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Display Week 2018: Das Revival der 3D-Bildschirme?

Nachdem es in den vergangenen Jahren recht still um 3D geworden ist, überraschten diverse Hersteller auf der Display Week mit ausgefeilten ̶ und weniger ausgefeilten ̶ 3D-Displays.

Display Week 2018: Das Revival der 3D-Bildschirme?

Wer durch die Ausstellung der Display Week im Kongresszentrum von LA schlendert, könnte meinen, es steht ein Revival an: In diesem Jahr gibt es diverse 3D-Bildschirme zu begutachten. Anders als zum Start von 3D vor einigen Jahren müssen die Zuschauer heute aber keine 3D-Brille mehr aufsetzen, um in die dritte Dimension abzutauchen. Stattdessen werden autostereoskopische Displays gezeigt und 3D-Realisierungen mit Lichtfeld-Panels.

Die brillenlosen Systeme profitieren von der gestiegenen Pixelanzahl – auf 8K-Displays lassen sich etliche Perspektiven unterbringen und mit den dicht gepackten Mobildisplays neue 3D-Techniken realisieren. So zeigt BOE autostereoskopisches 3D-LCD dank 8K-Auflösung weitgehend übergangslose 3D-Ansichten, wenn man sich seitlich vor dem 65-Zöller bewegt. Der Tiefeneffekt ist nicht übermäßig stark, aber angenehm.

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Eine überraschende 3D-Demo zeigt Tianma am Stand: Das sogenannte Floating Display nutzt ein Linsensystem, um animierte 3D-Bilder in die Luft zu projizieren. Dabei entsteht das Bild ähnlich wie in Augmented-Reality-Brillen erst im Auge des Betrachters, wird also auf die Netzhaut projiziert. Das Display selbst ist ein Metallkasten mit einer großen Linse, vor der in einem begrenzten Blickbereich die Bilder zu sehen sind. Verlässt man den Bereich, sieht man an Stelle der 3D-Projektion – Luft. Laut Tianma ist die Darstellung weitgehend unabhängig vom Umgebungslicht, also auch in sehr heller Umgebung zu sehen.

Dimenco hat ein 8K-LCD mit Eye-Tracking kombiniert, um den dreidimensionalen Seheindruck möglichst optimal aufrechtzuerhalten. Die Firma nutzt eine ursprünglich von Philips entwickelte 3D-Technik und ist vor einigen Jahren als Ausgliederung aus der 3D-Entwicklungsabteilung von Philips entstanden. In der detailreichen Präsentation am großen 8K-Display störten jedoch ruckelnde Übergänge, sobald man sich seitlich zum Display bewegt. Ob's am Display lag oder doch am Eye-Tracking blieb unklar.

Einige Aussteller nutzen vermeintlich Lichtfeld-Displays, um dreidimensionale Bilder zu zeigen. Das Besondere daran: Man kann um Objekte in der Darstellung herumschauen, also auch eigentlich verdeckte Seiten sehen. Das gelingt zwar prinzipiell allen, aber nicht immer gut. Besonders verunglückt ist die Präsentation von Samsung: Der gute Tiefeneffekt der beiden autostereoskopischen Mobildisplays wurde durch ein starkes Springen des Bildes von einer Ansicht zur nächsten gestört. Die von Samsung erwarteten Schlangen zum 3D-Separee blieben folgerichtig aus.

Deutlich eindrucksvoller ist die 3D-Präsentation von Polarscreens in der iZone, dem Forschungsbereich der Ausstellung. Polarscreens arbeitet mit zwei LC-Displays: Das vordere erzeugt den eigentlichen Bildinhalt, das hintere lenkt das Licht LED-Backlight gezielt zum rechten und linken Auge des Zuschauers. Dafür müssen allerdings die Augen wie bei Dimenco von einer Kamera getrackt werden, es kann also immer nur eine Person die korrekten 3D-Bilder sehen.

Ein ähnliches Verfahren nutzt die Hamburger Firma SeeFront. Bei ihr liegt das Licht-steuernde Linsenraster jedoch vor dem bildgebenden Display. Bei beiden Verfahren bleibt die Auflösung des Displays erhalten, die Darstellung ist angenehm scharf und hell, Ruckler gibt es keine. Während sich das Polarscreen-System noch im Prototypenstadium befindet, werden die 3D-Schirme von SeeFront bereits seit einigen Jahren für große Gaming-Konsolen und als Trainingssysteme etwa in der Medizin eingesetzt.

Alle gezeigten 3D-Systeme profitieren von den hohen Displayauflösungen. Ob dies bereits ein Revival der 3D-Displays auslösen kann, ist dennoch mehr als fraglich. Alle großen Displayhersteller haben sich bereits vor geraumer Zeit im Consumer-Bereich bei TVs und Monitoren von 3D verabschiedet. Deshalb dürften die neuen autostereoskopischen 3D-Systeme eher professionellen Anwendungen und Schulungszwecken vorbehalten bleiben. (uk)

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