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Digitalpakt Schule: Informatiker kritisieren Einsatz von Microsoft-Produkten

Als Software-Lösung würden Schulen im Rahmen des Digitalpakts "Gratisverträge" mit Microsoft für Windows 10 und Office 365 angeboten, beklagt das FIfF.

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SchülerInnen arbeiten mit einem Microsoft-Produkt. Das FIfF moniert, Schulen könnten damit ihre Abhängigkeit von dem Redmonder Konzern zementieren.

(Bild: Microsoft)

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Das Forum InformatikerInnen für Frieden und gesellschaftliche Verantwortung (FIfF) protestiert, weil über den Digitalpakt Schule oft als Software Lockvogel-Angebote von Microsoft genutzt werden. Den meisten Schulträgern oder einzelnen Lehranstalten werde eine "kostenlose" Lizenz von Office 365 Education in der Vertragsvariante A1 angeboten.

Dieses angebliche "Rundum-Wohlfühlpaket" in der Grundausstattung mit E-Mail, Videokonferenzen und einer anpassbaren "Teams-Umgebung" könnte mit dem genehmigten Digitalpakt und den damit realisierbaren Kosten noch betrieben werden. Umfassendere Lizenzen wie A3 oder gar A5, mit denen Software-Dienste konfiguriert werden könnten, seien dagegen angesichts von Abopreisen von bis zu 5,90 Euro pro Monat und Nutzer kaum erschwinglich.

Mit dem Digitalpakt stelle der Bund über einen Zeitraum von fünf Jahren insgesamt 5 Milliarden Euro zur Verfügung, davon in dieser Legislaturperiode 3,5 Milliarden, rechnet das FIfF vor. Bereits im laufenden Schuljahr sollten diese Mittel abgerufen werden, um etwa Tablets zu kaufen. Eine Hardware ohne Software sei aber "untauglich", sodass zusätzlich zu Windows 10 meist Microsofts Office-Paket in der Basisversion naheliegend erscheine. Dem hält das FIfF entgegen, dass die Daten der meist minderjährigen Schüler gemäß der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) verarbeitet werden müssten. Bei Microsofts Lizenzvariante A1 sei dies "kaum bis gar nicht zu garantieren".

"Microsoft wird ab 14. Januar 2020 für die Betriebssysteme auf den Servern 2008 und 2008 R2 den Support einstellen und die auf ihnen laufende Software stattdessen in ihre Cloud Azure migrieren", warnt das Forum. Außerdem würden Daten in die USA transferiert. Danach werde keine Kontrolle von deutschen Institutionen mehr möglich sein. Auch könnten Inhalts- und Verbindungsdaten ohne Wissen oder Genehmigung Betroffener auch an Schulen weiter gesammelt und per Gesetz an die NSA weitergegeben werden.

Der Vorsitzende der Open Source Business Alliance, Peter Ganten, hatte im Mai noch gelobt, dass eine Verwaltungsvereinbarung zu dem Pakt "gemeinsame Server- und Dienstlösungen" vorsieht, bei denen "prioritär Open-Source-Angebote" heranzuziehen sind. Eine offizielle Empfehlung, dass Verantwortliche in den Schulen nun für den Desktop-Bereich Verträge mit Microsoft schließen sollten, kenne er nicht, erklärte er nun gegenüber heise online. Dies wäre auch bereits vergaberechtlich "hoch problematisch".

Microsoft versuche aber sehr aktiv, die eigenen Produkte an Schulen, Schulträger und Länder zu verkaufen. Trotz Warnungen von Datenschützern setzten auch einige der Entscheider dort etwa auf Office 365. Dies sei gefährlich, die Kontrolle über die Daten der Schüler gehe damit "vollständig verloren". (anw)