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Digitalpakt Schule: Neuer Streit über Abhängigkeit von Microsoft

Das Kultusministerium Baden-Württemberg forderte in einer Ausschreibung für ein Lernmanagementsystem, Schülerdaten über die Microsoft-Cloud zu verwalten.

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Lehrer Müller wünscht sich Informationstechnik in seine Schule.

(Bild: bmbf.de)

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Die Umsetzung des Digitalpakts Schule verläuft weiter unrund. Am Montag schlug die Open Source Business Alliance (OSB) Alarm: Das baden-württembergische Kultusministerium hatte ein neues Lernmanagementsystem für die Schulen des Landes ausgeschrieben. Darin hieß es: "Die Grundverwaltung von Identitäten und Gruppen erfolgt über ein (Microsoft) Azure Active Directory pro Schule."

"Dieser Satz schließt nicht nur weltweit bewährte Alternativlösungen von vornherein aus", beklagte die OSB. Schulträger würden gezwungen, die für die Anmeldung benötigten Daten ausschließlich über die Cloud von Microsoft zu verwalten. Dies stehe nicht dem Trend hin zu mehr digitaler Souveränität entgegen, sondern widerspreche auch den Zielen der Regierungsfraktionen des Landes, Offenheit und freie Software zu fördern.

Es sei "höchst bedenklich", dass nun der Verzeichnisdienst für die Microsoft-Cloud "durch die Hintertür und ohne Vergabeverfahren eingeführt werden soll". Das Kultusministerium reagiere damit offenbar auf einen jüngst veröffentlichten Bericht des Landesrechnungshofs zum Scheitern der Bildungsplattform "Ella", in dem unter anderem von mangelndem Projektmanagement die Rede ist.

Microsoft würde nach Meinung des OSB zum "zentralen Gatekeeper für die Bereitstellung von Lernanwendungen in Baden-Württemberg" und könnte so genau überwachen, "wer wann und von wo auf welche Anwendung zugreift". Entstehende umfangreiche Nutzerprofile stünden dann etwa auch US-Behörden offen, die über den Cloud Act darauf zugreifen könnten. Mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sei dies unvereinbar.