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"Digitale Weltbibliothek": Mehr als 1,2 Millionen Bücher digitalisiert und ins Internet gestellt

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Das "Million Book Project", ein internationales, nichtkommerzielles Projekt der Carnegie Mellon University, der Zhejiang-Universität, dem Indian Institute of Science und der Bibliothek von Alexandrien, hat mehr als 1,2 Millionen Bücher digitalisiert, die nun online über die Webseite der Universal Library verfügbar sind.

Digitalisiert wurden Bücher, die seit dem Jahr 1000 erschienen sind. Die meisten stammen jedoch aus diesem und dem letzten Jahrhundert, von einer halben Million Büchern ist das Erscheinungsjahr unbekannt. Nur wenige Bücher findet man bislang auf Deutsch, die überwiegende Mehrzahl ist in englischer oder chinesischer Sprache geschrieben, gefolgt von Büchern in Arabisch oder den indischen Sprachen Telugu, Hindi oder Kannada.

Ziel der Weltbibliothek ist, möglichst alle Bücher zu digitalisieren. Vor dem Jahr 1900 seien dies nur etwa 10 Millionen, insgesamt etwa 100 bis 300 Millionen. Damit sollen die Bücher nicht nur vor dem Verlust bewahrt, sondern vor allem allen Menschen, unabhängig von ihrem Wohnort, zugänglich gemacht werden. Die erste Million Bücher wurden 2006 und 2007 in 50 Scan-Zentren digitalisiert. Damit wollte man auch zeigen, dass ein solches Projekt machbar ist und nicht ewig dauert.

In der virtuellen Weltbibliothek sind die Türen immer offen, es können auch mehrere Menschen gleichzeitig ein Buch lesen. Zudem hofft man, dass mehr und mehr Bücher über Übersetzungsprogramme auch in mehreren Sprachen vorliegen können. Täglich werden jetzt von 1000 Angestellten 7000 Bücher eingescannt.

Die National Science Foundation hat 3,6 Millionen US-Dollar für die Scanner, Computer, Server und Software zur Verfügung gestellt. China und Indien haben sich jeweils mit 10 Millionen US-Dollar und Personal beteiligt. Unterstützung kam auch von Unternehmen und Stiftungen. Ungeklärt ist allerdings, wer die Weltbibliothek am Leben erhalten und wie dies geschehen soll, da es auf globaler Basis nichts Vergleichbares zu den Nationalbibliotheken gibt. Die jetzt digitalisierten Bücher sind zur Hälfte kostenlos zugänglich, weil das Copyright ausgelaufen ist. Für die Übrigen werde man versuchen, bei den Rechtsinhabern die Genehmigung zur kostenlosen Veröffentlichung einzuholen. Wenn die Urheberrechte nicht geändert oder die Rechteinhaber keine Zustimmung geben, können nur 10 Prozent der 100 Millionen anvisierten Bücher der Weltbibliothek kostenlos gelesen werden.

Der Computerwissenschaftler Raj Reddy von Carnegie Mellon ist optimistisch, mit diesem Projekt langfristig "alle veröffentlichten Werke jedem, zu jeder Zeit und in jeder Sprache zugänglich" machen zu können. Die ökonomischen Barrieren für die Verbreitung des Wissens würden fallen. Michael Shamos, ebenfalls Computerwissenschaftler an der Carnegie Mellon University, betont, dass man mit dem Projekt verhindern wolle, dass es wieder zu einem solchen Wissensverlust wie durch den Brand der alten Bibliothek von Alexandrien kommt. "Wenn die Bücher einmal im Internet sind, werden sie unsterblich", sagt er. Ismail Serageldin, der Direktor der Bibliothek von Alexandrien, weist darauf hin, dass digitale Büchereien gerade für Entwicklungsländer wichtig sind. Dafür aber sei wichtig, die Copyright-Fragen zu lösen und zumindest für die Menschen aus Entwicklungsländern den Zugriff kostenlos oder zu geringen Gebühren zu ermöglichen. (fr)

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