Digitale 4K-Kinoprojektion feiert Deutschland-Premiere

Im Cineplex Münster gibt es nun Filme in 4K-Auflösung zu sehen. Bisher war in deutschen Digitalkinos bei 2K Schluss. Das Problem mit der neuen 4K-Technik: Es gibt erst sehr wenig Material dafür.

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Alt und neu im Vorführraum des Cineplex. Vorne: Spulenteller und konventioneller 35-mm-Projektor, hinten der neue 4K-Beamer SRX-R110.

Das Cineplex Münster schlägt ein neues Kapitel in Sachen Filmprojektion auf: Als erstes Kino im deutschsprachigen Europa gibt es hier künftig 4K-Digitalprojektion zu sehen. In Saal 2 testet Sony seinen Projektor SRX-R110 unter realen Bedingungen, der Probebetrieb ist zunächst auf ein Jahr befristet. Die Bezeichnung "4K" bezieht sich auf die horizontale Auflösung, die 4.096 Pixel beträgt. Vertikal sind 2.160 Bildpunkte möglich. Bisher gab es hierzulande in mit digitaler Projektion ausgestatteten Kinos maximal 2K, also 2.048 × 1.080 Pixel zu sehen. Das entspricht einem Viertel der 4K-Auflösung und ist somit nur minimal besser als die Heimkino-Auflösung 1080p (1.920 × 1.080). Für eine originalgetreue Darstellung von 35-mm-Material reicht 2K-Auflösung in der Theorie nicht aus, in der Praxis sind die Filmkopien, die heutzutage in den Kinos zu sehen sind, qualitativ allerdings oft schlechter als gut gemasterte HD-Discs (siehe dazu auch den c't-Artikel "Rollentausch" in c't-Ausgabe 20/07).

Playliste und Zeitleiste statt Schere und Kleber: Sony-Software steuert den im Projektorgehäuse eingebauten Filmserver. [Klicken für Großansicht]

Bei der heutigen Pressevorführung im Cineplex Münster gab es eine halbstündige Zusammenstellung von Trailern und Filmausschnitten sowohl in 2K- als auch in 4K-Auflösung zu sehen. Das 4K-Material brillierte mit einer hervorragenden Schärfe, die für plastische Räumlichkeit sorgte und kleinste Details zum Vorschein brachte. Gleichzeitig zeigte sich aber auch, dass 4K-Auflösung hohe Anforderungen an die Fertigkeiten der Kameraleute stellt – bereits kleinste Unachtsamkeiten bei der Schärfeeinstellung werden hier sofort sichtbar. So auch bei den 4K-Demofilmchen in Münster, die im Übrigen nicht digital aufgenommen, sondern von 65-mm-Filmmaterial abgetastet wurden. Allerdings war bereits die Schärfe und Farbdarstellung von 2K-Material, vom Projektor auf seine 4K-Auflösung hochskaliert, beeindruckend. Zwei der digital projizierten Trailer wurden zum Vergleich auch in konventioneller 35-mm-Projektion gezeigt – hier fiel die Qualität sichtlich ab. Dies liegt aber nicht am altehrwürdigen Medium selbst, sondern hauptsächlich an der fragwürdigen Kopienqualität.

Der Beamer in Münster projiziert in Sonys hauseigener SXRD-Technik (Silicon X-Tal Reflective Display) und ist mit zwei 2.000-Watt-Xenon-Lampen ausgestattet. Zum Vergleich: Im 35-mm-Projektor, der in Münster neben dem Digitalprojektor die Cineplex-Leinwand in Saal 2 bedient, steckt eine 3.000-Watt-Lampe. Offiziell soll die Digitalprojektion nach bisheriger Planung in Münster am kommenden Donnerstag mit dem Fantasy-Epos "Beowulf" starten – von diesem Film gibt es zwar eine 4K-Version, doch ist hierzulande vorerst nur eine 2K-Version verfügbar. Hier offenbart sich auch das Grundproblem der neuen hochauflösenden 4K-Kinotechnik: Es fehlt schlicht das Material. Sony-Manager Oliver Pasch, der den neuen Projektor in Münster mit vorstellte, nannte vier Titel, die in 4K erhältlich sind: "Spiderman 3", "Casino Royale", "Black Dahlia" und "Ocean's Thirteen". Andere Titel sind beim Verleih zwar digital, aber eben nur in 2K verfügbar. (jkj)