Disney+ streamt aktuell nur mit verringerter Auflösung

Nach der Ankündigung von Disney+, "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" schon am 4. Mai zu bringen, stimmten einige verfrüht den Abgesang auf die UHD-Blu-ray an.

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(Bild: Disney+)

Von
  • Nico Jurran

Am gestrigen Montagnachmittag kündigte der Videostreamingdienst Disney+ an, "zu Ehren des diesjährigen Star Wars Day" das finale Kapitel der Skywalker Saga "Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers" bereits ab 4. Mai auf Disney+ zum Abruf bereitzustellen. Dieser Schritt überrascht nicht zuletzt auch deshalb, weil Disney hierzulande die Blu-ray Disc, die 3D-Blu-ray und die Ultra HD Blu-ray erst am 30. April auf den Markt bringen wird.

Damit nicht genug: Disney+ kündigt den Film auf entsprechenden Endgeräten in "4K Ultra HD"-Auflösung mit dynamischem HDR-Bild im Format Dolby Vision und englischem 3D-Sound in Dolby Atmos an. Die Ultra HD Blu-ray bietet zwar ebenfalls eine native 4K-Auflösung und englischen Atmos-Ton, kann aber nur mit statischem HDR im Format HDR10 dienen.

Kein Wunder also, dass einige Nutzer bereits feststellten, dass die Streaming-Version (abseits der 3D-Blu-ray-Variante) den Disc-Versionen nicht nur ebenbürtig, sondern sogar eindeutig überlegen sei. Ein genauerer Blick auf das Disney+-Angebot zeigt jedoch, dass dies zumindest aktuell nicht stimmt.

Hintergrund ist, dass alle großen Videostreamingdienste aktuell auf Bitte des EU-Kommissars Thierry Breton ihre Datenraten reduziert haben, um im Hinblick auf die Corona-Pandemie und den damit verbundenen Shutdown eine Überlastung der Netze verhindern (auch wenn man über diesen Punkt vortrefflich diskutieren kann). Dies hat sich bereits bei vielen herumgesprochen – weil beispielsweise die Anzeige am Fernseher das Fehlen von Dolby Atmos verrät.

Die meisten Nutzer haben jedoch noch nicht mitbekommen, dass der Streamingdienst derzeit auch die Auflösung heruntergefahren hat. In der Praxis bedeutet dies, dass Disney+ Filme, die laut Anzeige in 4K mit 3820 × 2160 Pixel vorliegen, tatsächlich in WQHD (1440p) mit 2560 × 1440 Pixel zu den Kunden streamt. Die Gesamtpixelzahl ist also von 8.251.200 auf 3.686.400 Pixel gesunken.

Und das „Downgrade“ betrifft nicht nur 4K: Ist ein Titel mit der Auflösung HD gelistet, erhält man ihn hierzulande aktuell nicht in der Auflösung 1080p mit 1920 × 1080 Bildpunkten, sondern nur in der Auflösung 720p mit 1280 × 720 Bildpunkten.

Netflix Deutschland streamt 4K-Titel (hier "Lost in Space") weiterhin in voller Auflösung, aber mit stark reduzierten Datenraten.

Da viele Zuspieler auf 4K hochskalieren, stellt sich natürlich die Frage, wie sich die reale Auflösung messen lässt. Möglich ist dies mit einem Apple TV 4K mit aktivierter Entwicklerfunktion. Andere Nutzer nutzen einen Fire TV Stick 4K und dessen Entwickleroptionen.

Über einen VPN-Zugang zum amerikanischen Ableger von Disney+ lässt sich dann auch leicht die Gegenprobe machen: Hier bekommt man weiterhin (englischen) Dolby-Atmos-Ton, zudem liefert Disney+ hier mit 4K Ultra HD gekennzeichnete Titel auch tatsächlich mit 3820 × 2160 und HD-Titel mit 1920 × 1080 Bildpunkten aus.

Selbst HD-Titel (hier "Die Monster AG") werden hierzulande von Disney+ aktuell nur in 720p (oben) ausgeliefert, während der US-Ableger des Dienstes weiter in 1080p (unten) streamt.

Dass sich die Situation bis zum Erscheinen des Films bei Disney+ am 4. Mai ändert, ist sehr unwahrscheinlich. Aktuell ist bei keinem hierzulande verfügbaren Dienst in Sicht, wann er wieder mit voller Datenrate (und Auflösung) streamt.

(nij)