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Diskussion um Verbot von "Killerspielen" kocht weiter vor sich hin

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Der bayerische Innenminister Günther Beckstein hat mit seinem Vorschlag zur Verschärfung des Strafgesetzbuches (StGB) erneut Öl in die Debatte um ein Verbot von "Killerspielen" gegossen. Der Formulierungsvorschlag des CSU-Politikers ist dieses Mal deutlich konkreter als die bisherigen Versuche Bayerns, eine entsprechende Bundesratsinitiative in Gang zu bringen. Forscher fordern dagegen nach wie vor mehr "Spielraum" statt pauschaler Verbote brutaler Medienformen. Eine gleichnamige Initiative hat zumindest kürzlich an der Fachhochschule Köln im Rahmen eines Instituts zur Förderung von Medienkompetenz die Arbeit aufgenommen. Sie wird von den Video- und Computerspieleherstellern Nintendo und Electronic Arts unterstützt.

Hauptziel der neuen Einrichtung ist vor allem Aufklärung. Bundesweit sollen Erziehungsberechtigten und Ausbildern Kenntnisse und Erfahrungen im Umgang mit Computerspielen vermittelt werden. "Bei unseren wissenschaftlichen Vorarbeiten haben wir in einer umfangreichen Befragung festgestellt, dass ein Mangel an Informationen bei Eltern, Lehrern und Pädagogen in Sachen Computer- und Videospiele besteht", resümiert Jürgen Fritz, bisheriger Leiter des Forschungsschwerpunkts "Wirkung virtuelle Welten" an der FH und nun gemeinsam mit Winfred Kaminski, dem Direktor des dortigen Instituts für Medienpädagogik und Medienforschung, auch Chef der neuen Initiative. Gleichzeitig gebe es aber auch ein großes Bedürfnis, diese Wissenslücke zu füllen.

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ingo Wolf hat derweil eingeräumt, dass die Bluttat von Emsdetten nicht völlig unerwartet geschehen sei. Gegenüber dem Spiegel erklärte der FDP-Politiker, dass Lehrer den Schüler Bastian B. schon Monate vor der Schießerei an einer Schule als möglichen Amokläufer bezeichnet hätten. Die psychische Situation eines Amokläufers sei für Lehrer und Mitschüler vermutlich generell im Vorfeld erkennbar. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen will nun angeblich alle Schulen im Lande besuchen, um nach Anzeichen für mögliche weitere Täter zu suchen. Zuvor hatte sie unmittelbar nach dem Vorfall allerdings die offenen Hilfsgesuche des Emsdettener Amokläufers im Internet, seinen Abschiedsbrief und einzelne Online-Profile von ihm zu zensieren versucht.

Beckstein hat angesichts der auch wiederholt zu hörenden Kritik an gesetzgeberischen Schnellschüssen seine Verbotsforderung derweil zu "Arbeitshypothesen" erklärt und im Gegensatz zu früheren Vorstößen enger ausgelegt. 2003 fasste der Bundesrat unter "Killerspiele" neben reinen PC-Spielen wie Counter-Strike oder Doom auch noch moderne Varianten von "Räuber- und Gendarm"-Jagden wie Gotcha, Paintball und Laserdrome, für die es online höchstens Spielerforen gibt.

Ein Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags hatte kürzlich ebenfalls eine enge und klare Definition brutaler Spiele angemahnt und selbst folgende Formulierung vorgeschlagen: "Killerspiele sind solche Computerspiele, in denen das realitätsnah simulierte Töten von Menschen in der fiktiven Spielewelt wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung ist und der Erfolg des Spielers im Wesentlichen davon abhängt. Dabei sind auch die graphische Darstellung der Tötungshandlungen und die spielimmanenten Tötungsmotive zu berücksichtigen." Generell hält das vom CDU-Innenpolitiker Wolfgang Bosbach in Auftrag gegebene Papier fest, dass ein Einfuhr-, Verkauf-, Vermiet- und Verleihverbot "per se" nicht gegen das Grundgesetz verstoße. Beckstein will sich im Gegensatz zu dem Definitionsentwurf des Gutachtens stärker am bereits bestehenden Verbot Gewalt verherrlichender Medien im Paragraph 131 StGB orientieren und diesen aufbohren.

Siehe zu dem Thema auch:

Stefan Krempl
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