Digitales Fernsehen unter Kontrolle

Das Zeitalter des digitalen Fernsehens könnte in den USA mit umfangreichen Kopierschutzbestimmungen beginnen.

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Von
  • Janko Röttgers

Bis zum Ende des Monats will die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) Bestimmungen zur Regulierung von Digitalfernseh-Technologie vorlegen. Presseberichten zufolge werden diese Bestimmungen auch ein so genanntes broadcast flag beinhalten, das die unrechtmäßige Weiterverbreitung digital ausgestrahlter Inhalte verhindern soll. Kritiker befürchten nun, dass Hollywood und die Fernseh-Netzwerke damit weit reichende Kontrollbefugnisse über technologische Entwicklungen bekommen könnten.

Wie in Deutschland soll auch in den USA das über Antennen zu empfangende Fernsehprogramm in den nächsten Jahren durch digitale Formate ersetzt werden. Die FCC will erreichen, dass bis zum Jahr 2007 alle Fernsehstationen ihre Programm nur noch digital ausstrahlen. Diese Umstellung wird vom Gesetzgeber auch deshalb forciert, weil die Sender damit bei terrestrischer Übertragung ein weit geringeres Frequenzspektrum benötigen. Von der Versteigerung der frei werdenden Frequenzen an Telekommunikations-Anbieter erhofft sich die Regierung Milliardeneinnahmen. Hollywood und die großen TV-Netzwerke haben sich jedoch bisher immer gegen eine Digitalisierung ihrer Inhalte gewehrt. Sie befürchten, digitale Sendungen würden sich schon kurz nach der Ausstrahlung ohne Qualitätsverlust im Internet wiederfinden.

Bereits seit geraumer Zeit arbeitet die Industrie deshalb gemeinsam mit Endgeräteherstellern daran, Unterstützung für weit reichende Kopierschutz-Mandate zu gewinnen. So legte die Broadcast Protection Discussion Group im Sommer vergangenen Jahres einen Report vor, in dem sie Leitlinien für die Implementierung eines broadcast flag empfahl. Solch ein Kopierschutz-Merkmal ist vergleichbar mit dem Minidisk-Kopierschutz und soll es Inhalteanbietern erlauben, die Kopie und Weiterverbreitung einzelner Sendungen zu unterbinden. Ergänzt werden soll dies durch eine Regulierung der Empfangstechnologie: So würden etwa die Hersteller von digitalen Fernsehern und Videorecordern dazu gezwungen, nur noch Geräte herzustellen, die das Kopierschutz-Signal richtig auswerten und die Nutzung entsprechend beschränken. Reguliert werden sollen insbesondere auch Schnittstellen, die das Übertragen der Inhalte in analoge Formate ermöglichen -- also etwa Video-Ausgänge, Schnittstellen zum Anschluss von Fernsehern und Ähnliches.

Kritiker befürchten jetzt, dass die FCC die Vorschläge der Industrie ohne eine gründliche Folgenabschätzung übernehmen könnte. So glaubt die Electronic Frontier Foundation (EFF), dass eine derartige Regulierung Konsumenten, Herstellern und Forschern schaden werde. Es sei etwa zu erwarten, dass digitale Videorecorder auf Linux-Basis praktisch vom Markt verbannt würden, da Open-Source-Betriebssysteme in den Augen der Industrie nicht genug gegen Missbrauch abgesichert seien. Außerdem geht die EFF davon aus, dass klassische Rechte des privaten Gebrauchs durch die regulierte Technologie ausgehebelt werden sollen -- wie etwa die Möglichkeit, bestimmte Sendungen aufzunehmen und diese Aufnahmen auszuleihen. EFF-Anwalt Fred von Lohmann erklärte dazu gegenüber heise online, die Industrie versuche hier offenbar, Copyright-Gesetze über die Technologie selbst umzudefinieren. "Da die Nutzungsbedingungen in die Technologie integriert werden, werden praktisch all unsere Rechte im Bereich des digitalen Fernsehens hinter verschlossenen Türen von Firmen festgelegt", meinte von Lohmann.

Gleichzeitig sei die Technologie derart unsicher, dass sich die Weiterverbreitung digitaler Inhalte über das Internet damit kaum verhindern lasse. Das ahnt man mittlerweile offenbar auch in Hollywood. Als Nachfolger der Broadband Protection Discussion Group wurde deshalb Anfang des Jahres die Analog Reconversion Discussion Group ins Leben gerufen. Deren Ziel: das Evaluieren von Lösungen, mit denen sich die Redigitalisierung von Inhalten -- etwa analoger Aufnahmen eines digital übertragenen Spielfilms -- verhindern lässt. Die Gruppe trifft sich dieser Tage in Los Angeles, um verschiedene Wasserzeichen und vergleichbare Techniken zu diskutieren. Deren Implementierung würde jedoch eine weitaus umfassendere Regulierung von Technologien hin bis zum heimischen PC voraussetzen. Ein Vorhaben, das an die Pläne des US-Senators Fritz Hollings erinnert. Hollings setzte sich vor anderthalb Jahren vehement dafür ein, gesetzlich Kopierschutz-Technologie für jedes elektronische Endgerät vorzuschreiben. Auf Grund massiver Proteste gab der Senator sein Gesetzvorhaben schließlich auf. Bei der EFF glaubt man nun, dass Hollings Ideen Stück für Stück mit dem broadcast flag und ähnlichen Technologie-Mandaten realisiert werden sollen. "Wir sind sehr besorgt über diesen Trend", betont von Lohmann. "Digitales Fernsehen ist nur der erste Schritt. Es wird nicht der letzte sein." (Janko Röttgers) / (jk)