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Digitale Schulbücher sollen das Lernen spannender machen

E-Books sollen in Schulen zunehmend die abgegriffenen Schinken ersetzen, die von Klasse zu Klasse weitergegeben werden. Noch wird aber nur experimentiert.

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Schulbücher

An vielen Schulen noch Zukunftsmusik: Computer-Arbeitsplatz statt Schulbuch.

(Bild: dpa, Friso Gentsch)

Digitale Schulbücher auf Laptop oder Tablet statt schwere Schinken im Tornister – was in einigen Ländern bereits zum Alltag der Schüler gehört, ist in Nordrhein-Westfalen noch ein Experiment. 203 Gymnasien und 15 Realschulen haben sich bisher für den Zugang zum digitalen "BioBook NRW" registrieren lassen, teilte das Schulministerium in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der AfD mit. Ob die Schulen die multimedialen Bücher als Hauptmedium oder ergänzend zum gedruckten Schulbuch nutzen, ist ihnen überlassen.

Das digitale Biologiebuch BioBook NRW wurde im Juni 2016 für die 5. und 6. Klassen zugelassen. Schüler lernen darin mit Videos, Animationen, Bildern und Texten. Bis 2023 können Schulen in NRW das BioBook kostenfrei testen. Daneben gibt es bereits das digitale Geschichtsbuch "mBook Gemeinsames Lernen", das bis 2025 kostenfrei genutzt werden kann. Schon wenige Wochen nach dem Start 2018 waren für das multimediale Geschichtsbuch mehr als 2700 Klassenlizenzen mit über 100.000 Accounts freigeschaltet worden, hatte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) seinerzeit mitgeteilt.

Beide Prototypen wurden von der Medienberatung NRW entwickelt. Welche Kosten für die Schulen im Anschluss an die Probephase entstehen, sei noch nicht abzusehen, heißt es in der Antwort des Schulministeriums auf die AfD-Anfrage.

Noch bieten Verlage erst vereinzelt digitale Versionen ihrer Schulbücher an. Schüler können die Bücher auf Computer, Laptops, Tablets oder Smartphones laden. Vorteil der E-Books: Das Lehrmaterial kann digital aktualisiert und so auf dem neuesten Stand gehalten werden. Multimediale Schulbücher bieten laut Medienberatung NRW zudem viele Möglichkeiten, "die nicht zwischen zwei Buchdeckel passen" – etwa Lehrvideos, Animationen, interaktive Übungsaufgaben oder Audiodateien.

Screencast mBook Gemeinsames Lernen

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sieht im digitalen Schulbuch eine Weiterentwicklung, weil es mit individualisierten Aufgaben andere Möglichkeiten als das klassische Schulbuch biete. Bevor aber E-Books die Klassenzimmer erobern, müssten Bedingungen erfüllt sein: "Auch im Zeitalter der Digitalisierung müssen wir aus Gründen der Chancengleichheit an der
Lehr- und Lernmittelfreiheit festhalten", sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern der Deutschen Presse-Agentur.

Hintergrund: Derzeit sind die digitalen Bücher zwar noch kostenlos, später müssten sie bezahlt werden. Schon jetzt aber werde die Lernmittelfreiheit aufgeweicht, so die GEW: Weil Schüler beziehungsweise ihre Eltern teilweise Bücher, aber auch Material wie Zirkel selber zahlen müssten.

Die Gewerkschaft ist auch strikt dagegen, dass künftig jeder Schüler sein eigenes Laptop oder Tablet mit in die Schule bringt, um mit E-Books lernen zu können. Die Kinder und Jugendlichen müssten vielmehr Leihgeräte in den Schulen bekommen, sagte Finnern. In Schweden etwa würden die Leihgeräte alle drei Jahre ausgetauscht. Auch müsse der Breitbandausbau an Schulen vorangetrieben werden, damit die WLAN-Netze stark genug für eine massenhafte Nutzung seien.

Der jüngst verabschiedete fünf Milliarden Euro schwere Digitalpakt zwischen Bund und Ländern lässt die Schulen auf eine bessere digitale Ausstattung und Wlan-Netze hoffen. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) hatte aber bereits gesagt: "Die Digitalisierung wird die Schulbücher nicht vollständig ersetzen." Der Einsatz digitaler Geräte und Programme werde von Fach zu Fach sehr unterschiedlich sein. (chh)