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Diskussion um Wirkung von Gewaltdarstellungen geht weiter

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Nach dem Amoklauf in dem Erfurter Gutenberg-Gymnasium ist die Diskussion um Gewalt in Medien und in Computerspielen neu entbrannt. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat deshalb die Intendanten der Fernseh- und Rundfunkanstalten für Donnerstag (2. Mai) zu einer Diskussionsrunde ins Bundeskanzleramt eingeladen. Thema: Die Wirkung von Gewaltdarstellungen im Fernsehen. Nach Ansicht von Schröder und Unions-Kanzlerkandidat Edmund Stoiber (CSU) soll auch der Bundestag über die Folgen diskutieren.

Angesichts der Geschehnisse müsse man sich fragen, ob Sendungen mit Gewaltszenen nicht zu einer erhöhten Gewaltbereitschaft führen, und Horrorfilme und Gewaltvideos nicht zur Nachahmung anregen würden, heißt es in der Einladung des Bundeskanzlers. In seinem Schreiben wirft Schröder auch die Frage nach neuen und wirksameren Formen zur Begrenzung von Gewaltprogrammen auf -- beispielsweise durch eine konsequentere freiwillige Selbstbeschränkung der Anbieter, durch eine strengere Freigabe bei Gewaltfilmen oder durch zusätzliche gesetzliche Vorschriften.Auch das Internet will der Bundeskanzler stärker regulieren: Durch das Internet seien Gewaltdarstellungen für alle Altersgruppen erhältlich, erklärte Schröder. Man müsse mit den Providern reden, wie man dies unterbinden könnte.

In Erfurt, wo er mit CDU-Chefin Angela Merkel der Opfer gedachte, verlangte Stoiber ähnlich wie Schröder eine breite gesellschaftliche Debatte über Gewalt. "Es ist eine höhere Intoleranz notwendig gegen Gewaltverherrlichung und die Akzeptanz von Gewalt in unserer Gesellschaft." Wegen der Tat hatte die Union die Vorstellung ihres Wahlprogramms um eine Woche verschoben.

Nachdem Ermittlungen der Erfurter Polizei ergeben haben, dass der Amokläufer unter anderem den Shooter Counterstrike gespielt haben soll, ist die Diskussion um Gewalt in Computer- und Videospielen in vollem Gange. Während Stoiber erneut ein Verbot von Gewaltdarstellungen in Videos und Spielen fordert, hat Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) Bayerns Innenminister Günther Beckstein (CSU) vorgeworfen, mit dem Amoklauf Wahlkampf zu betreiben. Beckstein hatte Bundesfamilienministerin Christine Bergmann (SPD) Untätigkeit vorgeworfen, weil sie eine Initiative aus dem Bundesrat zum Verbot von Gewalt-Videos- und Spielen nicht aufgegriffen habe.

Daniel Walther, Bundesvorstand der Jungen Union und medienpolitischer Sprecher, sieht hingegen keine Gefährdung durch Counterstrike. In der aktuellen Ausgabe des Magazins GameStar wird der 27-Jährige mit den Worten zitiert: "Das Zwölfergremium der Bundesprüfstelle soll am besten die Kirche im Dorf lassen und weiterspielen." Seit Ende vergangenen Jahres untersucht die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften das Spiel. Bei einer möglichen Indizierung dürfte es nur noch an Volljährige verkauft werden.

Die Organisatoren und die Sponsoren AMD und Freenet haben sich unterdessen dazu entschlossen, die für das kommende Wochenende in Erfurt geplante Veranstaltung "Das große Beben 5" abzusagen. Auch die Homepage das-grosse-beben.de ist bis auf eine schwarz hinterlegte Seite geschlossen. (Tanja Eckel) / (wst)

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