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Disney kauft Star Wars

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George Lucas und Robert A. Iger (links) vereinbaren die Übernahme von LucasFilm durch Disney

(Bild: The Walt Disney Company)

The Walt Disney Company kauft die Lucasfilm-Gruppe von Firmengründer und Eigentümer George Lucas. Er erhält dafür laut Mitteilung 4,05 Milliarden Dollar (3,13 Milliarden Euro), wovon jeweils etwa die Hälfte in bar und in neuen Disney-Aktien bezahlt wird. Lucas wird mehr als zwei Prozent an Disney besitzen und damit zu den größten Teilhabern zählen. Disney ist vor allem an der Star-Wars-Serie interessiert und will 2015 die siebente Folge der Saga in die Kinos bringen. Der Deal umfasst zudem Technik für visuelle Spezialeffekte und Tonverfahren samt den erfahrenen Mitarbeitern. Davon sollen auch andere Disney-Produktionen profitieren.

Die 1971 gegründete Firma Lucasfilm ist neben Star Wars vor allem für Indiana Jones und American Graffiti bekannt. Lucas' Frühwerk "THX 1138" ist zum Kultfilm geworden, auf den in Star Wars und anderen Werken der Populärkultur immer wieder Bezug genommen wird. Das Studio hat mit einer überschaubaren Zahl an Produktionen 19 Oscars und zwölf Emmys gewonnen.

Im laufenden Jahr dürfte Lucasfilm um die 800 Millionen Dollar (618 Millionen Euro) umsetzen. Laut Disney werden 215 Millionen Dollar (166 Millionen Euro) und damit etwas mehr als ein Viertel des Gesamtumsatzes mit Merchandising erwirtschaftet. Ein weiteres Viertel kommt aus den Studioproduktionen für Kino und TV selbst, etwa ein Fünftel aus Videospielen. Da aber seit 2005 kein Star-Wars-Spielfilm mehr erschienen ist, sieht Disney ein deutliches Steigerungspotenzial bei Umsatz und Gewinn. Mit Inflationsausgleich berechnet hätten die drei jüngsten Star Wars Filme alleine an den Kinokassen 2,5 Milliarden Dollar (1,9 Milliarden Euro) eingespielt, sagt Disney. Damals, 2005, hat Lucasfilm 550 Millionen Dollar operativen Gewinn erzielt.

Zur Lucasfilm-Gruppe gehören unter anderem Industrial Light & Magic (visuelle Spezialeffekte), Skywalker Sound, LucasArts (Videospiele), Lucasfilm Animation und Lucas Online. Die Tochterfirma Pixar hatte Lucas 1986 an Steve Jobs verkauft, heute gehört Pixar zu Disney. "Unsere Bewertung (von Lucasfilm) beruht fast ausschließlich auf Star Wars", betonte Disney in einer Telefonkonferenz mit Analysten. Einnahmen aus Leistungen für andere Studios sowie aus Archivwerken wie etwa Indiana Jones sind finanzielle Dreingabe.

Der Unterhaltungskonzern will den weltweiten Verkauf von Star-Wars-Devotionalien forcieren. Auch einschlägige Spiele für Handys und soziale Plattformen sind geplant. Die Rechte für Konsolenspiele sollen jedoch an Spielestudios verkauft werden. Nach der siebten Folge 2015 sollen im Abstand von jeweils zwei bis drei Jahren die Folgen 8 und 9 in die Kinos kommen. Auch im TV winkt Profit, schon allein weil Disney selbst mehrere Fernsehkanäle besitzt. In Disneys Vergnügungsparks ist Star Wars schon jetzt vertreten.

Die Mitarbeiter von Lucasfilm sollen an ihren derzeitigen Arbeitsorten verbleiben. Verlieren werden aber derzeitige Vertriebspartner, etwa im Merchandising-Bereich. Solche Aufgaben möchte Disney künftig selbst übernehmen.

Die wettbewerbsrechtlichen Genehmigungen für die Übernahme stehen noch aus. Die New York Stock Exchange war auch am Dienstag infolge des Hurrikans Sandy geschlossen. Damit hatte die Ankündigung bislang keine Auswirkung auf den Disney-Börsenkurs. Die Börse möchte am heutigen Mittwoch den Handel wieder aufnehmen.

George Lucas selbst will sich langsam zur Ruhe setzen und wohltätigen Projekten wie etwa seiner Bildungs-Stiftung widmen. Auch experimentelle Filmprojekte schweben ihm vor. Zudem will er Disney als Berater zur Verfügung stehen. Seine (ehemalige) Firma verfüge über Ideen und Konzepte für weitere Star-Wars-Filme für die nächsten Hundert Jahre, sagt er in einem Video (s.u.), das auch die Vertragsunterzeichung zeigt.

Video mit Stellungnahmen und Vertragsunterzeichnung.

(anw)

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