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Diskussion um Ausladung von Biometriekritiker

Die Ausladung des Dresdner Informatikprofessors Andreas Pfitzmann vom IT-Sicherheitskongress des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) soll nicht auf eine fachliche Weisung des Bundesinnenministeriums (BMI) zurückgehen. In einer Antwort auf eine schriftliche Anfrage der CDU-Bundestagsabgeordneten Martina Krogmann schreibt die Bundesregierung: "Das BSI ist selbstverständlich nicht daran gehindert, das Tagungsprogramm seines eigenen Kongresses an aktuelle Ereignisse anzupassen."

Das BSI habe Pfitzmann ausgeladen, da ein Vortrag über den von drei chinesischen Experten behaupteten Bruch des SHA-1-Algorithmus kurzfristig eingeschoben werden musste. Der Vortrag wird das Thema unter dem Titel "Neue Analysetechniken bei Hash-Funktionen und deren Anwendung auf den NIST-Standard SHA-1" behandeln. Die Publikation der Chinesen gilt in Fachkreisen als Sensation. Unter anderem beruhen aktuelle qualifizierte Signaturen auf dem mutmaßlich gebrochenen Algorithmus. Die Bundesregierung verwies außerdem darauf, dass mehrere Vorträge zum Thema Biometrie stattfänden. Eine Podiumsdiskussion gebe "genügend Raum für unterschiedliche Meinungen und kontroverse Diskussionen".

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Andreas Pfitzmann nahm hierzu in einem am gestrigen Mittwoch verschickten offenen Brief erneut Stellung. Darin teilte er mit, dass weder Mitarbeiter des BSI noch das BMI auf seinen Brief reagiert und ihn in seiner Interpretation, die Ausladung ginge auf den Einfluss des BMI zurück, korrigiert haben. Dies interpretiere er als Bestätigung seiner Schlussfolgerungen, dass die Ausladung auf Betreiben des BMI erfolgt sei. Auch habe man ihm in der Folge weder im Tagungsband noch an anderer Stelle wie etwa der Website des BSI Raum für seine Argumente eingeräumt. Die vom BSI unabhängigen Fachzeitschriften Datenschutz-Berater und DuD, Datenschutz und Datensicherheit würden nun seinen Aufsatz erstmals auf Papier veröffentlichen.

Pfitzmann teilte mit, dass "etliche MitarbeiterInnen des BSI" ihm "hinter vorgehaltener Hand" erzählt hätten, "dass es aus dem BMI seit vielen Monaten strikte Weisung gäbe, keinerlei kritische Argumente zur Biometrie nach außen dringen zu lassen". Auch spräche die Reaktion von Bundesinnenminister Otto Schily auf die Vorstellung des Berichtes des Bundesdatenschutzbeauftragten Peter Schaar für sich. Es sei erstaunlich, "wie die vergleichsweise vorsichtig vorgetragenen Argumente von Herrn Schaar, die Biometrie in den Ausweisen noch etwas in die Zukunft zu verschieben, um die Technik reifen zu lassen, von Herrn Schily nicht etwa mit Argumenten aufgegriffen wird, sondern nur gekontert wird mit der Schelte, der Bundesbeauftragte für den Datenschutz überschreite mit seiner Empfehlung seinen Kompetenzbereich." (Christiane Schulzki-Haddouti) / (Christiane Schulzki-Haddouti) / (anm)

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