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Digitalgipfel zu KI: Vor allem geht's um Datenzugang

Von Aufbruchstimmung war viel die Rede auf dem 12. Digitalgipfel. Eine Hauptherausforderung ist dabei die Nutzung von Daten.

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Digitalgipfel zu KI: Vor allem geht's um Datenzugang

Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel ließ sich in Nürnberg blicken.

(Bild: BMWI / Bildkraftwerk)

Deutschland muss beim Thema Künstliche Intelligenz seine "PS auf die Straße" bringen, forderte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier auf dem 12. Digitalgipfel. Eine der Kernforderungen vieler Diskussionen dort war die bessere Ausnutzung von Daten, dem Grundstoff für die Entwicklung von KI. KI ohne Daten sei wie ein Schwimmbad ohne Wasser, sagte Bitkom-Chef Achim Berg.

240.000 Patienten pro Stunde werden mit medizinischem Gerät aus dem Hause Siemens untersucht, 90 Prozent der Gesundheitsdienstleister kaufen bei Siemens Health ein. Mit seinen Tomographen und bildgebenden Verfahren sieht sich das Unternehmen als "Speerspitze" der KI-Entwicklung im medizinischen Bereich, sagte Bernd Montag, CEO von Siemens Healthineers. Genauso wie in der Automobilbranche, die auf 4000 GByte pro Tag und Fahrzeug spekulieren kann, sind es die Datenberge, die der KI made in Germany den Kick geben sollen.

Dass die für KI-Entwicklungen notwendigen "Elemente" gar nicht so neu sind, illustriert der IT-Branchenverband Bitkom mit seinem Periodensystem der KI. Das zum Gipfel vorgelegte Periodensystem – im Prinzip eine Aufarbeitung der Arbeiten des US-Wissenschaftlers Kristian Hammond – verzeichnet 29 Elemente von der schlichten "Spracherkennung" bis zum Element "Control", das weit in Richtung autonom agierendes System geht. Auch im Bitkom-Papier wird aber klar, damit die Elemente reagieren können muss eines her: "Es entwickelt sich ein stetig wachsender Strom neuartiger Daten, die plötzlich typische KI-Algorithmen wie Deep Learning beflügeln."

Bei aller Aufbruchstimmung gab es auch Klagen im Publikum. Zu viel sei von "Müssen" die Rede, zu wenig von "Machen". "Wir haben kein Erkenntnisdefizit, wir haben ein Umsetzungsdefizit", sagte Digital-Staatssekretärin Dorothee Bär. Sie forderte Mut zur Lücke – beziehungsweise zur Beta-Version beim Start des Bürgerportals, und viel mehr Gründergeist in der Schule. Das lebenslange Lernen sei mit der zweitägigen Schulung pro Jahr nicht abzuhaken.

Bär zufolge heiße es in ihrer Generation nicht mehr: "Unseren Kindern soll es mal besser gehen." Stattdessen dominiere die "angstgetriebene" Formel: "Hoffentlich wird es ihnen nicht schlechter als uns gehen." Bitkom-Chef Berg kritisierte Bedenkenträger und Medien: "Wenn ich die Zeitung aufschlage, glaube ich, dass es uns schlecht geht, aber so richtig, richtig schlecht." Dabei könne Deutschland Digitalisierung, "und das werden wir jetzt auch zeigen."

Bundesjustizministerin Katarina Barley trat der Idee entgegen, dass Datenschutz- und Ethikdebatten hintangestellt werden sollten, damit "Scale und Speed" im globalen Wettrennen stimmen. "Für das Publikum beim Digitalgipfel sei der vorgestellte digitale Zwilling, der dem einzelnen Zugang zur Präzisionsmedizin gibt, "großartig". Für viele Bürger sei das nicht automatisch eine positive Vorstellung. Dass die Menschen im Mittelpunkt stehen und nicht als Objekte betrachtet würden, "wird in jedem Panel gesagt", meinte Barley. "Es darf aber keine Floskel bleiben." (anw)

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