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Digitale Helfer bei Prüfungen an Niedersachsens Schulen erlaubt

Niedersachsen will Tempo machen beim Ausbau des flächendeckenden schnellen Internets für alle. Auch vor den Schulen macht der technische Wandel nicht halt.

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Digitale Helfer bei Prüfungen an Niedersachsens Schulen erlaubt

(Bild: dpa, Rolf Vennenbernd)

Niedersächsische Schüler sollen noch in diesem Schuljahr bei Prüfungen mobile Endgeräte wie Tablet-Computer einsetzen dürfen. Das Kultusministerium in Hannover bestätigte der dpa entsprechende Pläne. Voraussetzung seien letzte Klärungen zum Aspekt des Datenschutzes.

"Sobald die letzten Details hierzu geklärt sind, kann der Erlass in Kraft treten", so ein Ministeriumssprecher. Das soll noch in diesem Schuljahr sei. Die Lehrergewerkschaft GEW dagegen erneuerte ihre Skepsis und will die Entscheidungsbefugnis der Lehrer beim Tablet-Einsatz stärken.

Formelsammlungen, Taschenbücher, Wörterbücher

Ziel der Ministeriums-Initative des Kultusministeriums ist es, Prüflingen Zugriff auf zugelassene Hilfsmittel wie Formelsammlungen, Taschenrechner oder Wörterbücher über ein mobiles Endgerät zu erlauben. Das Ministerium hat daher Regeln erarbeitet, die vor allem den Prüfungsmodus der Geräte betreffen. Der soll ausschließlich Zugriffe auf zugelassene Hilfsmittel ermöglichen. Jeglicher Zugriff auf Netzwerke soll dagegen unterbunden werden; auch Schnittstellen zu externen Speichern oder Peripheriegeräten sind blockiert, interne Kameras und Mikrofone deaktiviert.

"In der Abiturprüfung 2018 gab es einzelne Schulen, die auf Grundlage dieser Belastungstests bereits Abiturprüfungen mithilfe elektronischer Hilfsmittel geschrieben haben", erklärte Sprecher Sebastian Schumacher. Die GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth sieht die Entwicklung dagegen skeptisch und erklärte: "Noch immer gibt es keine umfassenden Untersuchungen, die den Nutzen von Tablets im Unterricht belegen; im Gegenteil: Zweifel sind angebracht."

Verzicht im Silicon Valley

Pooth verweist auf einen Trend im kalifornischen Silicon Valley, das als technisch besonders fortschrittlich dargestellt wird. Dort würden gerade solche Schulen regen Zulauf haben, die genau auf den Einsatz solcher Geräte verzichten. "Aus Sicht der GEW sollten die Lehrkräfte vor Ort entscheiden, was für die Lernerfolge pädagogisch entscheidend ist", meinte Pooth und betonte: "Das Geld müsste in die individuelle Förderung der Kinder, in die maroden Gebäude sowie in mehr und besser bezahlte Schulbeschäftigte investiert werden."

Die Landesregierung plant, digitale Endgeräte wie Tablets und Smartphones als Lernmittel in den Schulen anzuerkennen. Dies würde bedeuten, dass sie für die Schüler zur Pflichtausstattung werden. (anw)

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