM-geschützte Inhalte in der Regel aus einer "verlässlichen Quelle" kämen. Man könne sich beim Herunterladen weitgehend sicher sein, nicht einen Virus mitgeliefert zu bekommen. Zudem könne der Nutzer die gute Gewissheit haben, dass der technikbehütete Content wohl auch legal sei. Letztlich würde der Verbraucher von "flexiblen Businessmodellen" dank DRM profitieren.

Wie ein solches Geschäftsmodell aussehen könnte, stellte Willms Buhse, Marketingleiter der Hamburger CoreMedia AG, den Konferenzteilnehmern am Beispiel der "Super-Distribution" vor, die der von der Open Mobile Alliance (OMA) verabschiedete DRM-Standard für Mobiltelefone in Version 2.0 ermöglicht. Demnach sind die Nutzer imstande, gekaufte Inhalte auf unterschiedliche Endgeräte kopieren und auch an Freunde und Bekannte weiterzusenden. Diese müssen dann aber für das Abspielen der Dateien natürlich gesonderte Lizenzen erwerben. Die wahren Vorteile liegen damit doch bei der Content-Industrie, der Buhse Umsatzsteigerungen bis zu 2000 Prozent bei "speziellen Inhalten" verspricht.

Andere Bonbons glaubt Tomas Sander ausgemacht zu haben. Der Forscher an den Hewlett-Packard Laboratories in Princeton betonte, dass DRM und die damit einhergehende Individualvergütung von Urhebern ein "viel faireres" Kompensationssystem schaffe. "Es ist manchmal auch gar nicht schlecht, wenn man für etwas bezahlt", argumentierte Sander für die Kontrolltechnik, die seiner Ansicht nach den Austausch eines digitalen Wertes gegen Geld gestattet. So könnten etwa Gefährdungen der Privatsphäre vermieden werden. Die Provider hätten schließlich keinen Bedarf mehr, den Kunden mithilfe von DRM-Systemen für Marketingzwecke auszuspionieren, wenn sie bereits entlohnt würden.

Eine reichlich blauäugige Sicht der Dinge warf Lee Bygrave, Professor für Privatrecht an der Universität Oslo, daraufhin Sander vor. Man dürfe die Motivation der Anbieter nicht unterschätzen, "ihre Dienste mit dem Sammeln und der Ausbeutung persönlicher Daten auszuweiten". Dagegen könnten letztlich wohl nur Gesetzesänderungen helfen. Auf mehr Zustimmung beim Publikum als die DRM-Advokaten stieß zudem Fred von Lohmann von der Electronic Frontier Foundation (EFF), als er sämtliche Versuche zum Aufbau der Kontrollinfrastruktur als reine "Zeitverschwendung" abtat. Geknackt werde der Schutz immer, während gleichzeitig die Attraktion der Online-Tauschbörsen steige. Ihr Hauptversprechen, nämlich die Piraterie zu stoppen, habe die Technik nicht halten können. Dafür drohe sie, die im Copyright vorgesehenen Nutzerrechte auszuhebeln und den Wettbewerb sowie die Innovation in der Informationstechnik zu unterwandern, von denen die Verbraucher letztlich am meisten hätten.

Zu den Diskussionen und Vorträgen auf der DRM-Konferenz siehe auch:

(Stefan Krempl) / (jk)

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