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Digitaler Flüchtlingsgipfel: Apps sind nicht alles

Bundesregierung, Wirtschaftsvertretern und Hilfsorganisationen treffen in Berlin auf Entwickler und Helfer, um über digitale Projekte für Flüchtlinge zu sprechen. Die "Betroffenen" kamen kaum zu Wort.

Digitaler Flüchtlingsgipfel: Apps sind nicht alles

Innenminister De Maizière zeigt zum Auftakt des Gipfels das Foto von John Stanmeyer.

(Bild: heise online/Borchers)

Auf dem ersten Digitalen Flüchtlingsgipfel in Berlin lobte Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) das Engagement der Bürger, mit Apps und Internetangebote das An- und Zurechtkommen der Flüchtlinge zu erleichtern. Dass es mit ein paar Apps nicht getan ist, machte der syrische Blogger Firas Alshater deutlich: "Ich brauche keine schicke App, wenn ich nicht weiß, ob ich bleiben darf oder morgen nach Bulgarien abgeschoben werde."

Das Treffen von Bundesregierung, Wirtschaftsvertretern und Hilfsorganisationen mit Entwicklern und Helfern soll Hilfsangebote entwickeln helfen, ihnen mehr Reichweite verschaffen und Projekte fördern. Dazu könne der Digitale Flüchtlingsgipfel Koordinationsarbeit leisten und Gelegenheit zum Erfahrungsaustausch bieten, sagte de Maizière. Der Minister forderte mehr Koordination, einheitliche Programmierschnittstellen und Symbole sowie eine einheitliche Übersetzung der deutschen Verwaltungssprache.

Flüchtlinge kommen oft ohne Papiere, aber mit Smartphone. De Maizière betonte die Bedeutung des Mobilgeräts für die Flüchtlinge und zeigte zur Verdeutlichung das prämierte Flüchtlingsfoto von John Stanmeyer. Der Minister hob die Ankommenapp und das Spendenportal von Betterplace, dem Mitveranstalter des digitalen Flüchtlingsgipfels.

Mit Willkommen in Deutschland hat die Telekom ein Informationsportal in acht Sprachen entwickelt, von denen indes nur fünf genutzt wurden, erzählt Birgit Klesper über Erfahrungen des Bonner Konzerns in der Flüchtlingsarbeit. Mit dem Portal Careers4refugees versuchen Telekom und andere Firmen, die besser ausgebildeten Flüchtlinge zu erreichen. Darüber hinaus hat die Telekom 550 Beamte zum Bundesamt für Migration abgeordnet, die bei der Flüchtlingsaufnahme helfen.

In Erstaufnahmeeinrichtungen hat die Telekom kostenlose WLAN-Hotspots installiert. Wie wichtig das ist, verdeutlichte Alshater, der mit Zukar bekannt wurde, auf der Podiumsdiskussion: "Flüchtlinge nutzen Whatsapp und Facebook, um mit ihren Communities in Verbindung zu bleiben. Dazu braucht es kostenloses WLAN in allen Lagern, das ist vielfach noch nicht der Fall."

Deutliche Kritik am IT-Einsatz für Flüchtlinge kam von Brigitte Radow vom Bundesverband der deutschen Stiftungen. Sie lobte stiftungsübergreifende Projekte wie die Landungsbrücken für Geflüchtete, wies aber auch auf viele Datenfriedhöfe bei digitalen Flüchtlingshilfen hin. Zudem seien neben den digitalen Ersthelfern zunehmend Projekte wie die Refugee Academy wichtig, die auf Aus- und Weiterbildung setzten. Man müsse den Mut haben, alle Apps, Portale und Anwendungen nach den "good practices" zu bewerten und dabei die Betroffenen als "Jury" zu Worte kommen lassen.

Diese "Betroffenen" kamen auf dem ersten digitalen Flüchtlingsgipfel nur vereinzelt zu Wort, was an den strengen Sicherheitsauflagen des Bundesinnenministeriums lag, die eine Überprüfung der Teilnehmer durch das Bundeskriminalamt erforderlich machten. (Detlef Borchers) / (vbr)

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